LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Dritte Auflage des Festivals Reset lässt acht JazzmusikerInnen aufeinandertreffen - Ein Gespräch mit dem künstlerischen Leiter, Pascal Schumacher

Was passiert, wenn man acht Jazzmusiker-Innen, die sich nicht kennen, aus ihrem gewohnten Kontext reißt und sie aufeinandertreffen lässt, damit sie neue musikalische Wege gehen und am Ende ein gemeinsames Projekt präsentieren? Nun, das Resultat ist eines der interessantesten Festivals, die in Luxemburg gleich zu Beginn des Jahres im Jazzbereich geboten werden. „Reset“ nennt sich das Ganze. Die dritte Auflage wird gerade in einer Künstlerresidenz im Kulturzentrum neimënster vorbereitet. Die Früchte der Arbeit werden anschließend in unterschiedlichen Konzertformaten am 16., 17. und 18. Januar präsentiert.

Damit am Ende tatsächlich ein gemeinsames Musikprojekt auf der Bühne präsentiert werden kann, muss die Konstellation natürlich stimmig sein. Die Zusammenstellung ist Aufgabe des Luxemburger Vibrafonisten Pascal Schumacher, der nun bereits zum dritten Mal die Rolle des künstlerischen Leiters übernimmt. „Jazz hat eine lange Tradition in der Abtei. Die ,Apéro Jazz‘-Reihe an den Sonntagvormittagen gibt es nach wie vor, andere Konzertformate sind dagegen verschwunden. Ainhoa Achutegui, die damals noch relativ neu im Amt der Direktorin war, wollte wieder etwas Neues im Jazzbereich machen. Über das mögliche Konzept haben wir viel geredet, es sollte wirklich ein neues Format sein, auch um sich als Kulturort ein bisschen zu erneuern. Das neimënster, das ja eigentlich ,Centre culturel de Rencontre de Neumünster‘ heißt, sollte noch mehr zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs werden“, erinnert Schumacher im Gespräch mit dem „Journal“ an die Anfänge des Reset-Festivals.

Ein Experiment, das gleich ein voller Erfolg war

„Die erste Ausgabe 2018 war ein Experiment. Wäre das Publikum ausgeblieben oder am Ende enttäuscht gewesen, wäre es wohl bei diesem einen Versuch geblieben. Das Gegenteil war aber der Fall, das Ganze ist gleich ziemlich eingeschlagen, was uns extrem überrascht hat. Natürlich haben wir mit interessierten Zuschauern gerechnet, aber nicht in diesem Maß. Fast waren es schon zu viele“, lacht Schumacher.
Nach dem tollen Erfolg fiel die Entscheidung, jedes Jahr ein solches Festival zu organisieren, und nicht, wie anfangs angedacht, nur im Zweijahresrhythmus.

Nun steht also die dritte Auflage in den Startblöcken. Und wieder hat Pascal Schumacher vier Musikerinnen und vier Musiker - auf Geschlechterparität wird Wert gelegt - mit acht unterschiedlichen Nationalitäten eingeladen, die verschiedene Instrumente spielen. „Idealerweise sind es Leute, die noch nie zusammen gespielt haben, sich demnach erst wenige Tage vor den Konzerten kennenlernen und dann in der Künstlerresidenz im neimënster gemeinsam überlegen, was sie machen wollen. Das macht den Charme von Reset aus, diese Unbekannte, diese Blind Dates, die auf die Künstler zukommen“, beschreibt der Festival-Koordinator.

Stimmiges Jazz-Puzzle

Aus Luxemburg ist diesmal der Pianist Michel Reis mit von der Partie. Natasha Rogers stammt aus den Niederlanden. Sie spielt Klavier und hat sich zudem auf afrokubanische Perkussion spezialisiert. Sebastian Studnitzky reist aus Deutschland an und ist als Trompeter bekannt. Die Vibrafonistin Taiko Saito wurde in Japan geboren und lebt heute in Berlin. Der gebürtige Rumäne Alex Simu spielt Klarinette. Kontrabassistin Lara Rosseel stammt aus Belgien. Aus Frankreich kommt der Flötist Joce Mienniel. Saxofonistin und Sängerin Eva Fernández ist Spanierin.

„Jedes Jahr wird die Herausforderung größer, eine Truppe zusammenzustellen, die musikalisch zueinander passt“, gibt Schumacher derweil zu, ist sich aber sicher, dass ihm dies erneut gelungen ist. Auch Frauen in der Jazzwelt ausfindig zu machen, sei nach zwei Auflagen nicht mehr unbedingt selbstverständlich. An Sängerinnen fehle es zwar nicht, dafür aber an Instrumentalistinnen. „Langsam aber sicher finden aber mehr Frauen ihren Weg in den Jazzbereich, diese Tendenz hat sich bereits bemerkbar gemacht“, freut er sich.

„Natürlich ist es wichtig, dass man die Leute kennt, die man einlädt. Es dürfen keine zu großen Platzhirsch-Egos sein, gebraucht werden kulante, intelligente und aufgeschlossene Leute, die aufeinander zugehen, sich gegenseitig zuhören und nicht nur ihre eigene Idee durchsetzen wollen. Eine kleine Gefahr kann das durchaus sein, immerhin sind sie eher Leader, leiten also ihre eigenen Gruppen. Wenn auf einmal lauter Häuptlinge aufeinandertreffen, muss sich daraus trotzdem eine neue, gemeinsame Dynamik entwickeln können. Ich
habe vollstes Vertrauen, dass das auch diesmal gelingt. Und wenn es sich trotzdem als nötig erweisen sollte, bin ich ja da, als potenzieller Feuerlöscher“, sagt er
und lacht. Ansonsten ist er selbst aber kaum in den Entstehungsprozess eingebunden. „Nur am Anfang bin ich präsent, beantworte Fragen, übernehme ein bisschen die Rolle des Vermittlers und gebe den einen oder anderen Anstoß. Dann ziehe ich mich zurück, es ist wichtig, dass sich die Dynamik von selbst ausbreiten kann“, unterstreicht er.

Intensive Tage liegen nun vor den MusikerInnen. Ob aus den Blind Dates dann tatsächlich die große Liebe wird, bleibt abzuwarten. Pascal Schumacher jedenfalls hat keine Bedenken und rät dem Publikum, sich einfach überraschen zu lassen und sich vom Flow mitreißen zu lassen. Genau wie bei den ersten beiden Auflagen.

Das Programm

Festivalauftakt ist am 16. Januar, dann werden die MusikerInnen als Duo oder Trio an drei unterschiedlichen Orten auftreten. 19.30 Batîment Robert Bruch (neimënster): Taiko Saito & Michel Reis - 20.30 Melusina: Sebastian Studnitzky, Joce Mienniel & Eva Fernández - 21.30 Zapschoul: Natascha Rogers, Lara Rosseel & Alex Simu. Der Eintritt ist frei. Am 17. Januar stehen die acht Jazz-Stars um 20.00 zusammen im neimënster auf der Bühne (Salle Robert Krieps). Am 18. Januar treffen sie um 20.00 in der Brasserie Wenzel (neimënster) auf lokale Jazzkünstler, um das Publikum gemeinsam bis in die Nacht zum Tanzen zu bringen.

Tickets für die Konzerte am 17. und 18. Januar über billetterie@neimenster.lu (22 Euro oder Festivalpass für 30 Euro) - Alle Infos: www.neimenster.lu