FULDA
CHRISTIAN SPIELMANN

Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“ als Musical

Die Schatzinsel“ des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850-1894) erschien zwischen Oktober 1881 und Januar 1882 als Mehrteiler in der Zeitschrift „Young Folks“. Als Buch kam die Piraten-Geschichte 1883 in England auf den Markt. Die Produktionsfirma Spotlight Musicals produzierte unter anderem die Musicals „Die Päpstin“ (2011), „Friedrich der Große“ (2012) und „Kolpings Traum“ (2013). Mit „Die Schatzinsel“ erschuf das Kreativ-Team um Produzent Peter Scholz, Komponist und Autor Dennis Martin sowie Co-Autor Christoph Jilo erneut ein interessantes und unterhaltsames Musical, das am Freitag im Schlosstheater in Fulda Premiere feierte.

Zwei Geschichten

Das Musical teilt sich in zwei Erzählstränge: Die Entstehung des Romans von Louis Stevenson (Friedrich Rau) und die Geschichte selbst der „Schatzinsel“, so dass die Schauspieler gleich in mehrere Rollen schlüpfen müssen. Der an Tuberkulose erkrankte Louis soll nach dem Willen seines Vaters (Norbert Lamla) eine Stelle als Anwalt annehmen, doch er zieht nach Fontainebleau, wo er seiner Passion als Schriftsteller nachgehen kann. Hier lernt er die verheiratete Amerikanerin Fanny Osborne (Anna Thorén) und ihren Sohn Lloyd (Claudius Ruppel) kennen. Er beginnt Lloyd, dessen Vater irgendwo in Kalifornien Gold sucht, eine Piratengeschichte zu erzählen, in der Ruppel nun Jim Hawkins spielt, der mit seiner Mutter (Thorén) eine Hafenkneipe betreibt.

Ein versoffener Seemann Billy Bones (Frank Logemann) quartiert sich bei ihnen ein. Kurz darauf sucht der blinde Pew (Olaf Meyer) Bones, aber ehe er mit ihm reden kann, stirbt dieser. In seiner Kiste findet Jim die Karte einer Insel auf der ein Schatz vergraben ist. Ein weiterer zwielichtiger Kerl mit einem Holzbein, Long John Silver (Andreas Lichtenberger), freundet sich mit Jim an. Dr. Livesey (Rau) und der Squire Trelawney (Lutz Standop) wollen eine Expedition auf die Beine stellen, um den Schatz zu suchen. Als Kapitän wird Smollett (Lamla) engagiert sowie auch John Silver, der eine Mannschaft rekrutiert, die aber die des toten Käpt’n Flint ist, jener Pirat, der den Schatz versteckt und alle Mitwisser getötet hat. Von Bristol aus sticht das Schiff Hispaniola in See.

Fließende Übergänge

Durch eine einfache Teilung der Bühne durch zwei Vorhänge gelingt es Regisseur Stanislav Slovak die zwei Geschichten in einander fließen zu lassen. So befinden sich zum Beispiel rechts die Wohnung der Stevensons und links die Künstlerateliers in Fontainebleau. Dann erwächst die ganze Bühne zum Hafen von Bristol oder zur Hispaniola. Alle Umbauten geschehen ohne lästige Pausen, so dass die Spannung bei der Schatzsuche ungebrochen bleibt, genau wie die Gefühle in der Beziehung zwischen Louis und Fanny. Umgarnt werden die beiden Stränge durch etliche melodiöse Songs, wie „Es lebe die Bohême“, „Irgendwo am Ende der Welt“, „Haben wir noch den Mut zu träumen“, „Alles auf eine Karte“, „Bristol City“, ein Lied mit einer flotten Choreografie von Michal Matej, und das romantische „Übers weite Meer“.

Claudius Ruppel weiß inmitten all der Profis zu überzeugen. Friedrich Rau nuanciert gekonnt seine drei Figuren (er spielt noch Ben Gunn, den Herrn der Insel), mal ist er als Louis gebrechlich oder hoffnungslos verliebt, als Doktor entschlossen und als Ben hasserfüllt. Anna Thorén besticht durch ihre schöne Stimme, und Andreas Lichtenberger mimt einen knallharten, stimmlich starken Piraten, der trotz seines hinterlistigen Plans Jim in sein Herz schließt. Norbert Lamla mit seiner markanten Singstimme verleiht dem Kapitän eine gewisse Hartherzigkeit, wie auch als Louis Vater, der trotzdem zum Schluss zu seinem Sohn steht.

Das Musical „Die Schatzinsel“ überzeugt in allen Belangen, Musik, Tanz, schauspielerische und gesangliche Leistungen, und lohnt den Weg in die Barockstadt Fulda, in der es viel zu sehen und zu erleben gibt.

Weitere Informationen und Tickets

www.spotlight-musical.de.