PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

Mark Twains Klassiker „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ als Musical in Paris

Einer der bemerkenswertesten Klassiker der Jugendliteratur ist das Buch „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von Mark Twain, das 1876 erschien. Der Roman wurde oft verfilmt und auch als Theaterstück und Musical adaptiert. Der französische Komponist Julien Salvia arbeitet seit Jahren mit dem Texter und Autor Ludovic-Alexandre Vidal zusammen. Sie erschufen unter anderem die Musicals „Révolution“, „Le Prince et le Pauvre“ oder „Raiponce et le prince aventurier“. Mit ihrem neuen Werk „Les aventures de Tom Sawyer“ adaptierten sie Twains Geschichte für die Produktionsfirma „Double D Productions“. Das Musical feierte am 17. Februar Premiere im Pariser „Théâtre du Mogador“.

Am Ufer des Mississippi

Tom Sawyer (Jimmy Costa-Savelli) lebt mit seinem Bruder Sid (Olivia Masseron) bei seiner Tante Polly (Marion Préïté) in Sankt Petersburg am Ufer des Mississippi. Er liebt es, herumzustreichen, statt in die Schule zu gehen. Als jedoch Becky Thatcher (Megan Bonsard) neu in die Klasse kommt, verliebt sich Tom auf der Stelle. Er lernt Huckleberry Finn (Harry Hamaoui) kennen, der ganz allein sein Leben bestreitet. Beide kommen dem Indianer Joe (Joseph Laurent) auf die Spur, der zusammen mit Muff Potter (Vincent Escure) einen Schatz sucht. Auf dem Friedhof werden Huckleberry und Tom Zeugen, wie Joe ein Grab schändet, in dem er die Schatzkarte findet, und wie er den Friedhofswächter tötet und Muff die Schuld gibt. Die beiden Jungen machen sich gegenseitig das Versprechen, nie ein Wort über diese Beobachtung zu verlieren. Doch Muff wird von Richter Thatcher (Antoine Beauraing), Beckys Vater, des Mordes angeklagt, und riskiert die Todesstrafe.

Geglückte Inszenierung und flotte Melodien

Das Musical „Les aventures de Tom Sawyer“ wird als Show für Kinder vermarktet, aber die Geschichte enthält keine Situationen, an denen sich junge Zuschauer speziell erfreuen würden. Allenfalls werden ältere Jugendliche den Plot verstehen, und Erwachsene sollten ebenfalls den Besuch nicht scheuen. Die Requisiten, wie die Fassade von Pollys Haus mit dem Gartenzaun, der zum herrlichen Lied „En deux trois coups d’pinceaux“ von Toms Klassenkameraden gestrichen wird, ein Bootssteg, ein Floß, auf dem Huck den Mississippi befährt, Grabsteine und Steinquader in einer Höhle, werden meistens von den Darstellern und Darstellerinnen auf die Bühne und von der Bühne geschoben, so dass keine Unterbrechungen den Rhythmus stören.

Regisseur David Rozen hat seine Schauspieler und Schauspielerinnen im Griff. Sie können alle singen und beherrschen die Tanzschritte von Johan Nus. Jimmy Costa-Savelli beweist sein Gesangstalent mit dem melodiösen „Ma grande aventure“ oder mit „J’dis ça j’dis rien“ im Duett mit Megan Bonsard. Harry Hamaoui kann sein Können mit dem romantischen Song „Mais c’est la vie“ beweisen, und ganz stark ist das Lied „Je n’suis pas“ von Marion Préïté gesungen. Weitere Ohrwürmer sind die Ensemble-Songs „Après la pluie, le beau temps“ und „Saint-Petersburg Mississippi“.

Somit überrascht dieses angebliche Kinder-Musical in allen Belangen und ist den Besuch im „Théâtre du Mogador“ wert, den man vielleicht mit „Grease“ verbinden kann, das immer noch dort läuft.

Das Musical läuft noch bis zum 6. Mai. Weitere Informationen unter www.double-d-productions.fr. Tickets muss man allerdings bei Online-Ticket-Anbietern bestellen, wie zum Beispiel www.theatreonline.com, oder direkt im Theater kaufen.