LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Eurovision Song Contest – The Story of Fire Saga” ist ein neckischer Liebesbrief an den Wettbewerb

Für die einen ist er Kult. Für die anderen eine mediale Geißel. Die Rede ist vom Eurovision Song Contest, einem alljährlichen Schauspiel, bei dem einen schlicht die Spucke wegbleibt, egal welche Ansicht einer teilt. 2020, das Jahr, das alles änderte, ließ die europäische Songoffensive in die Pause gehen. Doch Will Ferrell möchte es nicht hinnehmen. Genau so wenig wie Netflix.

Explosive glückliche Fügungen

In „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga” spielt der Komiker den Isländer Lars Erickssong, der zusammen mit seiner Freundin und definitiven Nichtschwester Sigrit Ericksdóttir (Rachel MacAdams) in den Eurovision Songcontest einziehen möchte.

Das einzige Problem: Sie sind schlecht, und das nur bedingt auf die gute Art, weshalb sie flugs abgelehnt werden. Durch eine glückliche Fügung sterben sämtliche anderen potenziellen Teilnehmer bei einem explosiven Bootsunfall, weshalb nun Lars und Sigrit die Ehre der Nation retten sollen.
Die zweite Szene des Films beglückt mit einer Musikeinlage, bei der Ferell laut den Takt vorhaucht. Wem das alleine nicht die 14,99 Euro wert ist, die er für Netflix jeden Monat hinblättert, dann wird der Rest des Films den geneigten Zuschauer auch nicht überzeugen. Der Film wird als „musikalische Komödie“ verkauft, könnte aber genausogut ein Liebesbrief mit eingebauter Stinkbombe sein. Denn Ferrell liebt offensichtlich den Eurovision Song Contest, den er dank seiner schwedischen Frau kennengelernt hat, auch wenn er ihn etwas lächerlich findet.

Dass es vor allem eine Liebeserklärung ist, merkt man bereits an den vielen Songeinlagen und Gastspielen von tatsächlichen Eurovision-Teilnehmern. Auch, dass die ganze Handlung einen hemmungslosen Enthusiasmus für den Bombast-Kitsch zeigt, kann den größten Eurovision-Muffel begeistern. Wer eine Parodie im engsten Sinne auf den Eurovision Song Contest erwartet, wird hier übrigens enttäuscht. Dieser ist nicht mehr parodierbar, weshalb vor allem Figurenbeziehungen, die Musik und ein Stück weit auch Island selbst kräftig auf die Schippe genommen werden.

Kein Feuerwerk, aber mit Knallern

Nicht jeder Gag zündet, aber die Handvoll, die funktioniert, hat es in sich. Allein das „Jaja Ding Dong“-Lied ist von einer solch herzzerreißenden Dämlichkeit, dass man es wie einen kleinen grotesken Hund einfach lieb haben muss. Das Casting von Pierce Brosnan ist ein medienwirksamer Glücksgriff. Er schafft es problemlos, den nordischen Playboy zu mimen, dies mit einer gelassenen Überzogenheit, die schon bewundernswert ist. Doch der heimliche Star ist Rachel MacAdams, die ihre Rolle mit Ernst und Herz lebt, während Will Farrell so spielt, wie man das von ihm kennt – übertrieben und mit einer guten Portion Selbstironie. Ein guter Kontrast, der den Film auch über seine Längen hinweghelfen kann. Von denen gibt es reichlich, aber man hält sie dann doch aus, möchte man doch die nächste Pointe nicht verpassen. Lob gibt es auch mit Blick auf das Drehbuch. Sämtliche Handlungsbögen werden abgeschlossen, die Emotionen werden allesamt zumindest oberflächlich abgedeckt. Dies muss alleine deshalb betont werden, weil dieser Tage zahlreiche Parodien schlicht keinen Wert mehr auf Emotionen und Figurenentwicklung legen. Alleine die Tatsache, dass man sich gleich mehrere Antagonisten gönnt, die eine zusätzliche Motivation für die Protagonisten liefern, ist ein Aufwand, der seitens der Konkurrenz nur noch selten betrieben wird.

Während einige der Gags gefallen und die Story standsicher aufgebaut ist, leidet die Inszenierung unter einer großspurigen Einfallslosigkeit. Es ist immer wieder schade zu sehen, wie wenig bei Ferrell auf visuelle Gags gesetzt wird. Diese könnten an und für sich ganz gut unterstützend wirken, werden jedoch gänzlich ausgeblendet. Dennoch kann der Film unter dem Strich durchaus empfohlen werden.