Der belgische Regisseur Vincent Bal spielte im Alter von sechs Jahren bereits in Musicals, Spielfilmen und Fernsehserien mit. Als Erwachsener fühlte er sich jedoch wohler hinter der Kamera und begann ein Studium am Institut de Cinéma Saint-Lucas in Brüssel.
Es folgten Kurzfilme und Werbespots, ehe er mit „Man van Staal“ 1999 seinen ersten Spielfilm realisierte.
Die Liebe zum Musical ist ihm jedoch geblieben, was sein letzter Film „Brabançonne“ beweist, eine belgisch-luxemburgische Co-Produktion zusammen mit Samsa Film und Produzent Jani Thiltges. Das originelle Filmmusical feierte am Donnerstag im Escher „Ariston“ seine luxemburgische Premiere, im Beisein von Erbgroßherzog Guillaume und seiner Gattin, der Erbgroßherzogin Stéphanie. Anwesend waren auch der Regisseur und der belgische Produzent Peter Bouckaert sowie die Musiker der „Gehansbléiser Diddeleng“, welche im Film die Musiker der wallonischen Harmonie darstellen.
Flandern gegen Wallonien
Im Finale des Wettbewerbs der besten belgischen Harmonien gibt es ein Unentschieden zwischen dem flämischen Musikverein Sint Cecilia aus Staaikerke (eine fiktive Stadt) und dem wallonischen Verein „En Avant“ aus Vierlemont (auch erfunden). Beide sollen nun Belgien in der Endrunde des europäischen Wettbewerbs der besten Orchester vertreten.
Nur haben die Flamen ein Problem: Ihr bester Trompeter erlitt einen fatalen Herzinfarkt während des Auftritts.
Die Musiker brauchen dringend Ersatz, da sie sonst riskieren, das europäische Finale zu verlieren.
Die Wallonen dagegen haben mit Hugues (Arthur Dupont) einen begnadeten Trompetenspieler in ihren Reihen. Elke (Amaryllis Uitterlinden), deren Vater Jozef (Jos Verbist) das Orchester dirigiert, hat die verrückte Idee, den Wallonen Hugues einfach abzuwerben.
Geld spielt dabei keine Rolle, da der Sponsor des Vereins der reiche Bauunternehmer Byl (Michel van Dousselaere) ist, dessen Sohn Renaat (David Cantens) Elke bald heiraten soll.
Eine flämische Delegation macht sich auf den Weg nach Vierlemont, um der Konkurrenz einen Anstandsbesuch abzustatten. Das Glück liegt auf ihrer Seite, denn Hugues hat sich mit seinem Bruder Michel (Marc Weiss), dem Leiter der Harmonie, wegen einer Eigenkomposition gestritten, die er anlässlich des Finales spielen wollte. Und Hugues zieht nach Flandern um.
Wie in einem Musical
So wie zum Beispiel in Alain Resnais‘ „On connaît la chanson“ (1997) oder in Christophe Honorés „Les chansons d’amour“ (2007) beginnen die einzelnen Charaktere bekannte Lieder zu singen, die jeweils zu den verschiedenen Situationen passen. Viele belgische Sänger, Sängerinnen und Komponisten kommen zu Ehre, wie Lio, Plastic Bertrand, Willy Sommers oder Pierre Rapsat.
Martin Michel, der unter anderem die Choreografie zum Erfolgsmusical „14-18 - Spektakel Musical“ erschuf, hat sich zu den Songs ein paar flotte Tanznummern einfallen lassen. Es kommt somit eine extrem gelassene Stimmung auf, die von sehr viel Humor getragen wird. Nebenbei ist der Film auch ein Plädoyer für das Zusammenleben von Flamen und Wallonen, die ja alle Belgier sind. Der Filmtitel, der Name der belgische Nationalhymne „Brabançonne“, steht für die im Grunde einfache Einigkeit eines Volkes, das leider durch seine Sprachen zerstritten ist.
Viele Szenen wurden in Esch/Alzette gedreht, Claudine Pelletier spielt die Musikerin Arlette, und in einer kurzen Szene ist sie mit ihrem im Januar verstorbenen Mann Marc Olinger zu sehen. Der wirklich sehenswerte Film läuft ab nächsten Mittwoch exklusiv im Escher „Ariston“.




