LUXEMBURG
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Auf Punk, Reggae, Ska und Jazz folgt Hip-Hop: Am 12. April stellt Ragga seine erste EP vor

John Wolter, auch Ragga genannt, erfindet sich neu. Aktuell widmet sich der professionelle Schlagzeuger, der in unterschiedlichen Musikgenres zuhause ist, dem Hip-Hop, und präsentiert am 12. April im Rocas seine erste EP „Däischter Gaassen“. Im Interview erzählt er vom Leben als Musiker und erklärt, wie er sich auf der Bühne ohne sein Schlagzeug fühlt.

Wer ist die Person hinter dem Künstlernamen „Ragga“?

Ragga Hinter dieser Person stecke ich, John Wolter. Ich bin Drummer, Songwriter, Produzent und Gruppenmitglied in unterschiedlichen Bands, zum Beispiel All The Way Down, The Disliked oder Räpzodi. Hinzu kommt dieses weitere Pseudonym, Ragga. Als ich auf der Suche nach einem passenden Namen für dieses Projekt war, wollte ich einen finden, der nicht nur zu mir passt, sondern auch einen den viele Menschen bereits mit mir assoziieren.

Was hat es mit dem Titel Deiner EP „Däischter Gaassen“ auf sich?

Ragga Auf der EP werden viele düstere und ernste Themen behandelt, die von den dunkleren Seiten des Lebens berichten. Der Name ist eine Metapher für eine Stadt, in der die Nacht anbricht und die man im Dunkeln anders wahrnimmt als tagsüber.

Welche Themen werden behandelt?

Ragga Eigentlich geht es um viele unterschiedliche Themen. Eines der Lieder, „De Spillmann“, handelt vom Alltag eines Musikers, der den Menschen mit seiner Musik Freude bereiten möchte, jedoch selbst nicht unbedingt ein Stück dieser Freude abbekommt. Als Musiker spielt man oft an Orten, wo Menschen sich versammeln, sich kennenlernen und Zeit miteinander verbringen. Du als Musiker bist zwar verantwortlich für diese Verkupplung der Menschen, jedoch kein aktiver Part davon: Du schaust den Leuten beim Beisammensein zu. Die Aufmerksamkeit liegt also auf dem Musiker, jedoch ist er trotzdem irgendwo ausgeschlossen. Im Lied „Wäirauch“ versuche ich, die Relation zwischen einer monotheistischen Religion, dem Drogenkonsum und dem Glorifizieren einer Machtperson, sprich einer Droge herzustellen.
Woher nimmst Du die Inspiration für deine Texte?

Ragga Ich nehme viel Inspiration aus meinem Alltag, das sind dann eher autobiografische Texte. Wenn ich auf Menschen treffe, die sich auf eine bestimmte Weise benehmen, die mir nicht gefällt, dann bleibt das hängen und inspiriert mich. Auch nehme ich gerne die Perspektive eines Alter Egos ein. Generell sind meine Lieder sehr gesellschaftskritisch, jedoch immer mit einem Augenzwinkern. Die Moral dieser Geschichten ist die, dass ich sicher nicht der bin, der Lösungen für die Probleme hat, sondern eher ein Teil davon bin.

In der luxemburgischen Musikszene bist Du in unterschiedlichen Genres zuhause: von Punk über Reggae bis Hip-Hop und Jazz. Wie kommt es zu diesem multidisziplinären Arbeiten?

Ragga Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass ich mich dazu entschlossen habe, die Musik zu meinem Beruf zu machen. Wenn man einen Beruf ausübt, soll man, vor allem in einem so schwierigen Milieu wie der Musik, vielfältig einsetzbar sein. Zudem ist es einfach so, dass mir die verschiedenen Genres auch persönlich sehr gut gefallen und ich sehr unterschiedliche Musik höre. Ich fühle mich in all diesen Genres sehr wohl und mag es, mit ihnen zu experimentieren.

Haben diese unterschiedlichen Genres auch Einfluss auf Dich als Ragga und die neue EP?

Ragga Auf dem Album sind viele unterschiedliche Einflüsse wiederzufinden, auch wenn es hauptsächlich Hip-Hop ist. Einige Lieder basieren auf Samples, die vom Hip-Hop der 90er und von Künstlern wie A Tribe Called Quest oder The Pharcyde inspiriert sind. Andererseits habe ich auch Lieder die Trap-orientiert sind. Ich lege jedoch viel Wert darauf, stets etwas Originelles zu erschaffen. Das Sample eines der Lieder kommt ursprünglich von einem afrikanischen Folklore-Lied, ein anderes von einem brasilianischen Bossa-Nova-Song aus den 70er. Wenn ich etwas finde, in das ich mich hineinversetzen kann, benutze ich es und erschaffe daraus etwas Neues. Zudem gibt es auf der EP auch Lieder, für die ich die Beats und Samples selbst komponiert habe. Ich habe die Texte alle selbst geschrieben und die Musik selbst aufgenommen. Was das Mixen angeht, habe ich mit Skinny J zusammengearbeitet. Das hat sich super ergeben, da wir unsere beiden EPs zusammen am 12. April in Luxemburg-Stadt veröffentlichen werden. Die Zusammenarbeit war sehr produktiv, da wir uns gegenseitig unterstützen und helfen können.

Wie fühlst Du Dich dabei, als professioneller Schlagzeuger Dein Instrument sowohl auf der EP als auch auf der Bühne wegzulassen?

Ragga Beim Produzieren habe ich mich daran gewöhnt, kein richtiges Schlagzeug zu benutzen. Das ist auch einfacher: Man muss kein Schlagzeug mit sich herum schleppen oder eine riesige Mikrofonierung aufrichten, sondern es genügt mit einem Mini-Keyboard zu arbeiten, der in den Rucksack passt. Live ist das natürlich anders, da ich es gewohnt bin, für meine anderen Projekte fast immer hinter dem Schlagzeug zu sitzen, was mir stets eine gewisse Sicherheit gab. Jetzt am Freitag werde ich mich wohl erstmal etwas nackt fühlen, aber daran werde ich mich schnell gewöhnen, es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ich komplett ohne Instrument auf einer Bühne stehe.

Deine EP ist komplett auf Luxemburgisch. Warum?

Ragga Es ist für mich einfach die ehrlichste Weise, um ein Gefühl oder einen Gedanken sofort aufzuschreiben. Ich denke auch, dass es vor allem im Rap sehr wichtig ist, deine eigene Sprache zu benutzen, mit der du auch mit den Leuten in deinem Alltag redest: Der eigene Slang und deine persönliche Sprechweise sollten meiner Meinung nach in der Musik wiederzufinden sein.

Worauf kann man sich bei der Release gefasst machen?

Ragga Eigentlich auf die größten Kaliber des Hauses „StayFou“: Tommek ist mit dabei und präsentiert seine neuen Lieder die einfach gigantisch sind, er ist ein Genie! Dann spiele ich meine ganze EP durch, und zum Schluss ist Skinny J an der Reihe, der seine EP vorstellt. Es wird ein sehr variierter Hip-Hop Abend sein.


Double EP Release Skinny J „Ego“ / Ragga „Däischter Gaassen“ an diesem Freitag ab 21.00 im Café Rocas (33, Rue des Capucins) in Luxemburg-Stadt. Mehr über Ragga: tinyurl.com/John-Wolter