LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Erstaufführung von „Die Seejungfrau“ in der Luxemburger Philharmonie

Zu einer luxemburgischen Erstaufführung kam es beim jüngsten Konzert des Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) in der Philharmonie auf dem Kirchberg. „Die Seejungfrau“ von Alexander von Zemlinsky, eine Fantasie für großes Orchester, hatte Chefdirigent Emmanuel Krivine ausgesucht. Ein Werk, das der Komponist selbst nach der Uraufführung im Jahre 1905 zurück gezogen hatte, da es beim Publikum gegen eine Komposition des Zemlinsky-Schülers Arnold Schönberg beim damaligen Publikum nicht bestehen konnte. Erst vor rund 30 Jahren fand die musikalische Verarbeitung eines Märchens von Hans Christian Andersen wieder den Weg in die Konzerthäuser und befindet sich seitdem auf einer Erfolgsroute. Zurecht, wie man nach der Aufführung im Grand Auditorium sagen muss. Welch eine Tiefe wird in diesen drei Sätzen erkennbar. Welch ein Schmerz, welch eine Tragik. Zemlinsky spiegelt letztendlich sein eigenes Leben, seine eigene zerbrochene Liebe wider und lässt das Publikum daran teilhaben. Seine große Liebe, Alma Schindler hat ihn von heute auf morgen verlassen und sich Gustav Mahler zugewandt. Ein Schmerz, der in die Tiefe geht und seinen Ausdruck in der Musik fand.

Tränen und Wut

Das OPL, für dieses Werk in extra großer Besetzung, war ein exzellenter Sachwalter dieser Lebensgeschichte und machte die Emotionen nachvollziehbar. Fast schon liebevoll verlieh es dem gebrochenen Herzen eine Stimme, teilte das Leiden. Quer durch alle Register erlebte man einen Klangkörper, der sich dieses Opus zu Eigen gemacht hatte. Da konnte man das noch ungetrübte Glück erleben, aber auch die Tränen und die Wut. Am Ende war es dann die Verzweiflung, die sich ihre Bahn brach. Wer eine solche Situation schon erlebt hat, konnte die Ton gewordene Verzweiflung bestens nachvollziehen. Ein besonderes Kompliment musste man Konzertmeister Philippe Koch machen, der in manchen Solopassagen eine glänzende Figur machte.

Schwerer Start

Vor der Pause stand das Violinkonzert D-Dur von Ludwig van Beethoven auf dem Programm, für das Krivine die junge Geigerin Baiba Skride verpflichtet hatte. Das Opus 61 aus dem Jahre 1806 hatte ebenfalls einen schweren Start ins musikalische Leben, da es lange Zeit als unspielbar galt. Später wurde es zum Vorbild für die Violinkonzerte der Spätromantik. Die Ansprüche, die Beethoven im Solopart stellt, sind enorm, stellten aber für Skride keine unüberwindlichen Hürden dar. Elegant meisterte sie ihren Part. Dies wohl auch, weil sie mit dem OPL einen absolut verlässlichen Partner hatte, der die vielen Dialoge präzise beantwortete und eine sichere Plattform bot. Beste Voraussetzungen für die Tournee nach Moskau und St. Petersburg, die das OPL und Skride in diesem Monat unternehmen. Allerdings hätte man sich an manchen Stellen eine weniger schwere, weniger romantische Interpretation gewünscht. Manches geriet ein wenig zu breit. Damit wäre der spieltechnische Glanz, der dem Werk inne wohnt, noch besser zu Tage getreten.