LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Erinnerungen an ein Unikum: Louis de Funès

Louis Germain David de Funès de Galarza, alias Louis de Funès (1914 - 1983) war ein Unikum in der Welt des Films. Als die Nachricht des Todes vom „Maréchal des logis-chef“ Cruchot vor 30 Jahren verkündet wird, hat so mancher Filmfan eine Träne im Auge. Schon sein Anblick regt die Lachmuskeln an. Nur wenige Schauspieler können sich rühmen, allein durch ihr Aussehen die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Stan Laurel, alias Doof ist sicher der Mime, der dies am besten fertig brachte. Nennen kann man vielleicht noch Jerry Lewis, aber das war’s auch schon. Louis’ hämisches, hinterhältiges Grinsen, seine Grimassen, seine Sprüche, ganz einfach sein Talent ist unvergessen geblieben und glücklicherweise für die Ewigkeit hinterlegt.

Louis Germain David wird Louis de Funès

Seine Karriere beginnt im Theater, und seine Rolle in „Oscar“ bleibt in Erinnerung. Nach 82 Filmen, in denen er kleine Nebenrollen spielt, trifft er in „La traversée de Paris“ im Jahr 1956 zum dritten Mal auf seinen Kollegen Bourvil. Die Filmwelt beginnt, auf den Darsteller aufmerksam zu werden. Doch Louis ist noch nicht der Exzentriker, den man u. a. aus der „Gendarme de St. Tropez“-Reihe kennt. 1958 dreht er „Ni vu … ni connu“ unter der Regie von Yves Robert und kommt seinem späteren Image näher. Er spielt den gerissenen Wilderer Léon Blaireau, dessen Hund „Foulcamp“ heißt. Legendär ist die Fischerei-Szene. Blaireau bastelt sich aus einer Rute, die er aus einer Hecke schneidet, einem Knopf, einem Streichholz, einem Haken und etwas Angelschnur eine Angel. Ein paar Kerne Futter und drei Tritte mit dem Fuß auf den Boden, und schon hat ein Fisch angebissen. Diese Szene ist einfach genial und wurde nie an Originalität überboten!

Legendäre Sprüche

1964 jagt er erstmals als Ludovic Cruchot in „Le Gendarme de St. Tropez“ – bei allen Filme der Reihe führte Jean Girault Regie - Ganoven im noblen Badeort an der Côte d’Azur. Hier taucht die Figur der verrückten Nonne, dargestellt von France Rumilly, auf, die in ihrer Ente die Straßen unsicher macht. Fast acht Millionen Zuschauer lachen über die vertrottelten Gendarmen, die ein Jahr später nach New York fliegen. In „Le Gendarme à New York“ gibt er seinen Kollegen Englischunterricht. Zwei Sätze müssen sie lernen: „My tailor is rich“ und „My flowers are beautiful“, wie auch die Negationen dieser absolut wichtigsten Ausdrucksweisen, die man in New York braucht. Die Lektion artet in einem debilen Streit aus; Cruchots Sätze haben längst Kultstatus erreicht

In „Le Gendarme se marie“ (1968) heiratet Cruchot seine Angebetete Josépha (Claude Gensac), die er „ma biche“ nennt. Viele Franzosen waren überzeugt, dass Gensac auch Louis‘ Frau im richtigen Leben war.

Er war zweimal verheiratet, zu Zeit des Drehs mit Jeanne-Augustine Barthélemy. Die verrückte Nonne taucht ebenfalls auf, allerdings auf einem Motorrad mit Beiwagen, sehr zum Leidwesen des Gendarmen, der im Beiwagen unfreiwillig zum Rallye-Co-Piloten mutiert.

Ein Geheimrezept

In „Le Grand Restaurant“ aus dem Jahre 1966 verrät Monsieur Septime, der Besitzer des Nobel-Restaurants „Chez Septime“, einem deutschen Gast das Rezept seines famosen Kartoffelauflaufs. Nicht sonderlich begeistert beginnt Septime mit den Ingredienzien seines Geheimrezepts. Während er sie aufzählt, legt sich ein Schatten auf sein welkes Haar, wie auch auf seine Oberlippe: Louis sieht plötzlich aus wie Hitler und schreit Herrn Müller an: „Muskatnuss, Herr Müller!“ Fazit: Kult!

Unvergessen sind seine Filme mit einem anderen ganz großen französischen Komiker: Bourvil. „La Grande Vadrouille“ ist sicher der beste Film, den Louis gedreht hat und ein bis heute unerreichter Moment an urkomischer Dramatik: Louis als Orchesterchef Stanislas Lefort auf den Schultern von Bourvil, alias Augustin Bouvet, der Stuhlritt der deutschen Besatzer im Hotel „du Globe“ oder die finale Szene, in der den Protagonisten die Flucht in Segelfliegern aus der besetzten französischen Zone gelingt.

Frankreich wurde um einen genialen Komiker ärmer, als Louis vor 30 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts starb. Eigentlich kann sich die französische Kinoindustrie nicht mehr rühmen, einen wirklichen Komiker in ihren Reihen zu zählen. Das Triumvirat der französischen Komik - Bourvil, Fernandel und de Funès - ist tot. Pierre Richard lebt zwar noch, dessen Erfolge liegen aber weit zurück. Die jüngere Generation, bestehend aus Franck Dubosc, Gad Elmaleh, Michaël Youn, Kad Merad und Dany Boon hat versucht, in die Fußstapfen dieser Monumente des Kinos zu treten; ihnen fehlt aber die nötige Schuhgröße.