LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nach den School-Leaks: SEW und SNE gegen Zusatztests und neue Verteilungsprozedur

Bildungsminister Claude Meisch schlägt nach der School-Leaks-Affäre ein rauer Wind entgegen. Nichtsdestotrotz bleibt es bei den zusätzlichen Tests nach den Osterferien. Die beiden Lehrersyndikate SEW/OGBL und SNE/CGFP haben gestern in separaten Schreiben noch einmal gefordert, davon abzusehen. Zuvor hatte sich bereits die Elternvereinigung FAPEL gegen neue Prüfungen ausgesprochen.

Strengere Verteilungsprozedur sorgt für Aufregung

Scharf kritisiert werden darüber hinaus die verstärkten Sicherheitsbedingungen, die bei den Zusatztests gelten sollen. „Aus jeder Schule muss ein Lehrer, der nicht Titular einer C4.2 Klasse ist, die Fragen am Vortag zwischen 15 und 18.30 Uhr an einer zentralen Verteilerstelle abholen, um sie dann am darauf folgenden Tag morgens um 7.30 Uhr an die Titulare des 4.2 Klassen weiterzuleiten. Frei nach dem Motto, je größer der prozedurale Aufwand, desto unanfechtbarer die Orientierungsentscheidung“, fasst das SEW zusammen. Dies sei ein weiterer Skandal, da die Lehrer zu Handlangern degradiert würden. Genauso wenig schmeckt die neue Verteilungsprozedur dem SNE: „Cette fois encore, les enseignants doivent payer les pots cassés pour ce dysfonctionnement en étant obligés de se soumettre à une procédure de distribution peu convenante“. Nach Meinung des SNE sollen die Tests in einem versiegelten Briefumschlag an die jeweiligen Präsidenten der Schulkomitees gesendet werden, die sie dann erst am Morgen der Prüfung in Anwesenheit des zuständigen Klassenlehrers öffnen dürften.

Gesamte Orientierungsprozedur in Frage gestellt

Warum nun derart „absolute Examensbedingungen geschaffen werden“, will dem SEW auch deshalb nicht einleuchten, weil die Zusatztests nicht einmal von den Ministeriumsexperten ausgewertet würden. „Anhand der Verbesserungsbögen soll der Lehrer während der Elterngespräche zeigen, welche Fragen der Schüler richtig, falsch oder nicht beantwortet hat“, bemerkt das SEW, das übrigens im selben Schreiben gleich die ganze Orientierungsprozedur in Frage stellt. Aus den „épreuves communes“ sei endgültig wieder ein Examen geworden, „welches die Schüler in einem nationalen Leistungsvergleich in drei Gruppen aufteilt“. Nicht nur den aktuellen „bilans intermédiaires“ sowie den „bilans de fin de cycle“ fehle es jedoch an Aussagekraft, sondern auch den gemeinschaftlichen Leistungstests.

Von der Theorie zur Praxis

Eigentlich sollten während der Orientierungsprozedur, wie das Syndikat ebenfalls erklärt, die Leistungen der Schüler über den gesamten 4. Zyklus berücksichtigt werden. Außerdem sollte eine psychologische Beratung angeboten werden und schließlich ein Gremium bestehend aus dem Klassenlehrer, dem Inspektor und zwei Sekundarlehrern zu einem ausgewogenen Urteil über die bestmöglichen Eingliederungschancen der Schüler in die verschiedenen Klassen des Sekundarunterrichts befinden. In der Praxis sei davon aber keine Rede mehr, stellt das SEW fest.

„Bildungspolitische Muskelspiele und Machtbekundungen in Form von Drohungen gegenüber den vermeintlich Schuldigen, Misstrauensbekundungen gegenüber der ganzen Lehrerschaft, Ausüben von Druck auf Schüler (und Eltern) durch drei zusätzliche Tests sind nur einige der verzweifelten Reaktionen eines Bildungsministers, der sich der weitreichenden Konsequenzen seiner Handlungen nicht bewusst zu sein scheint“, lautet der Vorwurf des Lehrersyndikats, das nicht verstehen kann, warum der zuständige Minister mit allen Mitteln an dieser Prozedur festhält. Das SEW fordert Meisch deshalb eindringlich dazu auf, die gesamte Orientierungsprozedur in Absprache mit erfahrenen Lehrern zu überarbeiten.