Nicht nur bei der Regierungsbildung ließ Blau-Rot-Grün nichts anbrennen, sondern auch bei ihrer ersten Regierungsumbildung drückt das Bettel/Schneider-Kabinett ganz schön auf die Tube. Nur viereinhalb Stunden nach dem - aus gesundheitlichen Gründen - angekündigten Rücktritt von Staatssekretär André Bauler aus der Regierung hatte die DP, in deren Reihen der Rücktritt erfolgte, bereits einstimmig beschlossen, diesen durch den Abgeordneten und Präsidenten der parlamentarischen Finanz- und Budgetkommission, Marc Hansen, zu ersetzen, der nun voraussichtlich bereits Ende nächster Woche als neues Regierungsmitglied vereidigt werden soll.

Damit soll der Öffentlichkeit deutlich gemacht werden, dass diese Regierung keine Zeit zu verplempern hat und auch in menschlich schwierigeren Situationen zu schnellen Entscheidungen fähig ist. Die politisch interessierten Bürger dürften sich nämlich noch allzu gut daran erinnern, als im Frühjahr vergangenen Jahres CSV-intern wochenlang nach potenziellen Nachfolgern für die ihres Regierungsjobs überdrüssig gewordenen CSV-Minister Biltgen und Jacobs gesucht wurde, es aber an geeigneten Kandidaten fehlte. So musste seinerzeit neben den bewährten Politprofis Octavie Modert (die regierungsintern aufgewertet wurde) und Marc Spautz (der den CSV-Fraktionsvorsitz mit einem bequemen Ministerstuhl eintauschen durfte) sogar mit Martine Hansen eine politisch bisher noch nicht in Erscheinung getretene Frau die christlich-sozialen Reihen schließen, die damit zu ihrem Regierungsamt gekommen war wie die Jungfrau zum Kind. Ein Jahr zuvor war es indes bereits auf LSAP-Seite zu einem Wechsel innerhalb der Regierungsmannschaft gekommen, als Etienne Schneider das Wirtschaftsministerium von Jeannot Krecké übernommen hatte, der schon lange keine Lust mehr hatte.

Das war‘s dann auch schon in Sachen rezente Regierungsaustritte, sieht man einmal von einer Kabinettsumbildung im Februar 2006 ab, als die damaligen Minister Frieden und Biltgen entlastet werden sollten und es dafür zu einer kleinen Rochade auf Seiten der CSV kam. Aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit genommen, hatte Ende 2001 indes François Biltgen, so dass André Bauler nicht der erste ist, der seine Amtsgeschäfte nicht mehr in der Form ausüben kann, wie er sich das persönlich vorgenommen habe. Nach gerade einmal dreieinhalb Monaten sein Regierungsamt aufzugeben, erfordert dann auch eine große Portion Mut, hätte Bauler doch genauso gut noch einige Monate seine Krankheit verschweigen und an seinem Stuhl kleben können. Respekt!

Noch lange nicht abtreten will hingegen EVP-Spitzenkandidat Jean-Claude Juncker, der sich bester Gesundheit erfreut und bereits fleißig im Wahlkampfmodus ist. So weilte gestern nicht nur Premier Bettel in Brüssel, um dort auf dem EU-Gipfel erneut über die Krim-Krise zu beraten, sondern auch Juncker, der dort bei einem Treffen der EVP ebenfalls mit dem ukrainischen Premier Jazenjuk zusammentraf. Balsam für die in letzter Zeit arg geplagte juncker’sche Seele. Der Verzicht auf die Macht kann verdammt schwer sein...