Das Beispiel Cargolux als erste konkrete Herausforderung für die neue Regierung, die vordringlich einem zufriedenstrellenden Ergebnis zugeführt werden musste, hat uns deutlich gemacht, dass Lösungen nicht unbedingt einfacher werden, wenn man sie über einen längeren Zeitraum hinausschiebt. Auf die neue Koalition warten noch jede Menge schwerer Brocken, die in den kommenden Jahren einer dauerhaften und gleichzeitig auch vertretbaren Lösung zugeführt werden müssen.

Dessen sind sich die neue Regierung und die sie tragenden Parteien wohl auch durchaus bewusst: Die auf fünf Jahre angelegte Legislaturperiode dürfte alles andere als ein Zuckerschlecken werden, weil man nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass sich der in den letzten Jahren angehäufte Reformstau so mir nichts, dir nichts in Luft und Wohlgefallen auflösen wird.

Die Koalitionäre sind denn auch gut beraten, den ihr gegenüber offenbar bereits bestehenden Vertrauensvorschuss schnell zu nutzen, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass sich im Lande etwas ändern wird und dass sich etwas ändern kann.

Immerhin haben Lethargie und politischer Stillstand im Bewusstsein der Menschen eine Art Mentalitätssklerose entstehen lassen, die in der für unsere schnelllebige Zeit nicht ungefährlichen Maxime gipfelte: „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn!“

Selbst Chefsteuermann Jean-Claude Juncker hatte ja vor einigen Jahren einräumen müssen, dass wir Veränderung brauchen, wenn wir bleiben wollen was wir sind. Konkrete Konsequenzen hat er daraus nicht entwickelt. Das kann man auch positiv sehen: Weil trotz zahlreicher Denkanstöße und Anregungen nichts geschehen ist, findet die neue Regierung ein weitgehend unbestelltes Feld vor, auf dem sie sich mit Einfallsreichtum und mutigen Schritten betätigen kann.

Dass die neue Regierungsmannschaft neben einigen erfahrenen Amtsträgern vor allem auf weitgehend unverbrauchte und dynamische Mitglieder zurückgreifen kann, sollte dabei weniger als Abenteuer, sondern vielmehr als Chance gesehen werden. Dessen müssen sich vor allem auch jene bewusst sein, die auf den Fortbestand des Wohlfahrtsstaates Luxemburg, auf gesicherte und tragfähige Sozialsysteme, auf die Zukunftsfähigkeit des Landes hoffen.

Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Umgestaltung und Erneuerung wird in besonderem Maße den öffentlichen Verwaltungen und Dienststellen zufallen, die in der Vergangenheit oft genug als „masters of desaster“ am eigenen Bürokratiewust zu ersticken drohten. Von ihnen hätte man auch schon früher erwarten müssen, dass sie die Funktion des Partners und Förderers von Bevölkerung und Wirtschaft übernommen hätten, der gleichzeitig die Interessen von Staat und Allgemeinheit im Auge behalten mus, anstatt misstrauisch und ängstlich jeder neuen Initiative entgegen zu treten, die nach Innovation und Veränderung roch. Das wird sich ändern müssen, wenn Luxemburg wieder vorankommen soll.

Dem Mutigen gehört die Welt, und wer den Kampf meidet, der hat schon verloren.