LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Rheinland-Pfalz hat Dutzende Burgen zu bieten, das Saarland wenige, aber interessante

Wenn es ein typisches Burgenland gibt, dann ist es das benachbarte Rheinland-Pfalz. Dort steht nicht nur die historische Vorzeigeburg Burg Eltz, die anders als Neuschwanstein kein bayerischer Fake aus Beton und Eisen ist, sondern ein gebauter Zeitzeuge von vielen Jahrhunderten. Das Land hat Dutzende echter Burgen. Außerdem liegt dort die Kernlandschaft der Burgenromantik, das obere Mittelrheintal – seit einigen Jahren UNESCO-Weltkulturerbe. Faktisch steht dort eine Burg neben der anderen. Die Auflistung auf der nebenstehenden Seite kann nur ein winziger Ausschnitt aus der Burgenvielfalt des Landes sein.
Von den Mittelrheinburgen sind dort die beiden „Antipoden“ der Rheinromantik aufgeführt. Die Marksburg bei Braubach steht für die wenigen Burgen, die es unbeschadet über die Zeiten geschafft haben, und unzerstört ein Abbild des Mittelalters geben. Auf der anderen Seite, auch im Wortsinn, nur wenige Kilometer auf der linksrheinischen Seite, steht Schloss Stolzenfels, das Sinnbild der preußischen Rheinromantik. Beispiele gibt es viele.
Nachdem die Preußen durch den Wiener Kongress zu den neuen Herren am Rhein geworden waren, entdeckten sie die alten Ruinen für sich. Unter dem Romantiker Friedrich Wilhelm IV wurde Burg um Burg renoviert und wiederaufgebaut. Stolzenfels allerdings vom großen Karl Friedrich Schinkel, was aus einem simplen Umbau große Architektur machte.
Übrigens: die schönste Art, die Burgen am Rhein zu erleben, ist genau wie im 19. Jahrhundert eine Tour mit dem Schiff. Probieren Sie’s aus!

Die Nationalsozialisten hatten gigantomanische Pläne für die Saarschleife: Als aus der „Montclair“ eine Ordensburg werden sollte

Wo heute immer noch, nach jahrhundertelangem Dornröschenschlaf, die Burg-Ruine Montclair – die letzte einer Reihe von Burgen – aus dem Grün des Höhenrückens an der Saarschleife herauslugt, hätte um ein Haar etwas ganz anderes gestanden.
Nach der Wiedereingliederung des „Saargebiets“, so der Name in der Zwischenkriegszeit, ins Deutsche Reich, wollten die Nationalsozialisten dem Land „Gutes“ tun. Die Nazis planten auf dem Buckel der Saarschleife, dort wo die Montclair stand und steht, eine Ordensburg, wobei „Burg“ leicht irreführend ist. Das Ding sollte eine Fläche von 170 Hektar haben, um NS-Nachwuchs auszubilden.
Wobei der Begriff „Ordensburg“ eigentlich nicht korrekt ist, davon gab es nur drei: Eine in Pommern, eine in Sonthofen in Bayern und die Burg Vogelsang in der Nordeifel (Foto unten, heute Nationalpark Eifel). In Mettlach hätte es nur eine „Reichsschulungsburg“ werden sollen. Wobei sich im Gegensatz zu den „echten“ Ordensburgen der Burgcharakter nicht architektonisch gezeigt hätte. Allein die geplanten Ausmaße erschrecken. Neben der schon genannten Fläche von 170 Hektar sollte eine germanische Versammlungsstätte für 4.000 Personen, ein Turm, eine Ehrenhalle sowie ein 800 Meter langes Schulungsgebäude entstehen. Der beauftragte Architekt war auch für die NS-Ferienanlage Prora auf Rügen, immer noch eines der größten Gebäude der Welt, und die  NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel verantwortlich. Die „Reichsschulungsburg an der Saarschleife“ war – kein Witz - als „Dankesgabe an das Saarvolk“ nach der Volksabstimmung des Jahres 1935 gedacht.
Vermutlich hat der Widerstand der Familie von Boch (Villeroy & Boch) aus Mettlach den Bau verhindert. Sie wollte ihren Wald über der Saarschleife aus „persönlichen Gründen“ nicht verkaufen – wahrscheinlich fanden sie die geplante Steinwüste nur scheußlich. Mit dem beginnenden Bau des Westwalls war das Thema NS-Burg an der Saar vom Tisch.
Wer wissen will, was die brauen Herrenmenschen unter einer Ordensburg verstanden, sollte einen Ausflug in die Nordeifel (Nordrhein-Westfalen) machen und sich die Burg Vogelsang ansehen. Die Ordensburg Vogelsang ist schlicht unmenschlich groß und stark vom Herrenmenschentum der Nazis geprägt. Die Burg wurde nach dem Krieg für Jahrzehnte von der belgischen Armee benutzt. Heute gehört sie zum Nationalpark Eifel.
Weitere Burgen:

Burg Eltz - DIE Burg

In einem engen Seitental der Mosel steht auf einem steilen Felskopf in der Eifel die Burg Eltz - eine Burg mit über 850 Jahren Geschichte. Es handelt sich um eine Ganerbenburg, eine Burg, die im Besitz mehrerer Familienzweige ist. Sie gehört zu den wichtigsten Anziehungspunkten in Rheinland-Pfalz

Schloss Bürresheim - Immer wohnlich

Schloss Bürresheim bei Mayen wurde nie erobert oder in kriegerischen Auseinandersetzungen beschädigt und war bis 1921 durchgehend bewohnt.

Monrealer Burgen - Schöne Kulissen

Die benachbarten Ruinen der Löwenburg und der Philippsburg thronen trotzig über dem idyllisch im Elzbachtal gelegenen Fachwerkort Monreal – beliebt als Fernsehkulisse - auf einem 350 Meter hohen Bergsporn.

Schloss Malberg - das fast vergessene Barockjuwel

Die einzigartige Schlossanlage Malberg besteht aus dem sogenannten Neuen Haus, dem Alten Haus, dem Arkadenbau, der Brauerei und der Kapelle. Schloss Malberg geht auf eine Burg zurück, von der nichts erhalten ist. Die Burg wurde von 1708 bis 1715 durch Matteo Alberti, einem Architekten aus Venedig, zu einem Schloss im Stil des venezianischen Barock ausgebaut -  in der tiefsten Eifel.

Manderscheider Burgen - böse Nachbarn

Ober- und Niederburg, nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt, standen sich viele Jahre feindlich gegenüber. Hier trafen die Herrschaftsbereiche des Kurfürsten von Trier und der Manderscheider Grafen aufeinander. Nur das enge Liesertal teilt die beiden Burgen voneinander und schafft so ein einzigartiges Ensemble von Natur und Kultur.

Burg Nassau - Ein Stück Luxemburger Geschichte

Weithin sichtbar erhebt sich die Burg Nassau auf einem Kegelfels über dem Städtchen Nassau an der Lahn. Vor 1128 von den Grafen von Nassau errichtet, sind die Nachfahren der damaligen Erbauer heute noch regierende Könige und Großherzöge in den Niederlanden und in Luxemburg.

Reichsburg Cochem - Nicht ganz original

Mehr als 100 Meter über der Mosel erhebt sich die Burg auf einem Kegel über Cochem. Die Höhenburg wurde wohl im 11. Jahrhundert errichtet und immer weiter ausgebaut. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts wurde die Burg zerstört und ab den 1870ern von einem reichen Berliner Kaufmann im neo-gotischen Stil wieder aufgebaut

Hambacher Schloss - das Demokraten-Schloss

Seit im Mai 1832 zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene Fahne auf dem Kastanienberg bei Neustadt an der Weinstraße  wehte, gilt das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie. Am Hambacher Fest 1832 nahmen 30.000 Menschen teil, um dort ihre Forderungen nach einem demokratischen und vereinigten Deutschland zu artikulieren.

Burg Trifels - King Richard was here!

Die Trifels war eine bedeutende Reichsfeste. Gegründet wurde die Burg von den Salier-Kaisern. Die Staufer bauten sie zur stattlichen Reichsburg aus und machten sie zur Schatzkammer des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“. Bedeutung erlangte sie als Staatsgefängnis für den englischen König Richard Löwenherz (1193-1194). Leider in der Nazi-Zeit merkwürdig restauriert.

Festung Ehrenbreitstein - Ritter, Kurfürsten und Preußen

Die Festung Ehrenbreitstein, von der aus man auf den Zusammenfluss von Rhein und Mosel blickt, ist die zweitgrößte erhaltene Festung Europas und wurde in ihrer heutigen Gestalt zwischen 1817 und 1828 erbaut. Ihr Ursprung reicht bis in das Jahr 1000 zurück. Zunächst von Rittern, dann von den Kurfürsten von Trier, deren Residenzstadt Koblenz war, immer weiter ausgebaut. Nach den Franzosen 1799, kamen 1815 die Preußen.

Schloss Stolzenfels - Schinkels romantischer Traum

Vermutlich ließen die Trierer Erzbischöfe Burg Stolzenfels im 13. Jahrhundert errichten, weil die Mainzer Erzbischöfe auf der anderen Rheinseite Burg Lahneck hatten bauen lassen. Stolzenfels wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg in Schutt und Asche gelegt. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm erhielt die Burgruine 1823 als Geschenk der Stadt Koblenz und ließ sie durch Karl Friedrich Schinkel und dessen Schüler August Stüler zum wichtigsten Bau der Preußischen Rheinromantik werden.

Marksburg - alles echt

Das besondere an der Marksburg ist, dass sie die einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein ist. Die Bauten hauptsächlich aus dem 13. bis 15. Jahrhundert staffeln sich mit Bergfried, mehreren Gebäuden, Zwingern und Bastionen. Sehenswert sind vor allem die typischen Innenräume wie Burgküche, Rittersaal, Kemenate, Kapelle, Rüstkammer, Weinkeller, Wehrgänge und Turmstuben über dem Städtchen Braubach. Die Herren von Eppstein errichteten die Wehranlage ab dem Jahr 1231 zum Schutz der nahegelegenen Silberminen. Die Marksburg ist heute Hauptsitz der Deutschen Burgenvereinigung.

Schloss Berg - Fünf und drei Sterne

Eigentlich sind es zwei Schlösser (Ober- und Niederberg) die sich auf einer Anhöhe hinter Nennig vis-à-vis von Remich) erheben. Die Oberburg wurde vermutlich im 12.Jahrhundert und die untere Burg im 16. Jahrhundert erbaut. Lediglich die Oberburg wurde nach der Zerstörung durch den 2. Weltkrieg wieder aufgebaut und diente lange als Schullandheim. Das  Schloss ist heute Teil eines Fünf-Sterne-Hotels mit Spielcasino und beherbergt ein Restaurant mit drei Michelin-Sternen

Burgruine Montclair  - Wächter der Saarschleife

Selbst im Winter sieht man sie kaum vom Aussichtspunkt Cloef auf der anderen Saarseite aus, dabei steht die Burgruine Montclair genau im Zentrum des Radius, den die Saarschleife bildet und die die Burg lange Zeit kontrollierte. Es handelt sich um eine kleine  rechteckige Anlage mit zwei mächtigen Wohntürmen an der Angriffsseite und zwei gegenüberliegenden Ecktürmen. Nach einem gut einstündigen Anmarsch erwartet die Besucher im Sommer ein Ausflugslokal.

Burg und Schloss Dagstuhl - Altes und Neues

Im Ortsteil Dagstuhl des Städtchens Wadern findet man gleich zwei Herrensitze, den alten und den neuen. Auf dem Hügel thront eine hübsche frei zugängliche Burgruine – die Burg Dagstuhl. Als man sich dem Fortschritt beugte, baute man nicht um, sondern neu. Im Tal findet der Besucher jetzt Schloss Dagstuhl, um 1760. Das damals erbaute Haupthaus und die Schlosskapelle wurden später durch einen  neugotischen Eckbau mit Turmteil verbunden. Frei zugänglicher Barockgarten am Schloss.

Siersburg - lothringische Sicht

Von der Siersburg, deren Ruinen über der gleichnamigen Ortschaft aufragen, hat man einen Blick nach Osten über das „ganze“ Saarland. Was zeigt. wer hier ab dem 11. Jahrhundert Bauherr war - die lothringischen Herzöge. Es ist eine dreiteilige Burganlage mit einer Doppeltoranlage mit Zwingerresten, Resten der Ost-, Süd- und Westmauer.

Saarbrücker Schloss - Barock trifft Moderne

Ursprünglich mittelalterliche Burganlage und Renaissanceschloss, dreiflügeliger barocker Bau mit Mittelrisalit, eines Turms, zwei Bastionen, einer Zisterne und  Kasematten, die man besichtigen kann (auch Kinderführungen). In den 1980er Jahren vollständig entkernt wurde das Saarbrücker Schloss in Anlehnung an das Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert grundlegend saniert. Einzigartig ist der moderne gläserne Mittelbau, entworfen vom Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm. Dieser Verbindungsbau ersetzt den zerstörten barocken Mittelrisalit.