Morgen ist Muttertag. Die kleinen Kinder haben in den letzten Tagen in den Schulen an ihren Basteleien für die Mutter gearbeitet, die größeren planen daran, wie sie die Mutter an diesem Tag ein bisschen verwöhnen können und die ganz großen Kinder überlegen sich, wann sie den Besuch des Blumenladens für den obligaten Strauß vornehmen. Es sind kleine Aufmerksamkeiten, mit denen die Arbeit und die Opfer, die Mütter das ganze Jahr über auf sich nehmen, damit es der Familie gut geht, gewürdigt werden sollen. Sie sind speziell in diesem Jahr auch ein bisschen Balsam auf den Wunden der Frauen, die den Eindruck haben, dass die Wahl, die sie im Interesse ihrer Familie einmal getroffen haben durch die familienpolitischen Reformen der Koalition abgewertet wird.

Einige von ihnen werden denn auch zu denen gehören, die die Regierungskoalition am vergangenen Sonntag abgestraft haben ob ihrer Modernisierungspolitik, die im D-Zug-Tempo an grundlegenden Mentalitäten und Mythen rüttelte. Das traditionelle Familienbild, die Mutter, die sich ausschließlich für das Wohl der Familie einsetzt steht nicht mehr im Zentrum staatlicher Aufwendungen.

Die Regierung sei nach dem Referendum geschwächt, Reformen würden nun schwieriger werden, kündigte die CSV gleich nach dem Referendum an. Es klang wie eine Drohung. Doch was soll das heißen? Denn die Mehrheitsverhältnisse im Parlament haben sich nicht verändert. Sieht man sich nun darin bestätigt, an seiner Fundamentalopposition festzuhalten, wohlweislich, dass man sich der Dankbarkeit des Wahlvolks gewiss sein kann, das gesellschaftliche Veränderungen so ungerne zur Kenntnis nimmt - geschweige denn, ihnen Rechnung tragen möchte? Das verheißt nichts Gutes für die Reformen, die seit langen Jahren so bitter nötig wären, um die es aber so still geworden ist. Die Scheidungsreform zum Beispiel, die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts oder das Pensionssplitting - geschweige denn von individualisierten Pensionsrechten. Alles Themen, an die man anlässlich des Muttertags durchaus auch einmal erinnern sollte. Wird die CSV diese Reformen nun erschweren?

Wenn sich am vergangenen Sonntag gezeigt hat, wie viele Ängste in der Gesellschaft wie stark verankert sind, wie fest man an Besitzstand und tempi passati festhalten möchte und wie wenig Mut und Selbstvertrauen im Wahlvolk vorhanden ist, sich mit vergangenen und absehbaren Entwicklungen auseinandersetzen zu wollen, dann ist es das Resultat einer jahrzehntelangen CSV-Politik.

Einer Politik, die den sicheren Weg versprach, die Reformen vor sich herschob, die die Garantie verkörperte, dass die Welt rund um Luxemburg sich verändert, aber Luxemburg stehen bleiben kann. War das der richtige Weg und soll es nun bleiben?

Dem Wort-Leitartikler, der gestern zum „Nation branding“ schrieb, man müsse sich „fragen, wie das gehen soll mit dem neuen Gesicht, wenn nur 22 Prozent der Wähler erahnen lassen wie weltoffen Luxemburg sein könnte, die übrigen 78 Prozent ziemlich zugeknöpft daher kommen“ sei gesagt: Die Nation, das sind eben auch die rund 240.000 weltoffenen Bürger, die nach Luxemburg kamen, um sich dort eine Zukunft aufzubauen. Reformieren und Zukunft gestalten? Sie wären wahrscheinlich eher dabei.