NIC. DICKEN

Während Europa, nach dem erneuten Possenspiel des britischen Parlaments in mehreren Akten während der vergangenen Woche, nicht ganz sorgenfrei auf die als nächstes anstehende Krisensitzung der Europäischen Volkspartei (EVP) am kommenden Mittwoch blickt, wo unter anderem über den Verbleib der ungarischen Fidesz-Partei entschieden werden soll, preschte der frühere CSV-Präsident Marc Spautz mit einer persönlichen Analyse des Wahldebakels seiner Partei im Oktober 2018 nach vorn.

Wir wissen nicht, ob Marc Spautz als Jugendlicher auch Dienst bei den Schifflinger Messdienern getan hat. Sollte dies allerdings der Fall sein, dann muss man ihm zumindest in einem Punkt Vergesslichkeit unterstellen. Als Chorknabe in den frühen siebziger Jahren hätte er zumindest einen Begriff verinnerlichen müssen, den er immer wieder im „Confiteor“-Bekenntnis hersagen musste, nämlich das „mea culpa“ (durch meine Schuld), und der ehemaligen Messdienern in bester Erinnerung geblieben ist.

Das Bewusstsein dieses „mea culpa“ vermisst man schmerzlich in der Bilanz des früheren CSV-Präsidenten, der in seiner Aufzählung zwar zig Gründe zu nennen vermag für das krasse Versagen seiner Partei im vergangenen Herbst, eigene Mitwirkung oder gar eigenes Verschulden dafür aber tunlichst übergeht. Er bestätigt allenfalls das Sprichwort, demzufolge Erfolg viele Väter und Mütter hat, die Niederlage jedoch ein Waisenkind ist. Immerhin hat Spautz aber ausreichend Pflegeeltern für dieses Waisenkind gefunden.

Zugute halten muss man dem damals amtierenden CSV-Präsidenten, dass er selbst immer wieder davor gewarnt hatte, den erwarteten Wahlsieg seiner Partei als Selbstverständlichkeit anzusehen. Andererseits muss man ihm aber auch vorhalten, den Eindruck vom omnipräsenten CSV-Staat, der den meisten Leuten immer weniger behagte, persönlich gepflegt zu haben, indem er beispielsweise seiner Nachfolgerin im Familienministerium monatelang über Vertrauenspersonen nachspionierte und damit die eigene Kontrollfunktion über Gebühr strapazierte.

Nun musste man aber auch nicht unbedingt bis nach den Wahlen warten um sich vorzustellen, dass etwa das Fehlen von JCJ auf der Wahlliste spätestens in den Wahlkabinen auffallen und entsprechende „Punktabzüge“ zur Folge haben könnte, beziehungsweise dass der vorgebliche CSV-„Plang“ sich umso stärker als Rohrkrepierer erweisen dürfte, je länger man die breite Wahlkundschaft im Ungewissen lassen würde über konkrete Inhalte.

Taktisch zu spät erfolgte nach Meinung von Spautz wohl auch der Personalwechsel an der Spitze der St. Paulus-Verlagsgruppe, die es im entscheidenden Moment an der nötigen Solidarität und Unterstützung fehlen gelassen haben soll. Schließlich erscheint es auch äußerst unfair, den gewesenen Spitzenkandidaten mit der Niederlage allein im Regen stehen zu lassen, obwohl man doch eigentlich als Doppelspitze - etwa: Der Smarte und das Biest - zur Eroberung des Wahlvolkes angetreten war.

Das wird Frank Engel nicht passieren.