DÜDELINGEN
CLAUDE MÜLLER

Victor Lazlo mit Billie Holiday bei „We Love Girls... And Girls“

Mut gehört schon dazu. Und überzeugt muss man sein. Überzeugt von sich selbst und von der Aussagekraft des Darzubietenden. Auch eine Portion gesunder, fanatischer Bewunderung und eine delikate Prise Selbstverherrlichung kann nicht schaden, das gehört einfach dazu eine abendfüllende Hommage an die große Billie Holiday zu bewältigen. All diese Voraussetzungen erfüllt die französisch/belgische Sängerin mit karibischen Wurzeln Victor Lazlo in höchster Vollendung.

Makelloser Ohrenschmaus

Nehmen wir es gleich vorweg, das Rezital vom vergangenen Freitag im Düdelinger Kulturtempel „opderschmelz“, als Erinnerungsakt an die große Billie Holiday, bot einen makellosen Ohrenschmaus und einen selten erlebten Hochgenuss an emotionalen Höhepunkten, alles in allem war das einmalige Spektakel, im Rahmen des Festivals „We Love Girls ... And Girls“ ein faszinantes, hochkarätiges Feuerwerk für die angesprochenen Sinne.

Von rund 20 Titeln aus dem mehrere hundert Standards der Jazzliteratur umfassenden Repertoire Billie Holidays hat Pianist Michel Bisceglia wunderbare, minimalistische Bearbeitungen geschaffen, die der Solistin förmlich auf den Leib geschrieben sind.

Sakrales Ambiente

In perfekter, dem fast sakralen Ambiente des Abends angepasster Garderobe, einem diskret mit glitzernden Pailletten bestickten schwarzen Abendkleid, verzauberte Victor Lazlo schon mit den ersten Tönen von „You Cover The Waterfront“, gleich mit der würdevollen Hingabe und majestätischer Emotionalität interpretiert, die den gesamten Abend dominierten. Nach einem romantischen „Summertime“ folgte eine eher heiter Einlage mit „Swing Brother Swing“, ehe dann mit „You Go To My Head“ einer der Höhepunkte der Soiree programmiert war.

Unbeschreiblich schön, mit herzergreifendem Charisma sang Victor Lazlo einen der anspruchvollsten und schwierigsten Song der Jazzliteratur, wobei man, dank ihrer starken Persönlichkeit und aufrichtigen Hingabe, den intimen Liebesschmerz und die delikate Erotik unweigerlich am eigenen Leib verspürte.

Rasantes Tempo

Den flotten Song „Them There Eyes“, von dem Billie Holiday 13 verschiedene Versionen aufgenommen hat, präsentierte das Duo in einem erstaunlich rasanten Tempo, wobei Lazlo auch eine Kostprobe ihres effektvollen Scatgesangs zum Besten gab. Mit einer magischen Kraft ließ Lazlo die durchgemachte Lebensweisheit im hymnischen „God Bless The Child“ hautnah erleben, um endlich mit „Strange Fruit“ die ganze Tragik des Rassismus mit einer seltenen, fast feierlichen, Ergriffenheit zu inszenieren.

Auch die kleinen Anekdoten die Victor Lazlo zwischendurch einflechtete trugen zum einzigartig gelungenen und kurzweiligen Programm bei, das in ausgedehnter Theaterinszenierung mit instrumentaler Quartettbesetzung schon 180 Mal auf den Pariser Bühnen aufgeführt wurde.

Bestens einstudiert

Billie Holiday kann man nicht kopieren und das weiß Victor Lazlo genau. Dass sie ihr Ideal aber bestens studiert und analysiert hat bewies sie mit deren größtem kommerziellen Erfolg „Lover Man“.

Auch hier vermittelte die Solisten wieder mit ihrer faszinanten Ausdrucksintensität den Weltschmerz einer einsamen Frau auf der Suche nach der wahren Liebe in ergreifender, ansteckender Art und Weise.

Permanente positive Spannung

Neben einigen weniger bekannten Songs waren natürlich die Hits des Billie-Holiday-Repertoires „Just One of These Things“und „I Get A Kick Out Of You“ von Cole Porter, das eher chansonartige „Don’t Explain“ aus der Feder von Billie selbst und Gershwins „The Man I Love“ vertreten. Michel Bisceglia am Konzertflügel sorgte während des anderthalbstündigen Spektakels für eine permanente positive Spannung und unterstrich mit seinen originellen Arrangements das jeweilige Ambiente und die Aussagekraft der sympathischen Solistin.

Ein wunderbares, einmaliges Konzert das man nicht missen möchte.