ERFURT
CHRISTIAN SPIELMANN

„Der Name der Rose“ als Musical in Erfurt

Der erste Roman des italienischen Schriftstellers Umberto Eco „Der Name der Rose“ war 1980 ein weltweiter Bestseller. Jean-Jacques Annaud verfilmte das Buch 1986. Der Film mit Sean Connery als William von Baskerville und Christian Slater als Adson von Melk war ebenfalls ganz erfolgreich. In Erfurt wurden die Domstufen-Festspiele 1994 ins Leben gerufen. Auf der Treppe vor dem Erfurter Dom werden seitdem Theaterstücke, Opern und Musicals gespielt. Nachdem die Norweger Gisle Kverndokk (Musik) und Øystein Wiik (Texte) 2008 mit dem Musical „Martin L. – Das Luther-Musical“ in Erfurt erfolgreich waren, wurden sie mit der musikalischen Adaption von Ecos Roman beauftragt, dessen Uraufführung unter der Regie von Axel Köhler am 9. August stattfand. Allerdings wurde diese Premiere wegen des Regens abgebrochen. „Sofies Welt“ ist ein weiteres Musical der Norweger, das 2003 im Escher Theater gespielt wurde.

Inmitten eines Jesusmosaiks

Auf den Domstufen scheint ein gigantisches Jesusmosaik gebrochen zu sein - das Bühnenbild erschuf Frank Philipp Schlößmann. Zwischen den Bruchstücken schauen Jesus‘ intakt gebliebenen Augen auf die Zuschauer. Das Ensemble spielt auf den Stufen und auf zwei geraden Zwischenbühnen. Verschiedene Mosaikstücke sind bewegbar und geben zum Beispiel die Sicht auf die Bibliothek im oberen Teil frei. Ein Schriftzug zeigt, dass die Geschichte im Jahr 1391 im Benediktiner-Kloster Melk beginnt. Der alte Adso (das „n“ wurde von den Machern weggelassen) von Melk (Máté Sólyom-Nagy) erinnert sich daran, wie er als junger Novize (Florian Minnerop) 1327 mit seinem Lehrmeister William von Baskerville (Yngve Gasoy-Romdal) ins Kloster kommt. Im weiteren Verlauf der Show sitzt er über der Bühne auf einem Vorplatz des Doms und kommentiert von Zeit zu Zeit das Geschehen.

Abt Abbone (Stefan Poslovski) bittet den Franziskanermönch und ehemaligen Inquisitor Baskerville, einen Mord aufzuklären. Der Mönch Adelmo wurde unten vor einem Turm tot aufgefunden, so als hätte er Selbstmord begangen, aber das Turmfenster war geschlossen. Eine Spur führt in die Bibliothek des Klosters. An den folgenden sechs Tagen sterben noch weitere Mönche, ohne dass ein Motiv ersichtlich wird. Der Täter muss jedenfalls etwas mit der Bücherei zu tun haben, wie etwa der aktuelle Bibliothekar Malachia (Axel Köhler) oder der vorherige, der blinde Jorge von Burgos (Jörg Rathmann). Weitere Mönche sind ebenfalls verdächtig, wie der Botaniker Severino (Erwin Bruhn), der verrückte Salvatore (Björn Christian Kuhn) oder der Cellerar des Klosters Remigio (Juri Batukov), der heimlich ein junges Mädchen (Eva Löser) im Kloster beköstigt. Diese junge Frau verdreht Adso den Kopf, und er verliert seine Unschuld. Der alte Alinardo (Wolfgang Kaiser) glaubt, die Morde würden in der Reihenfolge der Offenbarung des Johannes begangen, auch noch Apokalypse genannt. Und der neue Inquisitor Bernardo Gui (Rainer Zaun) hat seinen Besuch angekündigt.

Flammenmeer

Der erste Akt spielt sich zum großen Teil im Tageslicht ab. Erst nach der Pause gewinnt die Beleuchtung von Florian Hahn an Bedeutung. Das Mosaik erleuchtet oft in einem ganz aparten, fast gespenstischen Licht, und als die Bibliothek verbrennt, greift das projizierte Flammenmeer auf den ganzen Dom und die benachbarte Severikirche über.

Øystein Wiik hätte unbedingt eine Reihe von Figuren weglassen müssen, denn die Zuschauer verlieren den Überblick. Zudem werden fast alle Überlegungen zu den Morden gesungen, so dass Konzentration verlangt ist, um nichts zu verpassen.

Musikalisch mischen sich lateinisch gesungene Lieder mit Rockklängen oder sanfteren Balladen. Ins Ohr sticht kein Lied wirklich. Am besten klingen Baskervilles Kredo „Uns’re Welt ist wie ein Buch“, Abbones Bekenntnis zur „Macht“, Salvatores kurioses „Swisch! Ham, Ham“ und Adsos „Du bist überall“. An den gesanglichen und schauspielerischen Qualitäten ist nicht auszusetzen, und visuell ist der „Der Name der Rose“ ein Hingucker. Doch hätte eine Vereinfachung der Geschichte der Show sicher gutgetan.


Weitere Informationen und Tickets unter www.theater-erfurt.de.