LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Wechselausstellung im MNHA entführt an den himmlischen Ort des Volks der Etrusker

Die spektakulären Ergebnisse der Ausgrabungen, die seit dem Jahr 2000 unter der Leitung der Professorin Simonetta Stopponi auf dem fünf Hektar großen „Campo della Fiera“ am Fuße der italienischen Stadt Orvieto stattfinden, stehen im Mittelpunkt einer neuen Wechselausstellung im „Musée national d’histoire et d’art“ (MNHA). Von einer außergewöhnlichen Schau spricht MNHA-Direktor Michel Polfer auch deshalb, weil dem Publikum in Luxemburg zum ersten Mal archäologisches Material aus der Zeit der Etrusker gezeigt wird. Noch dazu wurden die bedeutenden Fundstücke bislang nirgends gezeigt und die Ausstellung speziell für das MNHA konzipiert.

Wichtigste Stadt der Etrusker

Die Stätte am Fuße des Felsplateaus, auf dem die Stadt Orvieto liegt, könnte, was die Zeit der Etrusker anbelangt, einzigartiger nicht sein. „Regelmäßig versammelten sich dort die Delegierten der großen unabhängigen Stadtstaaten, in die die Etrusker organisiert waren. Die zwölf wichtigsten Stadtstaaten waren in einer Föderation zusammengeschlossen und hatten eine Kultstätte, wo sich die Vertreter trafen, um einerseits religiöse Zeremonien abzuhalten, andererseits aber auch über politische sowie militärische Angelegenheiten zu reden“, erklärte Polfer eingangs. Dabei handelt es sich um das berühmte „Fanum Voltumnae“: das in den antiken Quellen beschriebene große Bundesheiligtum des Zwölfstädtebundes.

In der Tat haben die Ausgrabungen einen einzigartigen Kultplatz ans Licht gebracht, der mehr als 2.000 Jahre lang - vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins 16. Jahrhundert n. Chr. - als religiöse Stätte genutzt wurde. Der archäologische Komplex umfasst mehrere etruskische Tempel, eine Prozessionsstraße - die „Via Sacra“ - sowie einen großen Platz, der Opfergaben an die Götter vorbehalten war.

In einem ersten Saal wird der Besucher in die Ausstellung eingeführt, beziehungsweise darüber informiert, wer die Etrusker überhaupt waren. Ein kleiner, fein gearbeiteter Bronzekopf (490 v. Chr.), der eine etruskische Göttin zeigt, gibt in diesem Saal bereits eine Vorstellung davon, von welch herausragender handwerklicher Qualität die Kunst der Etrusker war.

Plünderung durch die Römer

Überdies handelt es sich bei diesem Exponat um einen sehr seltenen Fund, wurde Orvieto doch 264 v. Chr. von den Römern eingenommen und geplündert. Tatsächlich sollen laut historischen Quellen mehr als 2.000 Bronzestatuetten ihrem Beutezug zum Opfer gefallen sein. Das erklärt auch die vielen leeren Sockel, die ausgegraben wurden und von denen verschiedene, in mehreren Größen im MNHA zu sehen sind. Die Römer haben die Stätte übrigens danach weiterhin für religiöse Zwecke genutzt, was für die damalige Wichtigkeit dieses Ortes spricht.

In den weiteren Ausstellungssälen taucht man dann als Besucher regelrecht in die kulturelle, religiöse und ästhetische Welt des in vielerlei Hinsicht immer noch mysteriösen Volkes der Etrusker ein. Eine große Diversität an Fundstücken steht zur Entdeckung bereit, etwa ein Sockel aus Stein mit einer Inschrift in etruskischer Sprache, - eine Widmung an die Göttin Tluschva. „Es handelt sich dabei um den wichtigste Text in dieser Sprache, der in Orvieto - oder jemals - entdeckt wurde“, bemerkt Polfer.

Zeugnisse der 2.000-jährigen Geschichte

Vorbei an mehreren aus Terrakotta angefertigten Köpfen von Gottheiten und den Überresten einer Statue aus griechischem Marmor, gelangt man zu einer großen Auswahl an Opfergaben, wie sie
unterschiedlicher nicht sein könnten: vom Material, das zum Spinnen sowie Weben genutzt und offensichtlich von Frauen in die Kultstätte gebracht wurde, bis hin zu reich verzierten Vasen und
Gefäßen, wovon manche nachweislich aus Athen stammten. Die zahlreichen
Münzen aus mehreren Epochen - die älteste stammt von 7 v. Chr. - sind ebenfalls Zeugen der langen Nutzungsgeschichte des „Fanum Voltumnae“. Auf großformatigen Fotos und Luftaufnahmen kann man sich schließlich von der Größe des Ausgrabungsareals und seiner einzigartigen Lage überzeugen.

„Der himmlische Ort. Die Etrusker und ihre Götter - Das Bundesheiligtum von Orvieto“ kann ab heute und bis zum 2. September besichtigt werden. Infos unter www.mnha.lu