COLETTE MART

Das vielfach öffentliche Bekenntnis zahlreicher Firmen und Institutionen zur Charta der Diversität in den letzten Jahren weckte Hoffnungen um eine bessere soziale Inklusion von Nationalitäten und Kulturen, Männern und Frauen, sowie älteren und jüngeren Menschen. Schauen wir uns jedoch den gesellschaftlichen Alltag näher an, merken wir, dass sowohl Nicht-Luxemburger, Frauen, und auch Menschen mit Behinderungen vor zahlreichen Mauern und Hürden stehen, und an die viel diskutiert Glasdecke stoßen, die keineswegs nur für Frauen auf der Karriereleiter gilt.

Eine rezente soziologische Analyse der Komposition der Abgeordnetenkammer offenbarte, dass die Mehrheit unserer Volksvertreter männlich, Beamte und Anwälte sind. Prozentual gesehen kommen Frauen im Parlament schlecht voran, und es gibt immer noch Gemeinderäte im Land, in denen überhaupt keine Frauen sind. Auch Nicht-Luxemburger haben in der Politik einen schweren Stand, sind auf nationaler Ebene ausgeschlossen, und tun sich auf lokaler Ebene schwer, genügend Stimmen zu bekommen, um tatsächlich ein Mandat zu erhalten. Auch wenn davon auszugehen ist, dass Beamte, Anwälte, und des Weiteren auch Ärzte und Journalisten viele Aspekte des gesellschaftlichen Lebens gut kennen, reflektiert die Abgeordnetenkammer keineswegs die Vielschichtigkeit der Gesellschaft, und die Sensibilitäten mancher Bevölkerungsgruppen sind hier nicht vertreten. Geschäftsleute, Unternehmer, Handwerker, Gewerkschaftler oder Arbeiter zum Beispiel findet man hier eher nicht. Dieser Tatbestand wirft dann auch die Frage auf, warum verschiedene Berufsgruppen kaum eine Chance haben, sich genügend bekannt zu machen, um gewählt zu werden. Darüber hinaus sind zahlreiche Berufsgruppen noch immer Hänseleien in unserer Gesellschaft ausgesetzt, so zum Beispiel Geschäftsleute, denen man alle möglichen Etiketten aufklebt, wie dann auch verschiedene Pressekommentare um die Herkunft von Corinne Cahen dokumentieren. Dabei haben gerade Kinder von Geschäftsleuten eine Realitätsbezogenheit, mit denen Menschen mit abgesicherten Gehältern nie in Kontakt kommen.

Wer mit Nicht-Luxemburgern spricht und Freundschaften mit ihnen aufbaut, muss leider feststellen, dass Rassismus und Diskriminierung verheerend bleiben, auch wenn wir uns gerne der doch friedlichen Koexistenz aller Nationalitäten rühmen. Die Einsamkeit und der soziale Ausschluss, den Nicht-Luxemburger immer noch erleben, sind so gravierend, dass wir über die reale Umsetzung der Diversität nachdenken und uns nicht nur auf öffentliche Lippenbekenntnisse beschränken sollten. Menschen mit einer anderen Hautfarbe, respektive mit Behinderungen haben einen viel schwierigeren Zugang zum Arbeitsmarkt, und tun sich auch schwerer damit, Freundschaften aufzubauen. Sie stoßen vielfach auf Gleichgültigkeit, und sind in ihrem Alltag mit zahlreichen kleinen und großen Diskriminierungen konfrontiert, die oft zu einem gesellschaftlichen Rückzug führen, worauf ihnen dann nachgesagt wird, sie würden sich ungenügend in der Gesellschaft investieren. Die Diversität bleibt also im Vielvölkerstaat Luxemburg ein Mythos und ein Thema, das wir tiefgründiger angehen sollten und das jeden einzelnen von uns als Arbeitgeber, Lehrer, Schulkamerad, Kollege oder Nachbar fordert.