BELVAL
INGO ZWANK

Entwicklungsgesellschaft Agora zieht Bilanz und blickt in die Zukunft

Die Ergebnisse aus den letzten Jahres hatten bereits die wachsende Bedeutung des Standorts seit dem Bestehen der Universität veranschaulicht. „Seit dem Beginn der Entwicklung hat sich Belval zu einem wichtigen Lebensraum in der Südregion und im Land entwickelt“, sagt Vincent Delwiche, der Generaldirektor von Agora, gestern bei der Vorstellung der Tätigkeitsbilanz der Entwicklungsgesellschaft.

Ja, besser noch, heißt es da in der Bilanz: Durch die Ansiedlung zahlreicher Unternehmen, Dienstleister und auch dank der Außenwirkung der Uni erhalte der Standort eine internationale Dimension. Und die Zahlen sprechend für sich. Belval sei ein gemischt genutzter Standort mit rund 17.000 Nutzern/Bewohner, die sich täglich in den verschiedenen Vierteln aufhalten, erklärt Frank Vansteenkiste, Präsident der Entwicklungsgesellschaft. 3.000 Personen leben hier, 5.700 besuchen die Uni oder das Lycée, 8.500 Personen haben ihren Arbeitsplatz hier. „Über 200 Unternehmen und Dienstleister sind mittlerweile hier angesiedelt“, sagt Vansteenkiste.

5,3 Prozent der nationalen Bürofläche

Für die Bewohner sind aktuell 1.700 Wohneinheiten vorhanden, davon 923 Wohnungen und Häuser, 668 Studentenwohnungen und 120 Plätze in Seniorenwohnheimen. 213.000 m² Bürofläche werden aktuell geführt. Durch sein seit 2006 andauerndes kontinuierliches Wachstum hat der Standort Ende 2018 einen Marktanteil von rund 5,3 Prozent der nationalen Bürofläche.

Zu diesen 213.000 m² werden noch 200.000 m² weitere hinzukommen, „die die Aufnahmekapazität des Standortes in den nächsten acht Jahren vervollständigen“, so Vansteenkiste weiter.

In diesem Monat soll Atenor das Gebäude Naos an
seine Nutzer übergeben, womit weitere 14.000 m² Bürofläche bereitstehen. Hiervon seien bereits rund 90 Prozent, zum Großteil an die IT-Gesellschaft Arns, vermietet. Ab Herbst, so heißt es von Agora, werden die Gebäude Rouden Eck und Capelli Towers mit weiteren 6.500 m² Dienstleistungsfläche folgen.

Weitere Projekte sind in der Planung. „Unsere Unternehmenskultur basiert auf Geduld und Engagement“, wie Delwiche betonte. Dies seien die Markenzeichen von Agora, sie hätten der Gesellschaft geholfen, „am Ball zu bleiben und nie den Glauben an den Erfolg zu verlieren.“

Nach 2018, einen „Rekord-Verkaufsjahr für Agora“, wurden weitere Projekte vorbereitet, wie im Viertel Square Mile mit einer Vermarktung von 145.000 m² rund um den künftigen „Place des Bassins“. 48.000 m2 seinen bereits für 2019 eingeplant.

Eine Studie habe gezeigt, dass eine sehr starke Bindung an den Standort vorhanden sei. Neun von zehn Befragten Personen stuften die Entwicklungsdynamik in Belval als gut bis sehr gut ein, führte Delwiche aus, insbesondere hinsichtlich Dienstleistungsangebot, Standortgestaltung und auch Verkehrsanbindung. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben ferner eine positive Bewertung über die Verkehrsanbindung an.

Eine echte Chance

Doch Belval ist nun einmal nicht alles, auch im Rahmen des Projektes Esch-Schifflingen (Viertel Alzette mit rund 62 Hektar, 88 Prozent davon auf dem Gebiet von ArcelorMittal) steuere man nun seine Erfahrungen (nach der Machbarkeitsstudie) bei. Ein Gutachten bestätige die technische Machbarkeit der Umstrukturierung der Industriebrache in ein Stadtgebiet. Eine Ausrichtung, die der Region eine echte Chance biete, „wenn man bedenkt, dass die Grundstücksreserven für Wohnraum im Süden des Landes irgendwann zur Neige gehen werden“, sagte Delwiche.

Dabei seien in einer Empfehlungskommission Lösungsansätze erarbeitet worden, „für alle Herausforderungen unserer Zeit: Mobilität, Einbeziehung der Natur, Flexibilität, Qualität der öffentlichen Räume, soziale Anbindung - also die Grundlage für die Lebensqualität dieses Viertels.“

Die Hälfte dieser Fläche soll für Wohnungen und zehn bis 15 Prozent als Bürofläche genutzt werden können, „bei sehr viel öffentlicher Fläche“, so Vansteenkiste nach der Analyse mit internationalen Teams, die sich während dem 29. März und dem 4. April den Bereich ansahen und die Ergebnisse einer Jury mit 40 Mann vorstellten.

Harte Jahre für die Entwicklungsgesellschaft

Aktuell bereite Agora daher im Rahmen einer im Herbst geplanten Ausstellung ein passendes öffentliches Ereignis vor. In einer Entwurfswerkstatt sollen vier erarbeitete Projekte vorgestellt werden. „Dem Gewinnerprojekt von COBE, Urban Agency, Urban Creators und Luxplan sa, das der Öffentlichkeit detailliert vorgestellt wird, kommt dabei eine besondere Aufmerksamkeit zu“, schloss Vansteenkiste ab, wobei man hoffe, dass man Beginn 2020 mit der Regierung und auch ArcelorMittal den Startschuss für das Viertel Alzette geben kann - was auch Bruno Theret von ArcelorMittal begrüßte. „Wir sind sicher, dass es ein passendes, ein menschliches Projekt mit Zukunftsblick wird“, sagt Theret zu einem innovativen Projekt, wo man als Partner gerne mitwirken werde. Agora, so dann noch Vansteenkiste, bekomme hierbei „keinen Cent“ vom Staat, um dieses Projekt zu realisieren, denn „es ist nicht das Ziel von Agora, einen riesigen Benefiz zu machen.“ In den ersten Jahren habe man Verluste in Höhe von zweistelligen Millionenbeträge gemacht. Jetzt, mit Blick auf das neue Viertel, würden auch wieder erst einmal größere Ausgaben anstehen…


agora.lu