LUXEMBURG
KASPAR WANSLEBEN

Seit einigen Jahren steht die Nachhaltigkeit hoch auf der Agenda des Luxemburger Finanzplatzes. In 2015 gründeten mehrere Schlüsselakteure zusammen mit der Regierung die „Climate Finance Task Force“ um im Zuge des Pariser Klimaabkommens den Finanzplatz als Motor zur Mobilisierung der vielen Milliarden zu positionieren welche zur Umstellung des weltweiten Wirtschaftssystems und der Infrastruktur notwendig sind. Die Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen gehen in Luxemburg mit der Schaffung einer „Sustainable Finance Roadmap“ einher. Die Luxemburger Börse ist der weltweit größte Platz zur Notierung von grünen Unternehmensanleihen, den sogenannten „Green Bonds“. Die Labelling Agentur LuxFLAG hat eine ganze Bandbreite an Zertifizierungen für grüne, soziale und verantwortlich handelnde Fonds entwickelt.

Diese Anstrengungen öffentlicher Akteure zusammen mit dem Finanzplatz zeigen zunehmend Wirkung. So ist Luxemburg zum Beispiel auf dem zweiten Platz (nach London) des in 2018 publizierten „Global Green Finance Index“, vor Paris, Frankfurt und New York.

Angesichts dieses heißen und trockenen Sommers stellen sich sicherlich eine wachsende Zahl Luxemburger Einwohner die Frage was sie konkret zur Nachhaltigkeit beitragen können, im Supermarkt, beim Bauen ihres Hauses, bei der Wahl des neuen Autos aber auch in ihrem Anlageportfolio.

Beim Thema Geldanlegen wird es bei der Umsetzung schwierig: Welche konkreten Optionen gibt es und wer informiert darüber? Wie weiss man ob das nachhaltige Investment wirklich nachhaltig ist? Der Gang zur Luxemburger Bank wird nur begrenzte Einsichten bringen, viele Banken sind noch am Anfang in der Entwicklung eines Angebots nachhaltiger Anlagen für Ihre Kunden.

Der „Luxembourg Microfinance and Development Fund“ (LMDF) ist neben anderen Pionieren wie ETIKA eine der konkreten Optionen für Luxemburger Anleger. Gegründet in 2009 finanziert er kleine Unternehmungen über Mikrofinanzinstitution in Entwicklungsländern. Seinen sozialen Fokus legt der Fonds auf die Entwicklung von Frauen, der ländlichen Bevölkerung und der zunehmenden Zahl an Jugendlichen in diesen Ländern. Neben der sozialen Seite realisiert der Fonds stabile jährliche Renditen zwischen 0,5 und 1,7 Prozent in den letzten drei Jahren wobei der Luxemburger Staat über sein Investment im Fonds eine Risikoabsicherung für Luxemburger Einzelinvestoren bereitstellt.

Basierend auf dem Erfolg des ersten Fonds, gründete das Team um den „Luxembourg Microfinance and Development Fund“ im Oktober 2017 einen zweiten Fonds, den „Forestry and Climate Change Fund“ (FCCF) zur Reduzierung der Waldrodung in tropischen Ländern Lateinamerikas. Wie der Mikrofinanzfonds investiert der FCCF in NGOs und lokale Kooperativen um Bauern vor Ort in der Entwicklung nachhaltiger Bewirtschaftung ihrer Wälder zu unterstützen. Der Fonds verfolgt damit das Ziel einer Reduzierung der Emission von Treibhausgasen, welche durch Waldrodung tropischer Wälder freigesetzt werden.

Doch es Bedarf mehr als ein paar Optionen und deshalb organisiert der LMDF zusammen mit der Stadt Luxemburg seit 2017 eine jährliche Konferenz zur Präsentation von nachhaltiger Investments und Initiativen, welche sich direkt an Luxemburger Bürger wenden. Die diesjährige Konferenz findet am 24. September im Tramsschapp statt und bringt die führenden Banken, NGOs und andere Initiativen mit der Luxemburger Öffentlichkeit zusammen.

Beispiele wie der LMDF- oder FCCF-F Fonds zeigen, dass es viele Ideen und konkrete Produkte im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen gibt die noch wenig bekannt sind. Luxemburg als einer der führenden Finanzplätze in diesem Bereich kann noch viel tun um mehr konkrete Optionen zu entwickeln und die existierenden Produkte mehr Menschen zugänglich zu machen.