ADDIS ABEBA
CORDELIA CHATON

Der „Africa Day“ der Europäischen Investitionsbank in Addis Abeba zeigt Investitionsmöglichkeiten auf

Bei Afrika denken viele an Löwen und Elefanten, Nationalparks, Dschungel und Wüsten. Um das zu ändern und Chancen für Investoren, aber auch die rasche Entwicklung eines Kontinents mit rund 50 sehr unterschiedlichen Ländern aufzuzeigen, wurde der „Africa Day“ von der Europäischen Investitionsbank (EIB), die in Luxemburg ihren Sitz hat, ins Leben gerufen. Er spielt auf den gleichnamigen Tag zur Feier der Organisation der Afrikanischen Einheit an.

Aber beim gestrigen in Addis Abeba abgehaltenen Event geht es um die Förderung von Investitionen in Afrika. In diesem Jahr fand der „Africa Day“ gemeinsam mit der Industrialisierungsorganisation der Vereinten Nationen statt, der „United Nations Industrial Development Organization“ (UNIDO). Es war der vierte Event nach dem Auftakt in Luxemburg und weiteren Veranstaltungen in Abidjan (Elfenbeinküste) und Berlin. Als Ort hatten die Gastgeber nun die Hauptstadt Äthiopiens, Addis Abeba gewählt. Die 3,5-Millionen-Einwohnerstadt eines Landes, das unter seiner neuen Präsidentin einen starken, friedlichen Wandel erlebt, entwickelt sich ebenso rasch wie das Bevölkerungswachstum, das von 30 Millionen Einwohner im Land in den 70er Jahren auf 100 Millionen Einwohner explodiert ist. Sie alle brauchen Kleidung, Bildung, Häuser, Energie, Medikamente, Wasser, Waren und vieles mehr. Das bietet Chancen für die Industrie.

Allerdings wollen die Äthiopier eine nachhaltige Industrialisierung, die umweltfreundlich ist und auch Frauen Chancen bietet. Nicht nur deswegen unterschrieb EIB-Präsident Werner Hoyer ein Projekt, das das Unternehmertum von Frauen fördern soll. „Afrika verändert sich. Hier gibt es einige der am schnellsten wachsenden Länder“, unterstrich Hoyer. „In einigen Bereichen wie mobile Bezahlsysteme oder nachhaltige Energienutzung kann es sogar Vorreiter sein.“ Hoyer wies darauf hin, dass die EIB, die in diesem Jahr 60-jährigem Bestehen feiert, schon seit 55 Jahren in Afrika aktiv ist und allein im vergangenen Jahr 80 Milliarden Euro für Projekte zum Klimaschutz, für Infrastruktur und Arbeitsplätze außerhalb Europas investiert hat. „Wir müssen von der Hilfe zum Investment kommen“, forderte der EIB-Präsident vor einem Publikum von rund 300 Zuhörern, das aus ganz Afrika angereist war. Hoyer betonte, dass die EIB nicht nur Kredite vergibt, sondern auch mit Dienstleistern wie technischen Beratern zusammenarbeitet, berät sowie spezielle Fonds auflegt. Er unterstrich den Willen der EIB, als Bank der EU vor allem inklusive Finanzansätze zu unterstützen, ebenso wie kleine und mittlere Unternehmen im Privatsektor zu fördern.

Äthiopische Premierministerin zu Gast

Am Mittag unterzeichnete er eine Investition von vier Millionen Euro in den mobilen Bezahldienstleister M-Birr. Birr ist die Bezeichnung der äthiopischen Währung. Das Startup hat einen großen Markt in einem Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung auf dem Land lebt, wo es meist keine Bank gibt. Darüber hinaus schloss die EIB ein über 15 Jahre laufendes Kreditprogramm in Höhe von 200 Millionen Euro mit der „African Import Export Bank“ (Afreximbank) ab, das vor allem Handelsprojekten zugute kommen soll. Auch hier ist Nachhaltigkeit und Inklusion erwünscht, wie Hoyer betonte. Dies sind die Schwerpunkte des diesjährigen „Africa Day“. UNIDO- Generaldirektor Li Yong ist ganz Hoyers Meinung: „Doch nachhaltige und inklusive Industrialisierung verlangt innovative und gewagte Geschäftsmodelle statt Business als usual.“ Er setzt auf „Public Private Partnerships“.

Ehrengast der Konferenz war die äthiopische Präsidentin Sahle-Work Zewde, die seit Ende Oktober im Amt ist. Sie betonte, dass die Regierung ihres Landes zur Hälfte aus Frauen besteht, und auch der Oberste Gerichtshof nun unter weiblicher Leitung steht, genau wie eine Reihe weiterer Positionen. Der Frieden mit Eritrea sei nach über 20 Jahren geschlossen; die Privatisierung von Post und anderen Diensten eingeleitet. Jetzt geht es ihr um Investitionen. „Bis 2025 wollen wir führend in verschiedenen Bereichen sein, insbesondere bei Logistik, Pharma, Leder, Textil, ICT, Agro-Prozessen, Energie und IP“, zählte sie auf. Dafür hat die Regierung schon einige Industriezonen und Vorzeigegewerbeparks verwirklicht, unter anderem den „Hawassa Industrial Park“ 250 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Das Ziel ist es, der Landbevölkerung eine Perspektive zu bieten.
Auch dadurch wird Migration verhindert.

EIB-Präsident Hoyer unterzeichnete darüber hinaus gemeinsam mit Partnern aus Äthiopien und der Weltbank ein Kreditprojekt für Frauen, das „Women Entrepreneurship Development Project“ (WEDP). Es soll Unternehmerinnen Zugang zu Mikrokrediten bieten. Die durchschnittliche Kredithöhe liegt bei 8.000 Euro. Hoyer unterstrich, dass das WEDP-Projekt vor allem Frauen mit kleinsten und kleinen Unternehmen zugute kommen soll. Es umfasst 30 Millionen Euro. Partner ist das äthiopische Finanzministerium. Sowohl die äthiopische Regierung als auch die EIB zählen Gender - also Geschlechtergleichheit - und die wirtschaftliche Förderung von Frauen zu ihren Zielen. In Afrika müssen bislang Frauen häufig noch ihren Mann um die Zustimmung für einen Kredit bitten, denn oft wird einer Frau weniger Wert beigemessen als einem Mann.

www.eib.org