ANCHORAGE
DPA

30 Jahre nach „Exxon Valdez“-Ölpest: Alaska spürt Folgen noch immer

Filiale von Jan de Nul säubert Sand nach Ölpest

Strände reinigen

Das Unternehmen Jan de Nul, weit über die Grenzen Luxemburgs hinaus bekannt für Saugbagger, Seebagger, Deichbau oder Errichtschiffe, ist auch im Umweltbereich tätig. Über die Filiale Envisan bietet Jan de Nul in fünf Zentren in Belgien und einem in Frankreich die Säuberung von Sand an, der durch Mineralöl verunreinigt wurde. Das Reinigungszentrum im Süden Frankreichs wurde Ende 2015 eröffnet. Der Sand kann durch Filter, Trocknung oder physiochemische Behandlung gereinigt werden.

Was in Luxemburg im Falle einer Wasserverschmutzung passiert

Schnelligkeit ist Trumpf

Eine Riesenölpest durch einen leckgeschlagenen Tanker droht Luxemburg zwar nicht, allerdings fährt der CGDIS jährlich zahlreiche Einsätze gegen Wasserverunreinigungen aller Art. Auf zwei bis drei die Woche schätzt CGDIS-Einsatzleiter Christopher Schuh die Zahl der Interventionen. „Das kann von einem leichten Benzinfilm auf einer Wasserfläche bis hin zu bedeutenden Verschmutzungen gehen“, erklärt Schuh.
Meldet ein Bürger eine Wasserverschmutzung beim 112, wird erstmal das Einsatzzentrum in der Nähe damit beauftragt, erste Maßnahmen zu ergreifen. Zu dem Zeitpunkt sind dann schon Polizei und Wasserwirtschaftsamt in Kenntnis gesetzt und ebenfalls vor Ort.

„Unité de dépollution“

Bei größeren Vorfällen kommen die Spezialisten der „unité de dépollution“ zum Einsatz. Zu ihr gehören 15 Experten, darunter auch Ingenieure und Biologen, die zum Teil auch beim Stauseebetreiber SEBES und dem Wasserwirtschaftsamt tätig sind und eingespielt sind, um die Verbreitung von umweltschädlichen Substanzen einzudämmen und sie aus dem Wasser zu filtern.
Sie verfügen dafür über spezielle Instrumente, wie etwa einen „Skimmer“, der Öl aufsaugen kann. Material für die Eindämmung von Wasserverschmutzung haben alle Einsatzzentren, es gibt allerdings etwas mehr davon an den größeren Wasserläufen, wie etwa am Merterter Hafen und natürlich an Luxemburgs größtem Trinkwasserreservoir: dem Stausee.
Laut Schuh gab es in diesem Jahr bereits acht größere Vorfälle von Wasserverunreinigung, zuletzt am vergangenen 28. Januar, als Heizöl in die „Donkelserbaach“ in der Nordgemeinde Doncols gelaufen war. Die Ursache für die Verschmutzung lag in diesem Fall auf belgischer Seite: ein Leck im Heizölreservoir eines Privathauses an der N15.

Auf den ersten Blick wirkt alles wie früher: Leuchtend weiße Eisberge schwimmen im dunkelblauen Meer, in den Wellen lassen sich Seeotter treiben. Aber hinter der scheinbaren Idylle des Prinz-William-Sund vor der Küste Alaskas verbergen sich immer noch Spuren einer der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der USA. Am 24. März vor 30 Jahren rammte der US-Tanker „Exxon Valdez“ dort das Bligh-Riff und schlug leck. Rund 40.000 Tonnen Rohöl liefen aus und verseuchten einen rund 2.400 Kilometer langen Küstenstreifen. Von dem Öl des Frachters „Grande America“, der vor wenigen Tagen vor der französischen Atlantikküste gesunken ist, erwarten Experten dagegen weniger schlimme Auswirkungen. Er enthielt nach Medienangaben rund 2.200 Tonnen Schweröl und hatte Container und Fahrzeuge transportiert. Die französische Küste könnte zumindest in den nächsten Tagen von einer Ölpest verschont bleiben, hatte die zuständige Seepräfektur Anfang der Woche mitgeteilt. Weil sich das Wetter verbessert habe, hätten die Einsatzkräfte viel effektiver arbeiten können.

In den Ruin getrieben

Am 24. März 1989 ist es kurz nach Mitternacht, als der mit 163.000 Tonnen Rohöl aus der Trans-Alaska-Pipeline beladene Tanker auf dem Weg nach Kalifornien bei ruhiger See auf das Riff läuft. Der Kapitän schläft, er hat einem weniger erfahrenen Offizier das Kommando überlassen. Die Gegend ist schwer zugänglich, nur per Flugzeug, Hubschrauber oder Schiff erreichbar, darum gestaltet sich der Noteinsatz schwierig. Die Folgen des Unglücks sind dramatisch: Die Fischerei kommt zeitweise zum Erliegen. Viele Familien, ganze Orte stehen vor dem Ruin. Der Ölkonzern Exxon wird mit Klagen überzogen und muss schließlich Milliarden für Säuberungen, Schadenersatz und Geldbußen zahlen. Viele neue Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen werden danach eingeführt: In der Gegend sind nur noch doppelwandige Öltanker zugelassen, zudem müssen die Schiffe von mehreren Schleppern begleitet werden. Das Bligh-Riff ist mit einem Warnlicht markiert.
Dramatischer Schlag für das Ökosystem
Besonders dramatisch - und bis heute spürbar - sind die Folgen für die Natur im Prinz-William-Sund, vor dem Unglück eines der unberührtesten und artenreichsten Ökosysteme der USA. Rund 250.000 Seevögel und tausende weitere Tiere sterben an den Folgen der Ölpest, darunter Seeotter, Robben, Grauwale und Pazifische Heringe. Die Auswirkungen der Giftstoffe machen sich bis heute bemerkbar: Vor allem in den Sedimenten der Uferzonen lagern Rohölreste, Forscher untersuchen die Gegend nach wie vor intensiv.

Weltweiter Schock

„Ein wichtiger Faktor ist das verbleibende Öl“, sagte der Wissenschaftler Jeffrey Short, der im Auftrag der US-Regierung die Untersuchungen nach dem Unglück leitete, kürzlich dem Lokalsender KTUU. „Wir haben herausgefunden, dass das Öl an den Küsten viel länger blieb als irgendwer vermutet hatte. Deswegen gab es langanhaltende Auswirkungen, denn die Tiere wurden dem immer wieder ausgesetzt.“
Einige Bestände wie die der Seeotter haben sich weitgehend erholt. Andere wie die Pazifischen Heringe, Lachse und Orcas noch nicht. „Die Erholung von Arten, die sehr sensibel in Hinblick auf die Langzeiteffekte von Ölverschmutzungen sind, kann Jahrzehnte dauern“, sagt Forscherin Brenda Ballachey, die vor rund fünf Jahren eine Bestandsaufnahme im Prinz-William-Sund gemacht hat.
Das „Exxon Valdez“-Unglück schockierte Menschen weltweit und brannte sich ins Gedächtnis ein - wurde aber schon einige Jahre später von einer anderen Öl-Katastrophe übertroffen: 2010 explodiert die Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Fünf Monate lang sprudeln insgesamt rund 780 Millionen Liter Öl ins Meer - ein Vielfaches der bei der „Exxon Valdez“ ausgelaufenen Menge.