LUXEMBURG
LJ

Bauhaus gehört auch heute noch zur Architektur dazu

Obwohl der Bauhaus-Trend bereits hundert Jahre zurückliegt, zeigen sich auch noch heute seine Spuren - und manche Gebäude, auch in Luxemburg, werden auch weiter in dem Stil der klassischen Moderne gebaut, wie Michel Petit von Petitcarrée Architectes betont.

„Das beste Beispiel ist natürlich die alte ,Maternité‘, die inzwischen leider renoviert wurde und deshalb nicht mehr im Original-Zustand ist. Der Architekt Otto Bartning war einer der führenden Köpfe hinter dem Stil“, erklärt er. Aber auch sonst sei der Stil nicht spurlos am Großherzogtum vorbei gezogen. „Ein weiteres Beispiel sind die beiden Gebäude auf der Kreuzung Grand Rue und Rue du Fossée in der Hauptstadt; die Stahl- und Glaskonstruktion ist ganz typisch für die Bauhaus-Ideologie.“

Auch Architekten aus Luxemburg waren von dem Stil inspiriert; als typische Bauwerke seien die Arbeiten von Hubert Schumacher zu nennen, der sich selbst auf Belair ein Familienhaus entwarf und auch für die „Villa Kutter“ auf dem Limpertsberg für den Künstler Joseph Kutter verantwortlich zeichnete. „Vor dem Krieg waren diese vollständig im Bauhausstil, erst in der Folge wurde dort ein Dach dazu geflickt“, erklärt Petit.

Klar sichtbar

Auch hier standen die reduzierten Formen und die klaren Linien im Vordergrund - und blieb ein Thema: „Weiters wäre da auch Pierre Gilbert zu nennen, der den Stil in den Fünfzigern in seiner Arbeit fortgeführt hat“, meint der Architekt. „Das ist dann zwar nicht mehr ganz dasselbe, dafür aber der logische Nachfolger des ,modernen Bauens‘ des Bauhaus - ohne Ornamentik, mit einer klaren Sprache versehen, einer Zweckmäßigkeit unterworfen.“ In diesem Stil sei auch ein Teil der Heintz van Landewyck-Fabrik im Quartier Hollerich dazu zu zählen. „Das gehört ebenfalls eindeutig dazu.“

Faszinierend sei am Bauhaus deshalb eben jene Zweckmäßigkeit und Sachlichkeit, die den Designs vorgestellt wurde: „Im Bauhaus wurden die Dinge mit Sorgfalt entworfen und ohne unnötiges Beiwerk - aber auch ohne eine schnöde Reduktion auf Funktionalität“, weiß Petit. „Klare Flächen, Linien und ohne die Architektur und das Design zu vergessen. Das fasziniert auch heute noch.“

Zurück zum Wesentlichen

Dass das nicht nur im Architektur-Design seine Rolle spielte, sondern insgesamt die Industrie vereinnahmte, sei an Arbeiten wie die des deutschen Industriedesigners Dieter Rams zu sehen, der wegweisende Konzepte für den Technik-Riesen Braun entwickelte. „Den industriellen Produkten eine klare Form geben - das ist die Faszination an dem Bauhausstil“, erklärt er. Gleichzeitig habe es durch seine Reduktion auch einen sozialen Gedanken: „Es sorgt für bezahlbares Wohnen, weil das Bauen billiger wird.“

Entsprechend ziehe sich diese Faszination auch in die Moderne: „Heute gibt es eben auch weiterhin diese ganz reduzierten Formen in der Architektur, die neben der ganz expressiven Designsprache weiter existieren“, erklärt der Architekt. „Das hat sich bis heute gehalten.“ Die Arbeiten des luxemburgischen Architekten Paul Bretz, der auf dem Kirchberg am boulevard J. F. Kennedy Bürogebäude entwarf, sei da „ein direkter Nachfolger der reduzierten Sprache“, betont Petit. Auch er selbst habe etwa für seine Arbeit für den „Fonds de Logement“ auf den „Nonnewisen“ im entsprechenden Stil gearbeitet. „Ich bin überzeugt, dass es funktionell und wirtschaftlich zugleich sein muss - und die nötige Ordnung samt ästhetischen Proportionen bietet“, erklärt Petit. „All das bietet der Bauhaus.“

„Die ursprüngliche Idee, der Industrialisierung eine klare Form und Kunst zu geben, hat sich nicht gewandelt - sie ist immer noch an vielen Orten zu sehen und bleibt in der Arbeit vieler Architekten weiter präsent“, meint Petit.