ECHTERNACHGERHARD KLUTH

Cathy Krier zu Gast auf dem Echternacher Festival

Der zweite Abend des diesjährigen Echternacher Festivals war ganz dem Klavier gewidmet und die Verantwortung hatte am Sonntagabend die junge Pianistin Cathy Krier übernommen.

Ein Rezital, das es in sich hatte. Krier gehört nicht nur in Luxemburg zu den aufstrebenden Musikerinnen, die ihrem Publikum unglaublich viel zu erzählen hat. Dabei weist die 29jährige eine Tiefe und Reife auf, die nur noch staunen machen kann. Das sie darüber hinaus auch noch eine brillante Technik besitzt, perfektionierte ihren Auftritt im großen Saal des Trifolions. Pianissimotöne, die wie gehaucht ihren Weg ins Auditorium fanden und doch zielsicher auch noch die Zuhörer in den hinteren Reihen erreichten. Läufe, die wie Perlen auf einer Schnur glänzten. Alles in einem wundervollen Zusammenspiel.

Hohes Niveau

Dreh- und Angelpunkt des Abends war der Zyklus „Auf verwachsenem Pfade“ von Leoš Janácek, jene zehn Miniaturen, in denen sich der Komponist schmerzvoll an die gemeinsame Zeit mit seiner verstorbenen Tochter erinnert.

Im letzten Jahr hatte Krier unter anderem diese Reihe auf CD aufgenommen und dabei mehr als nur Hochachtung auf internationaler Ebene erfahren. In der Neuen Osnabrücker Zeitung etwa wurde sie auf eine Stufe gestellt mit dem Grandseigneur des Klavierwerks Janáceks, dem großen Rudolf Firkušný, dessen Einspielungen immer als mustergültig angesehen wurden.

Nun also Krier und in Echternach konnte man nachvollziehen, woher diese Anerkennung kommt. Der Hintergrund der Kompositionen macht die Musik hochsensibel.

Ein darüber hinweg huschen geht nicht, verbietet sich. Immer wieder paaren sich hier die Erinnerungen des Komponisten an glückliche Tage mit dem Schmerz, dass auf einmal nichts mehr so ist, wie es vorher einmal war. Es war faszinierend, zu erleben, wie tief sich Krier mit dieser Musik auseinander gesetzt hat und ihre Zuhörer an ihrer Sicht der Dinge teilhaben ließ.

Überhaupt scheint Krier ein besonderes Verhältnis zur Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts zu haben, denn auch der Auftakt des Abends, die Klaviersonate Opus 1 von Alban Berg wurde von ihr so gestaltet, dass es ein Erlebnis war, sie in dieser Interpretation zu hören. Dieses Konzert war ein Rezital auf sehr hohem Niveau. Ein Abend, wie man in von Echternach gewohnt ist. Ein Abend, der nachklingt.
Das nächste Konzert des Festivals findet am Mittwoch, den 21. Mai um 20.00 ebenfalls im Trifolion statt. Der Flötist Emmanuel Pahud und Khatia Buniatishvili (Klavier) spielen dann Werke der Romantik.