LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Im Lux Future Lab mitten in der Stadt werden aus Start-ups Unternehmen

Hubert Schumacher ist seit zwei Jahren Chef von q-leap. Der Luxemburger hat das Unternehmen zur Sicherung der Qualität von Informatikprogrammen vor zwei Jahren gegründet. „Jetzt haben wir schon elf Mitarbeiter. Ich weiß nicht, wie schnell wir weiter wachsen“, sagt der 48-Jährige.

Sam Gilstrap ist ebenfalls Gründer eines jungen Unternehmens. Sein Start-up namens AssetLogic kümmert sich um die Datensicherung der Fondsindustrie. Der Amerikaner ist eigens aus Kalifornien nach Luxemburg gekommen, um näher bei den Kunden aus dem Finanzbereich zu sein.

Christophe Bianco schließlich kann eine lange Erfahrung im Bereich IT-Sicherheit vorweisen. Heute schützt das von ihm gegründete Unternehmen Excellium Kunden vor Hacker-Angriffen. Der 42-jährige Franzose beschäftigt bereits 25 Mitarbeiter.

Alle drei Gründer haben die gleiche Adresse. Sie haben im Lux Future Lab gleich neben der hauptstädtischen Post Quartier bezogen. Seit 2012 bietet die BGL BNP Paribas hier 14 Start-ups einen geschützten Raum, um zu wachsen.

Karin Schintgen erklärt, warum sich eine Bank im Bereich der Unternehmensförderung engagiert. „Ab 2010 haben wir in der Bank darüber nachgedacht, wie wir das Thema soziale Verantwortung umsetzen“, erzählt die Direktorin des Future Lab, die bei der Bank verantwortlich für soziale Verantwortung und Außenbeziehungen ist. „Am Ende blieben die Themen Bildung und Unternehmertum. Das waren gleichzeitig auch die Stärken der Bank, die mit 36 Prozent Marktanteil an Kunden aus kleinen und mittleren Unternehmen sowie 11.000 Stunden Weiterbildung für die über 4.000 Mitarbeiter in Luxemburg eine gute Basis hat.“

So beschloss die BGL BNP Paribas, die ehemalige Vorstandsetage in der Rue Aldringen gleich neben dem Busbahnhof für Nachwuchstalente umzubauen. Grüne Streifen an der Wand, schwarze Teppiche und Designersessel von Le Corbusier sollen den steifen Altherren-Charme der 60er Jahre vertreiben.

Komplementär zu anderen Inkubatoren

Über die Universität Luxemburg und Kontakte nach Düsseldorf entstand das Konzept des Lux Future Lab. „Wir nehmen Unternehmen auf, die schon über den Business Plan hinaus sind und nicht in Einrichtungen wie den Technoport passen, der eher industriell und technisch ausgerichtet ist“, erklärt Schintgen. „Daher sind wir komplementär zu bestehenden Einrichtungen und arbeiten eng mit ihnen zusammen.“ Stolz ist die Direktorin darauf, dass mittlerweile rund 150 Arbeitsplätze durch die Start-ups entstanden sind. „Wir haben Bewerbungen aus Israel, Norwegen und Indien“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Wer in das Lux Future Lab will, darf einem anderen Mitglied keine Konkurrenz machen, muss eine neue Idee vorweisen und einen realistischen Business-Plan haben. Als Zugabe zum eingerichteten Büro mitten in der Stadt gibt es Hilfe beim Marketing, Zugang zum Weiterbildungsprogramm der Bank, Mentoren und flexible Mietmöglichkeiten.

Für Hubert Schumacher, der schon Erfahrung mit der Gründung von Unternehmen wie monster.lu oder athome.lu hat, ist das Lux Future Lab ideal: „Wir können hier graduell wachsen. Das ist der größte Vorteil.“ Natürlich schätzt er auch die möblierten Büros und die Möglichkeit, Konferenzräume zu nutzen.

Der Franzose Christophe Bianco schätzt am Standort Luxemburg, dass hier IT-Sicherheit auch politisch geschützt wird. Er will bis auf 60 Mitarbeiter wachsen. Dem Lux Future Lab will er etwas zurück geben. „Wir werden achtwöchige Gratis-Kurse über IT-Sicherheit anbieten. Die sind dann offen für alle; vom Arbeitslosen bis zum IT-Sicherheitsbeauftragten. Ab Oktober kann man sich anmelden und im Januar geht es los“, verspricht er.

Sam Gilstrap, der eigens aus den USA nach Luxemburg gezogen ist, überzeugt ebenfalls das politische Engagement in Sachen Datensicherheit. „In den USA ist es zwar leichter, ein Unternehmen zu gründen. Aber wir haben hier unheimlich viel Hilfe gehabt. Und ich kann sogar zu Fuß zur Arbeit gehen“, freut er sich. Seine Kunden sind in der Fondsindustrie tätig. „Hier im Lux Future Lab zu sein bringt auch gute Kontakte zu anderen Unternehmen, für die wir schon gearbeitet haben. Das ist sehr hilfreich“, sagt er. Sein Unternehmen AssetLogic soll zwar auch Ableger in London und Paris erhalten. „Aber die Zentrale bleibt auf jeden Fall hier.“

Schintgen freut der Erfolg. „Luxemburger Gründungen wie diese oder auch Trendiction, das schon vierzig Mitarbeiter hat, zeigen uns, dass es die richtige Idee ist“, sagt sie. Aus dem kleinen Pilotprojekt ist mittlerweile ein Vorzeigeprojekt geworden. Ausländische Gäste kommen und die Bank selbst räumt dem Lux Future Lab mehr Platz ein. Zum Jahresende ziehen die 14 Start-ups in ein neues Domizil: Drei schöne Villen direkt neben dem Casino am Place d’Armes.

Summer School für Jugendliche

Natürlich hat die BGL BNP Paribas auch nichts dagegen, wenn aus den jetzigen Start-ups zukünftig Bankkunden werden. „Aber das ist nicht das Wichtigste“, winkt Schintgen ab. Sie sieht das Modewort von der Corporate Social Responsibility, der sozialen Verantwortung des Unternehmens, mit dem Lux Future Lab ideal umgesetzt.

Darüber hinaus bietet das Lux Future Lab noch weitere Plattformen zu den Themen Bildung und Unternehmertum. „Wir veranstalten eine Summer School für 16- bis 18-Jährige, die wir in zweiwöchigen Trainingseinheiten fit machen für unternehmerisches Denken. Daran nehmen rund fünfzig Jugendliche teil“, berichtet die Direktorin. Neben dem Programm für Start-ups gibt es auch noch ein Intrapreneurship-Programm, das sich an kreative Berufstätige wendet, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Es zieht sich über zwölf Monate und reicht vom Business Plan bis zum Investor Pitching.


www.luxfuturelab.lu