LUXEMBURG
PIERRE WELTER (FREIER JOURNALIST))

Luxemburger Grundschullehrer wegen Unzucht vor Gericht

Schweren Vorwürfen sieht sich ein Ex-Grundschullehrer gegenüber. Patrick M. (42) war seit 2001 Lehrer in einer Schule in Bissen und soll von 2003 bis 2017 insgesamt 16 Mädchen von mehr oder weniger elf Jahren dazu gebracht haben, sich auszuziehen, um sie an intimen Stellen nackt zu filmen. Dem Mann wird juristisch erschwerend vorgeworfen, die Mädchen an intimen Stellen angefasst zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Grundschullehrer sexuelle Handlungen mit Kindern vor. Darauf stehen fünf bis zehn Jahre Freiheitsstrafe und bis zu 50.000 Euro Geldstrafe.

Ein Ermittler aus Diekirch trug gestern die Fakten vor Gericht vor. Ende 2015 zeigte ein Vater den Lehrer an. Seine Tochter wolle nicht mehr in die Schule gehen. Der Ermittler berichtete, ein Mädchen von neun Jahren habe ihm erzählt, dass sie Angst vor dem Lehrer hatte. Am 12. Januar erfolgte dann die nächste Anzeige. Nach einem Schulausflug von 2009 soll der Lehrer Mädchen befohlen haben, sich nach dem Duschen nackt im Zimmer aufs Bett zu legen, er wolle sie auf Zeckenbisse untersuchen. Dabei wurde bekannt, dass der Mann die Mädchen im Genitalbereich angefasst hatte. Bei einem ähnlichen Vorfall hatte der Beschuldigte einen Film gedreht. Bereits aus Briefen von 2005 bis 2007, die einige Mädchen geschrieben hatten, geht hervor, dass sie sich über den Lehrer beschwerten. Eine heute 24 Jahre alte Frau gab zu Protokoll, dass der Beschuldigte im Schwimmbad immer den gemischten Umkleideraum aufsuchte. Er hatte ihr beim Abtrocknen geholfen. Dabei hätte sie sich unwohl gefühlt. Sie sei damals acht oder neun Jahre alt gewesen.

Der Ermittler berichtete, der Beschuldigte habe in seiner polizeilichen Vernehmung gesagt, dass „ein zweites Ich ihm befohlen habe“ die nackten Mädchen zu filmen und „es hat mich gereizt, die Mädchen so zu sehen.“ Der Beschuldigte soll ein Tagebuch über seine Taten geführt haben. Laut Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte die Aufnahme nur zu privaten Zwecken genutzt und nicht ins Internet gestellt.

Der Ex-Grundschullehrer steht aber auch wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material vor Gericht. Die Polizei hatte dieses auf diversen Datenträgern in der Wohnung entdeckt. Sichergestellt wurden sieben Filme und rund 450 Fotos, die auf einem Handy, USB, PC, CD und Diskette gespeichert sind. Dem Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft deshalb zusätzlich vor, gegen geltendes Recht von Sitte und Moral und gegen die Menschenwürde verstoßen zu haben. Darüber hinaus unterstellt sie ihm, sich die Aufnahmen der Schulmädchen angeschaut zu haben, um sich sexuell zu befriedigen.

Die Schule hatte bereits zuvor die Konsequenz gezogen und den Mann seines Amtes enthoben. Die Schulleiterin gab gestern zu Protokoll, dass es Eltern gab, die sich 2015 bei ihr beschwert hatten, dass ihre Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollten. Daraufhin wurde der Mann gewarnt. Die Schulleiterin hatte im Nachhinein mit ihm gesprochen und meinte, dass der Lehrer keine reflektierte Haltung angesichts seines Benehmens zeigte. Der Mann hätte ihr lediglich gesagt „Ech verstinn dat nët, dass d’Kanner nët wëlle bäi mech an d’Schoul kommen. Ech sinn e gudde Schoulmeeschter.“ Die Schulleiterin unterrichtete die Staatsanwaltschaft. Auch ihrem Minister hätte sie Bericht erstattet. Im Gerichtssaal wurde danach ein Video unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Der Prozess wird heute fortgesetzt.