LUXEMBURG
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Gestern wurde der Europäische Tag der Justiz und der Europäische Tag der Anwälte begangen

Europa stand gestern im Zeichen der Justiz. Seit 2003 feiern die Union und der Europarat den „Europäischen Tag der Justiz“, ein Tag an dem die Bürger durch eine Reihe von Aktionen besser verstehen sollen, wie Gerichte funktionieren aber auch alle anderen Berufe, die im Justizbereich tätig sind - Staatsanwaltschaften, Anwälte, Notare und andere.

Der Rat der Europäischen Anwaltskammern (CCBE) ermutigt seine Mitglieder seit 2014 in diesem Kontext im Rahmen des „Europäischen Tages der Anwälte“ nationale Events rund um ein spezifisches Thema zu veranstalten. In diesem Jahr lautete es: „Die Bedeutung der Anwälte: Die Verteidiger der Verteidiger des Rechtsstaats“.

Auch die Luxemburger Anwaltskammer hat sich für diesen Tag etwas besonderes einfallen lassen: Gestern konnten Bürger sich nach Terminvereinbarung in einer Reihe von Anwaltskanzleien kostenlos eine halbe Stunde lang beraten lassen.

François Kremer, der Präsident der Anwaltskammer stand am morgen sogar selbst zur Verfügung, um Interessierten Rede und Antwort in Sachen Anwaltsdeontologie und Disziplinarverfahren zu stehen.

Eine abschließende Bilanz der Aktion gab es gestern noch nicht, sie soll aber in Kürze folgen. Im Rahmen des europäischen Tages der Anwälte haben wir nachgefragt, wie es um Entwicklung und Perspektiven des Berufs in Luxemburg steht. 

ÜBER ANWALTSHONORARE

Keine vorgeschriebene Tabelle, aber...

In Luxemburg gibt es zwar keine vorgeschriebene Honorartabelle für Rechtsanwälte, allerdings erfolgt die Festsetzung der Honorare anhand bestimmter Kriterien, die je nach Situation unterschiedlich ausfallen. Die Einforderung des Honorars erfolgt in Form einer Rechnung, die der Rechtsanwalt seinem Mandanten bei Abschluss des Falls zukommen lässt. Die Honorarrechnung enthält ebenfalls einen Teil für die von der Anwaltskanzlei verauslagten Kosten.

Zu den Kriterien für Honorare: Ein Anwalt muss die einzelnen Elemente des Falls berücksichtigen; das heißt etwa die eigene Verantwortung je nach Streitwert. Ein Fall, bei dem es um 500 Euro geht, ist nicht gleichzusetzen mit einem Fall, bei dem es um 500.000 Euro geht. Weitere Kriterien sind die Komplexität des Rechtsstreits - was komplexer, was mehr Arbeit investiert werden muss. Die finanziellen Möglichkeiten des Mandanten müssen ebenfalls in Betracht gezogen werden. Die Anwaltskammer fügt für die Honorarberechnung auch die berufliche Erfahrung des Anwalts und seinen Bekanntheitsgrad an. Im Hinterkopf zu behalten ist natürlich, dass der Anwalt keine Erfolgspflicht hat. Er kann nie den Ausgang eines Verfahrens voraussehen.

Aufgrund der vorgenannten Kriterien legt der Anwalt meistens einen Stundensatz fest, den er für einen bestimmten Fall in Rechnung stellen möchte und den er seinem Mandanten zu Beginn seines Mandats mitteilt.

Neben der Vergütung für die eigentliche Arbeit enthält die Honorarrechnung in der Regel einen Teil für die von der Kanzlei verauslagten Kosten. Das Honorar kann aber auch vertraglich vereinbart werden. Ist der Mandant nicht mit der Rechnung einverstanden, kann er sich übrigens bei der Anwaltskammer beschweren.

Mehr dazu: www.barreau.lu, guichet.public.lu, Rubrik Bürgerangelegenheiten - Rechtswege und Lösung von Rechtsstreitigkeiten
DIE MISSION DES ANWALTS

Beraten und verteidigen

Der Anwalt arbeitet im juristischen Bereich in den Grenzen des Mandats, das sein Klient ihm anvertraut. Aufgrund seiner Ausbildung und seiner Erfahrung kann er in allen Rechtsfragen konsultiert und aktiv werden. Wie es auf der Webseite der Anwaltskammer heißt, drängt die wachsende Komplexität des Rechts die meisten Anwälte in die Spezialisierung.

Der Anwalt ist nicht nur der Verteidiger seines Mandanten vor Gericht: Er berät ihn auch, um ihm die notwendigen Elemente für eine Entscheidungsfindung oder auch die Elemente zugunsten des Anliegens des Klienten zu vermitteln. Anwälte können aber auch von mehreren Parteien angerufen werden, um eine Akte oder eine Transaktion vorzubereiten. Anwälte können auch als Verwahrer fungieren oder die Domizilierung von Gesellschaften ausführen.

Um ins Register der Anwaltskammer aufgenommen zu werden und also zur Ausübung des Berufs befähigt zu sein, muss der Kandidat erstens seine berufliche Kompetenz beweisen und zweitens seine Ehrbarkeit. In punkto Kompetenzen muss er ein Diplom einer Rechtsfakultät vorweisen können, das Universitätsstudien von mindestens fünf Jahren aufweist. Die Anwaltskammer prüft die Kandidatur eingehend. Anwaltsanwärter müssen zunächst das Zertifikat für Zusatzstudien im Luxemburger Recht erlangen und anschließend ein Praktikum von zwei Jahren absolvieren. So lernen sie das Metier kennen. Am Ende müssen sie sich einem Abschlussexamen stellen.
 
Mehr: www.barreau.lu
RAT DER EUROPÄISCHEN ANWALTSCHAFTEN (CCBE)

Repräsentiert die Interessen von über einer Million Anwälte

Der 1960 gegründete Rat der Europäischen Anwaltschaften (Council of Bars and Law Societies of Europe, CCBE) repräsentiert eigenen Angaben zufolge, über ihre Mitglieder, über eine Million europäische Anwälte. Anwaltskammern aus 45 Staaten aus der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum und darüber hinaus sind in der Organisation mit Sitz in Brüssel vertreten. Im Detail zählt die Vereinigung der europäischen Rechtsanwaltskammern 32 Vollmitglieder, darunter Luxemburg, drei assoziierte Mitglieder (Montenegro, Serbien, Türkei) und weitere zehn mit Beobachterstatus (Albanien, Russland, Georgien, Ukraine,…). Eigenen Angaben zufolge repräsentiert der CCBE die Interessen der vielen Anwaltskammern im Verhältnis zu europäischen und internationalen Institutionen. Zwei Texte sind für den CCBE von besonderer Bedeutung: Die im November 2006 verabschiedete Charta mit zehn Grundprinzipien sowie die ursprünglich auf das Jahr 1988 zurückgehenden Berufsregeln der europäischen Rechtsanwälte. Diese Berufsregeln sind für alle Mitgliedskammern bindend.
Mehr: www.ccbe.eu
Zusammensetzung und Missionen

Aufgaben des „Conseil de l’Ordre“ der Anwaltskammer

Der für zwei Jahre gewählte „Conseil de l’Ordre“ der Anwaltskammer besteht aus maximal 15 Mitgliedern, den Vorsitz der Anwaltskammer („bâtonnier“) hat seit dem 15. September François Kremer inne, der François Prum ablöst. Zur „Vice-Bâtonnière“ wurde Valérie Dupong gewählt; Mitglieder sind Audrey Bertolotti, Marianne Decker, Marc Feider, Katia Gauzès-Philip, Herve Hansen, Mathilde Lattard, Robert Loos, Paulo Lopes da Silva, Brice Olinger, Nathalie Prum-Carré, Henry de Ron, und Nicolas Thieltgen.

Die Aufgabe des „Bâtonnier“ besteht darin, zwischen dem Anwälten zu vermitteln, sollte es zu Unstimmigkeiten oder Interessenkonflikten kommen.

Der „Conseil de l’Ordre“ ist auch das verantwortliche Organ, das sich um die Einhaltung der Gesetzgebung im Umgang mit der Bekämpfung von Weißwaschen von Geldern und der Bekämpfung des Terrorismus befasst.