NIC. DICKEN

„Gecke sin och Leit, just e bëssen anescht wéi déi aner.“ Nicht alle in der Geschichte gewachsenen Sprichwörter treffen derart präzise und mit einem kleinen Augenzwinkern den Punkt. „Geckeges“, also närrisches, Benehmen wird in diesen tollen Tagen des Jahres, besonders bei unseren deutschen Nachbarn, mit einem wohlwollenden Verständnis zwar akzeptiert, wäre allerdings als dauernde Einstellung das Jahr hindurch nur bedingt konsensfähig.

Umso verwunderlicher, dass gerade in Bereichen, in denen Seriosität und von der Vernunft geleitete Aussagen und Handlungen die Norm sein sollten, wie etwa Politik oder Wirtschaft, das ganze Jahr über schwerste Verstöße gegen das (ungeschriebene) Gesetz der Seriositätspflicht festgestellt werden müssen. Auch auf diesen Gebieten beschränkt sich die Narretei keineswegs auf einige tolle Tage, sondern sorgt zu allen Jahreszeiten eher für Befremden über Patzer und verbale Eigentore, die im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben und verständnisloses Kopfschütteln hervorrufen.

Über ein Jahr hinweg hat man sich jetzt bei einem gewissen D. J. T. daran gewöhnen müssen, dass, anders als es bisher empirisch empfunden wurde, der Verstand keineswegs mit dem Amt wächst, sondern offenbar eher zu immer größerem Fehlverhalten verleitet wird. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass der Oberbefehlshaber der größten Weltmacht sich wie ein Tollhausinsasse gebärdet, scheint er zudem immer mehr Nachahmer zu finden, die sich einen Dreck darum scheren, was sie mit ihrem Tun und Reden anrichten. Seit Jahren schon halten uns höchstbezahlte Konzernleiter der Autoindustrie mit ihrem genau so würde- wie verantwortungslosen Herumeiern regelrecht zum Narren, was allerdings weniger Belustigung als vielmehr zunehmende Verärgerung bewirkt. Eher zum Weinen als zum Lachen ist der Selbstzerfleischungsprozess, den sich im Nachbarland die SPD derzeit leistet mit dem unwürdigem Gerangel und Geschacher um Ministerposten.

Zu selten lustigen, dafür umso unverschämteren Späßen findet sich das ganze Jahr über ein CSV-Präsident berufen, der mit der Rolle des erwarteten/erhofften Wahltriumphators eher überfordert zu sein scheint. Wobei zu bemerken bleibt, dass Scharmützelchen, wie man sie sich im Regierungslager regelmäßig leisten zu können glaubt - zuletzt mit der Joghurtfabrik - , nicht unbedingt als vergnügungssteuerpflichtig zu gelten haben.

Den echten, den feinsinnigen und geistreichen Humor sucht man immer öfter vergeblich, auch in der so genannten närrischen Zeit, die von der brachialen Gewalt der organisierten Lustigkeit geradezu erschlagen wird. Nur wer genau so über sich selbst lachen kann wie über die Missgeschicke der anderen, kann es in die Oberliga des Humors schaffen und das Lachen als Befreiung und Heilmittel empfinden.

Eigentlich schade, dass der wahre Humor im Dschungel der schamlosen Selbstüberschätzung immer mehr zu ersticken droht.