LUXEMBURG/STOCKHOLM
CORDELIA CHATON

Kleos Space aus Luxemburg hat einen Kaufvertrag über 2,42 Millionen Euro mit dem dänischen GomSpace unterzeichnet - Privatsektor löst öffentlichen immer mehr ab

Der Satellitenbetreiber Kleos, der erst im vergangenen Jahr in Luxemburg gegründet wurde, hat den Kauf von Nanosatelliten vom dänischen Hersteller GomSpace bekannt gegeben. Der Kaufpreis liegt bei 2,42 Millionen Euro. Kleos Space ist eine hundertprozentige Tochter der seit 13 Jahren existierenden Magna Parva Limited, einem Unternehmen für Raumfahrttechnologie aus dem Vereinigten Königreich. Beteiligt an Kleos Space sind auch das britische Verteidigungsministerium, die Europäische Weltraumagentur (ESA) sowie die britische Weltraumagentur.

Die Nanosatelliten sollen im zweiten Quartal 2019 geliefert werden. Kleos Space hatte bereits im März diesen Jahres bekannt gegeben, dass es mit GomSpace zusammen arbeiten will. Darüber hinaus teilte es schon zu Jahresbeginn mit, dass es an die Börse in Australien will, um sieben Millionen Euro aufzunehmen. Der Start ist imminent. Kleos Space will über Satelliten funkbasierte Geolokalisierungsdaten anbieten, die vor allem Regierungen interessieren dürften, die bereits jetzt zu den Kunden gehören. Bis Mitte 2019 sollen rund 20 Satellitensysteme arbeiten.

Ziel ist beispielsweise der Grenzschutz, Verteidigung, maritime Sicherheit und Schutz sensibler Orte, aber auch eine nachhaltige Fischerei durch Überwachung der Schiffe und der Fanggründe. Nach den kommerziellen Satelliten sollen Produktionssatelliten folgen, die unter anderem Antennen für Satellitenausleger produzieren sollen. Ziel ist eine hohe Datengenauigkeit.

Forschung und Entwicklung sollen weiter hier in Luxemburg am Sitz des Unternehmens im Technoport in Belval bleiben. Kleos Space ist Mitglied der Spaceresources-Initiative. Vor fast genau einem Jahr hatten Kleos Space sàrl und die luxemburgische Regierung eine Absichtserklärung als Grundlage der Zusammenarbeit innerhalb der Initiative unterzeichnet.

Verschiebungen im Geschäft

Der Hintergrund dieses zunächst sehr groß anmutenden Deals sind Verschiebungen im Satelliten- und Sicherheitsgeschäft vom öffentlichen Sektor hin zum privaten. Waren es früher vor allem NASA und ESA, die unter großer Geheimhaltung forschten, kamen dann Unternehmen wie der Mutterkonzern von Kleos Space. Und jetzt Ableger, die sich zunehmend rein privatwirtschaftlich finanzieren wollen. Schon jetzt stellt sich die NASA die Frage, welchen Wert Daten von Nano- und kleinen Satelliten für Regierungen haben, wie sie sich nutzen und auswerten lassen im Sinne von Forschung und allgemeinem Interesse. Das geschieht in vielen Ländern vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte.

Dabei wird die Technik immer ausgefeilter. Während einige Satellitenanbieter von mit dem „Automatic Identification System“ (AIS) arbeiten, das Schiffe senden, um sie bei erlaubtem Fischen zu überwachen, lehnen andere das ab. Denn das AIS lässt sich im Schiff abstellen und ermöglicht Geisterschiffen illegale Aktionen. Kleos Space hingegen nutzt auch andere Daten vom GPS über Funkaktivitäten bis hin zu lokalen Netzwerken. Die Datenmengen steigen, die Übertragung wird schneller und es gibt mehr Informationen. Laut einem Bericht von Morgan Stanley findet jetzt rund 14 Prozent der Erdbeobachtung durch private Unternehmen statt. Die australische Regierung hat vor kurzem entschieden, rund 500 Millionen Australische Dollar (rund 326 Millionen Euro) zu investieren, um das satellitenbasierte Überwachungssystem des Landes zu verbessern. Die EU-Kommission wiederum will bis 2020 rund 590 Millionen Euro für einen EU-Verteidigungsfonds bereit stellen, danach mindestens 1,5 Milliarden Euro jährlich. Er könnte Investitionen von 5,5 Milliarden Euro pro Jahr generieren. Die ESA investiert jährlich rund 1,45 Milliarden Euro in Satellitenüberwachung, mehr als ein Viertel ihres Budgets.