EHNEN
PATRICK WELTER

Neujahrsempfang der „Privatwënzer“ - Auf dem Weg zum „Weintourismus“

Gestern Abend traf sich die „ganze Mosel“ in der neuen Probierstube des Weingutes Kohll-Leuck in Ehnen. Gleich drei Minister, fast alle Abgeordneten aus dem Luxemburger Osten und etliche Bürgermeister waren der Einladung des Verbands der Privatwinzer zum Neujahrsempfang gefolgt.

Ern Schumacher, der langjährige Präsident der „Privatwënzer“, betonte, dass man mit Absicht die neuen Räume von Kohll-Leuck für den Neujahrsempfang gewählt hat. Probierstuben gelten als wichtige Bausteine für einen funktionierenden Weintourismus. Schumacher begrüßte Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider (LSAP) in seinem neu-alten Amt und erinnerte daran, dass man schon in der vorletzten Legislaturperiode gut mit Schneider zusammengearbeitet hat. Gleichzeitig dankte der Privatwinzer-Präsident dem bisherigen Minister Fernand Etgen (DP) für seine Arbeit in den letzten fünf Jahren. Er hoffe, so Schumacher, dass Etgen als neuer Parlamentspräsident bald wieder seinen Weg an die Mosel finden wird.

Als positiv wertet er auch, dass der neue Minister für Tourismus, Lex Delles (DP) von der Mosel kommt, und als ehemaliger Mondorfer Bürgermeister die Verhältnisse in der Weinbaugegend gut kennt und sich für eine Förderung des Weintourismus stark macht.

Heute keine Weinbaupolitik?

Schumacher, als sehr meinungsstark bekannt, sorgte für eine gewisse Überraschung unter den Gästen, als er nach seiner Begrüßung bekannte: „Wir wollen heute keine Weinbaupolitik machen!“ Der Abend solle eher dem Wein und einem gemütlichen Zusammensein dienen. Mit knackigen Aussagen darf dann spätestens bei der Generalversammlung der „Privatwënzer“ gerechnet werden.

Romain Schneider: Politische Kontinuität beim Wein

Für den politischen Ton sorgte dann aber noch Landwirtschafts- und Weinbauminister Schneider, der ebenfalls von Schumachers Aussage „keine Weinbaupolitik“ überrascht war. Er freue sich, in dieses Amt zurückgekehrt zu sein, Weinbauminister sei eine besondere Aufgabe.

Er werde, wie in seiner ersten Amtszeit, mit allen Partnern an der Mosel eng zusammenarbeiten. Der bisherige Minister Fernand Etgen habe die Kontinuität bei der Unterstützung des Weinbaus fortgeführt und eine exzellente Basis für die nächsten Jahre gelegt, um auf ein sich veränderndes Umfeld vorbereitet zu sein.

Beste Startbedingungen

Schneider meinte, dass er mit zwei positiven Umständen in seine Amtszeit starten könne, zu denen er gar nichts beigetragen habe. Da seien zum einen die neue erfolgreiche Weinvermarktungsstrategie und zum anderen der in Qualität und Quantität hervorragende Weinjahrgang 2018. Gleiches wünsche er sich auch für das Weinjahr 2019.

Drei-Säulen-Strategie

Im Regierungsprogramm für die gerade begonnene Legislaturperiode gebe es eine Reihe neuer Impulse für Landwirtschaft und Weinbau. Schneider nannte die drei klassischen Pfeiler der Lissabon-Strategie - ohne das Wort in den Mund zu nehmen - Ökonomie, Ökologie und Soziales als Basis einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik. Wobei er beim Stichwort „Soziales“ deutlicher wurde und von einem fairen Einkommen für Landwirte, einer Überprüfung der
Arbeitsbedingungen, der Frage nach den Pensionen der Winzer und dem Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen sprach. In Sachen Ökologie kündigte er den Ausstieg aus dem Pflanzenschutzmittel „Glyphosat“ bis Ende 2020 an.

Wein ist ein Teil des „Nation Branding“

Die Struktur der Weinbaupolitik müsse so flexibel bleiben, um auch auf nationaler Ebene auf Krisen reagieren zu können. Soll heißen: Nicht alles kann von Brüssel geregelt werden.

Wenn es hart auf hart kommt, wollen wir selbst etwas machen können.

Romain Schneider stuft den luxemburgischen Wein als wichtigen Bestandteil des „Nation Branding“ ein, Wein als Botschafter Luxemburgs.

Die Probierstube des Weingutes Kohll-Leuck, zum Teil mit öffentlichen Mitteln gefördert, ist für Schneider ein positives Beispiel auf dem Weg zum einem funktionierendem Weintourismus.

An Tourismusminister Lex Delles gewandt, betonte er auch die Bedeutung des projektierten „Centre Mosellan“ in Ehnen für Weinbau und Tourismus.

Delles: „Centre Mosellan“ ist nicht aufzuhalten

Delles bestätigte auf Nachfrage dem „Journal“ gegenüber, dass das Bauvorhaben „Centre Mosellan“, wo die Grundsteinlegung im letzten Jahr erfolgte, läuft und „nicht mehr aufzuhalten ist.“

Für den Minister ist die Mosel ein ganz wichtiger Bestandteil des luxemburgischen Tourismus und der luxemburgische Qualitätswein sei dabei ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche Vermarktung.