COLCA CANYON/PERU
SIMONE MOLITOR

Peru abseits der Inka-Kultur: durch den faszinierenden Colca Canyon bis zum Titicacasee

Machu Picchu steht natürlich an oberster Stelle, gefolgt von zahlreichen anderen Zeugnissen der Inka-Kultur. Es gibt derweil viele weitere Gründe, warum eine Reise nach Peru lohnt. Die Hauptstadt Lima gehört eindeutig nicht dazu: hässlich, hektisch, laut und kaum Sehenswürdigkeiten, die einen längeren Aufenthalt rechtfertigen würden. Ein Tag reicht völlig für einen Spaziergang durchs historische Viertel, die Besichtigung der Katakomben im „Monasterio San Francisco“ mit Tausenden, teils skurril angeordneten menschlichen Knochen, und einen Abstecher in den geschäftigen „Mercado Central“.

Die Stadt Arequipa mit ihren prachtvollen, weißen Kolonialbauten und barocken Kirchen kann schon eher punkten. Im Jahr 2000 wurde sie in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen und dient dem Großteil der Peru-Besucher als Zwischenetappe, um sich an die Höhe zu gewöhnen, die manch einem bereits hier auf 2.353 m doch zu schaffen macht. Die „weiße Stadt“, umgeben von drei mächtigen, schneebedeckten Vulkanen, ist gleichzeitig der Ausgangspunkt für einen Besuch des Colca Canyon; dem zweittiefsten Südamerikas und definitiv eine der atemberaubendsten natürlichen Sehenswürdigkeiten Perus.

Wo der Weg das Ziel ist

Zwei Tage nimmt unsere Tour im Mini-Bus durch die karge, aber atemberaubende Anden-Landschaft von Arequipa bis nach Puno am Ufer des Titicacasees in Anspruch. Unterwegs kauen wir schon mal vorsorglich Cocablätter gegen die Höhenkrankheit, bis die Zunge taub wird und kribbelt. Kopfschmerzen und ein leicht schwindeliges Gefühl bleiben dennoch nicht aus, je näher wir der Sonne kommen. Der ständige Blick aus dem Fenster auf die sich verändernde Vegetation ist die Strapazen allerdings wert. Als wir die erste Herde wilder Vicuñas - die „kleinen Kamele“ der Anden - beim Grasen am Straßenrand erblicken, können wir ein erfreutes Jauchzen natürlich nicht unterdrücken. An der unendlichen Weite, den bizarren Sandstein-Formationen und den feuchten Hochmooren kann man sich fast nicht satt sehen, ganz zu schweigen von der herrlichen Aussicht, die uns hoch oben auf 4.910 Höhenmetern mitten im Schnee auf dem Patapampa Pass erwartet, das Ganze unter sengender Sonne mit Blick auf die 6.000 Meter hohen, teils qualmenden Vulkane im Hintergrund.

Bunte Mützen und Pullover aus Lama- oder Alpaka-Wolle

Immer wieder machen wir auf unserer kurvigen Fahrt durch die karge Hochlandschaft halt, um die Aussicht zu genießen. Natürlich sind wir nicht die einzigen Touristen, die an diesem Tag unterwegs sind, immerhin gilt die Strecke als eines der Highlights einer jeden Peru-Reise. So verwundert es auch nicht, dass überall dort, wo sich ein Zwischenstopp anbietet, traditionell gekleidete Einheimische an Ständen Souvenirs jeder Art, insbesondere aber bunte Mützen, Schals und Pullover aus Lama- oder Alpaka-Wolle verkaufen. Aufdringlich sind sie nicht, ganz im Gegenteil haben wir die Peruaner als sehr freundliches Volk erlebt. Selbst die Kinder helfen mit und lachen für ein paar peruanische Sol fröhlich in die Kamera. Ein noch beliebteres Fotomotiv, ebenfalls gegen ein kleines Entgelt selbstverständlich, sind allerdings die süßen Baby-Alpakas, die ebenfalls ständig zu lächeln scheinen.

Treffen auf den König der Anden

Wir übernachten in dem Städtchen Chivay auf 3.650 Höhenmetern am Río Colca, um am nächsten Morgen gleich bei Sonnenaufgang die bis zu 1.200 Meter tiefe Felsschlucht des Colca Canyon anzusteuern. Vorbei an unzähligen Terrassenanlagen, die, wie uns erzählt wird, bereits vor der Zeit der Inka angelegt wurden - nicht wenige davon werden übrigens immer noch bewirtschaftet -, erreichen wir schließlich in der Morgensonne den Aussichtspunkt „Cruz del Cóndor“. Am Rand der mächtigen Schlucht lassen sich majestätische Kondore beobachten, die kreisend durch die Lüfte gleiten. Der riesige Raubvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,20 Metern - der größte der Erde - gilt als König der Anden. Beinahe möchten wir uns vor diesem schwarz gefiederten Tier mit seiner weißen Halskrause ehrfürchtig verneigen.

Als die Sonne bereits untergegangen ist, erreichen wir unser Hotel am Ufer des Titicacasees in Puno. Wie tiefblau und kristallklar sein Wasser ist, werden wir erst am nächsten Morgen mit eigenen Augen sehen. Noch mehr atemberaubende Eindrücke hätten wir nach dieser intensiven Tour wahrscheinlich ohnehin nicht verkraftet.

Den Reisebericht zur Machu-Picchu-Etappe können Sie unter tinyurl.com/InkaSpuren nachlesen