BARTRINGEN
INGO ZWANK

Naturschutzsyndikat Sicona legt neues Feuchtgebiet entlang der Petruss an

Begradigte, tiefergelegte Bäche und ihre umliegenden Wiesenflächen bieten heute kaum mehr einen natürlichen Hochwasserschutz. Um sich dem natürlichen Zustand wieder anzunähern, hat das Naturschutzsyndikat Sicona („Syndicat intercommunal pour la conservation de la nature“) für die Gemeinde Bartringen entlang der Petruss eine Bach- und Wiesenrenaturierung vorgenommen und ein neues Feuchtgebiet geschaffen. So entsteht dort gleichzeitig eine neue Heimat für bedrohte Tiere und Pflanzen. Die Fläche befindet sich in der Natura2000-Zone Bartringen-Gréivelserhaff/Boufferterhaff und wurde von der Gemeinde im Rahmen des LIFE-Grassland-Projekts gekauft. „Vor dem menschlichen Eingreifen in die Natur boten Bäche und ihre angrenzenden Flächen einen natürlichen Hochwasserschutz“, führte Frank Sowa von Sicona aus. Bei starken Regenfällen trat das Wasser über die Ufer, überschwemmte die umliegenden Wiesen und wurde dort von den Unebenheiten im Boden aufgefangen. Dieser Schutz ging durch die vom Menschen geschaffenen künstlichen Begradigungen verloren. So auch in dem Natura2000-Gebiet in Bartringen. „Und wenn etwas verloren gegangen ist, dann ist die Wiederbeschaffung oder wie hier die Wiederherstellung ab und an eine teure Sache“, wie die Verantwortlichen resümierten.

Bach mit Totholz bestückt

So wurde auf der rund 25 Ar großen Wiese auf knapp sieben Ar Boden abgetragen und mehrere Senken angelegt. „In den beiden höher gelegenen Senken soll sich vor allem Regenwasser sammeln“, wie Sowa ausführte. Auf dem nährstoffarmen Boden können sich zudem seltene Pflanzenformen wie etwa das bedrohte Pfeifengras ansiedeln. Ein kleiner Wall am Ende des Feuchtgebietes verhindert, dass die benachbarten bachabwärts gelegenen Parzellen mit überflutet werden. Im Bach selbst wurde auf einer Länge von knapp 50 Metern Totholz eingebaut, um die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren und eine natürliche Entwicklung des Bachverlaufs einzuleiten. Am 1. Juni 2014 startete das vom Sicona initiierte LIFE-Projekt „Schutz und Management von artenreichem Grünland durch lokale Behörden“ in 15 Mitgliedsgemeinden des Sicona-Centre und Sicona-Ouest.

Das Projekt

Zielsetzung des Projektes ist die Sicherung und ökologische Optimierung von 46,5 Hektar artenreichem Grünlands in 15 Natura2000-Gebieten bis zum 1. Juni 2020. Insbesondere zielt das Projekt auf den Erhalt und die Wiederherstellung bedrohter Offenlandhabitate (Kalkhalbtrockenrasen, Pfeifengraswiesen, Mädesüß-Hochstaudenfluren, Magere Mähwiesen, Zwischenmoore) und die Förderung von bedrohten Tierarten (Gelbbauchunke, Kammmolch, Wimperfledermaus, Baumpieper, Gartenrotschwanz und Heidelerche) ab. Der Großteil der Flächen soll auch weiterhin einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen. Aber auch ein wissenschaftliches Monitoring der betroffenen Flächen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit über Naturschutzthemen sind Teil des Projektes, das sich auf insgesamt 2.529.816 Euro beläuft. 50 Prozent dieser Summe werden von der EU getragen, 25 Prozent vom Staat Luxemburg. Die übrigen 25 Prozent werden von den teilnehmenden Gemeinden (Beckerich, Bartringen, Differdingen, Dippach, Feulen, Käerjeng, Kayl, Kehlen, Koerich, Kopstal, Petingen, Reckingen-Mess, Redingen/Attert, Sassenheim, Schifflingen) übernommen.

www.sicona.lu