PARIS
CATHERINE NOYER

Die Pariser Prêt-à-Porter-Schauen zeigten, was im Frühjahr und Sommer 2020 angesagt ist

75 Modehäuser kamen zum Pariser Rendezvous der Modewoche. Sie alle zeigten, was im nächsten Frühjahr und Sommer Trend ist. Wir haben einigen Couturehäusern über die Schulter geschaut und präsentieren die Trends.

Leicht und frei gibt sich die von Virginie Viard kreierte Chanel-Kollektion. Die künstlerische Leiterin der Modekollektionen setzt bewußt auf schwebende, tänzerische Silhouetten, zu denen elegante Sandalen getragen werden. Die Stoffe sind weich, engen nicht ein. Kurze Röcke und Westen mit Volants interpretieren das Tweedkostüm neu. Die maskuline Tweedweste wird mit Shorts zum Overall gestylt.
Die Stoffe sind transparent, Satin und Organza sind im Spiel. Übereinander drapierte Stoffbahnen und aufwendige Stickereien zeigen, welche Arbeit hinter der Gestaltung der Kleider steckt. Streifen, Karos, farbige Applikationen in Rot, Orange, Rosé oder Blau setzen Lichter in die emblematische Schwarz-Weiß-Kollektion des Hauses.

Zurück zu den Wurzeln der Gesellschaft einer neuen Belle Epoque will Louis Vuitton, wie eine Hommage an die lebensfrohe Zeit, in der Paris eine verzauberte Stadt war. Zurück auch zum Kleiderprotokoll, einem Dandystil in dem verschiedene Genres vermischt werden. Eine neue Idee der Romantik oder des Jugendstils wird mit der Kleidung umgesetzt. Designer Nicolas Ghesquière übernimmt die eigene Geschichte des Hauses Vuitton und verbindet zwei Anfänge eines Jahrhunderts, wobei sich der Beginn des 21. Jahrhunderts an den des 20. erinnern will.

Seiner Schwester Catherine widmete Christian Dior 1947 sein Parfüm „Miss Dior“. Nicht nur das Parfüm, sondern auch Catherine Dior wurde zur Legende. Ihre Liebe zu Blumen und Gärten, die sie auch zu ihrem Beruf machte, waren für Maria Grazia Chiuri Inspiration für die Frühjahr-Sommer-Kollektion 2020.

Die Dior Designerin wendet sich mit ihren Kreationen an eine unabhängige, freie Frau, die mit der Natur und den Jahreszeiten harmoniert. „Als ich mit der Kollektion begann, dachte ich an eine der Hauptinspirationen von Christian Dior, nämlich die Gärten, die seine Schwester Catherine bewirtschaftete und zum Blühen brachte“, erklärt die künstlerische Leiterin. Die Kollektion ist dem Respekt des Lebens und dem Naturschutz gewidmet und soll die Bedeutung des Pflanzenschutzes untermalen.

Kombination von Leder, Organza und Denim

Hermès-Designerin Nadège Vanhee-Cybulski  hat die aktuelle Mode auf die Grundlagen des Handwerks ausgerichtet. So war die Lederschürze der Handwerker in der Sattlerei die Basisstruktur für die Kollektion. Die Kleider zeigen sich grafisch-minimalistisch wie in den 90er Jahren. Locker fallende Tuniken über Hosen sind genauso präsent wie enge Ledertops mit breiten Bändern im Rücken. Das Leder, für das Hermès bekannt ist, erhält eine leichte, lockere Note, wird auch mit feinem Organza und Denim kombiniert. Schmal geschnittene Mäntel und Hosenanzüge sind für die Working Woman gedacht, in Luxusausgabe – wie man es von einem solchen Haus erwartet.

Louise Trotter, künstlerische Leiterin von Lacoste, entführt mit ihrer Frühjahr-Sommer-Kollektion nach Roland Garros, der spirituellen Wiege des französischen Tennis und Spielfeld von René Lacoste. Die Tennis- und Golfklassiker werden neu aufgelegt, in Erinnerung an John F. Kennedy Jr. der in einem Lacoste- Polohemd ins Sommercamp fuhr oder René Lacoste, der sich mit Suzanne Lenglen, einer graziösen Tennisgröße, zwischen Dieppe und Deauville bewegte. Die angenehmen Proportionen der Kleidungsstücke erinnern sowohl an die ehemaligen, als auch an die Teile, die wir heute tragen. Es ist der  Schnitt, der die Sportcodes und die Eleganz von damals reflektiert.