LUXEMBURG
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Kris Clees hat sich mit seinem Projekt N·B·E selbstständig gemacht

Anfang Juli überreichte die Gemeinde Wiltz zum ersten Mal den Jugendpreis „Reenert 2019“, um die vorbildliche Arbeit junger Menschen zu valorisieren. Preisträger in der Kategorie „Natur & Ëmwelt“ ist der 26-jährige Kris Clees, der nach seinem Abitur einen Bachelor namens „Sport, Erlebnis und Bewegung“ an der Deutschen Sporthochschule in Köln absolvierte und zwischendurch auch ein Semester an der „Nippon Sports Science University“ in Tokio studierte. Später machte er dann einen Master in der „Abenteuer- und Erlebnispädagogik“ der Philipps Universität Marburg. Nach seinen Studien entschloss sich der junge Sportliebhaber dazu, sein Projekt „Natur · Beweegung · Entwécklung“, kurz N·B·E , zu gründen. Im Interview erzählt Kris, woher seine Leidenschaft für die Natur und den Sport kommt.

Welche Philosophie steckt hinter Deinem Projekt „Natur · Beweegung · Entwécklung“?

Kris Clees Wie der Name schon sagt, besteht das Ziel von N·B·E darin, diese drei Bereiche konstruktiv miteinander zu verbinden, um so eine Bandbreite an Aktivitäten und Programmen anzubieten. Die Natur als erster Grundpfeiler ist insbesondere für meine Programme relevant, als dass sie einen besonderen Lern- und Erfahrungsraum darstellt. Direkte Erfahrungen sind zum Beispiel in einem Klassenraum nur selten möglich. Der Begriff Bewegung meint natürlich einerseits die körperliche Bewegung, andererseits sollen die angebotenen Programme auch Bewegung in abstraktere Strukturen bringen. Aus alten Routinen herausbrechen und durch unbekannte Situationen Neues über sich selbst und andere in Erfahrung bringen - deshalb ist Bewegung der zweite Grundpfeiler. Kombiniert man beide Bereiche, ist es möglich wertvolle, individuelle Bildungsprozesse anzustoßen. Meine Programme und Aktivitäten sollen den Teilnehmern genug Raum bieten, um sich auf sozialer, körperlicher und psychologischer Ebene weiterzuentwickeln. Deshalb kommt der Begriff „Entwicklung“ im Namen vor.

Woher kommt Dein großes Interesse für diese drei Themen?

Kris Seit ich denken kann, habe ich mich schon für die Natur interessiert. Mit sechs Jahren habe ich mir die erste Angel gewünscht, obwohl weder meine Mutter noch mein Vater selbst geangelt haben. Aber nicht nur das Wasser, sondern auch der Wald hat mich immer sehr interessiert, sodass ich anfangs immer Förster oder Meeresbiologe werden wollte. Auch Bewegung im Sinne von Sport war stets sehr wichtig für mich. Als Kind wollte ich so sein wie Jackie Chan, und deshalb habe ich mit sechs angefangen, Judo zu machen. Mittlerweile habe ich den ersten Dan und bin seit 20 Jahren bei der Sportart geblieben. Heute spielt für mich auch der Umweltschutzaspekt eine große Rolle.

Wie sieht N·B·E in der Praxis aus?

Kris Die Programme von N·B·E orientieren sich sehr stark an den Bedürfnissen und Besonderheiten der jeweiligen Zielgruppe. Das Konzept ist so ausgelegt, dass die verschiedenen Aktivitäten immer in Zusammenarbeit mit den Institutionen ausgearbeitet werden und auch lokale Aspekte mit einbeziehen. Es gibt deshalb kein 08/15-Programm, das man mit ein paar Klicks buchen kann. Wenn die verschiedenen Institutionen wie zum Beispiel Schulen oder Firmen eine Idee haben, dann kommt es zuerst mal bei einem Vorgespräch zu einem Austausch über mögliche Aktivitäten. Prinzipiell bietet N·B·E allerdings Aktivitäten in vier verschiedenen Bereichen an: Pädagogik, Firmenbereich, Fortbildungen und Freizeit- oder Tourismusbereich. Im pädagogischen Bereich geht es vorwiegend um erlebnispädagogische Aktivitäten wie mobile Niedrigseilgarten, Kooperationsaufgaben oder Orientierungstouren, aber auch Gewaltprävention durch kampforientierte Spiele oder naturpädagogische Programme können angeboten werden. Für Firmen sind es speziell sogenannte Teambuildings oder aber Teamentwicklungs-Programme, die gebucht werden können.

Mit Deinem Projekt hast Du Dich verselbstständigt. Inwiefern war dieser Schritt notwendig?

Kris Ich bin der Meinung, dass in Luxemburg ein großer Bedarf und ein großes Entwicklungspotenzial in diesem Bereich besteht und hatte auch das Gefühl, dass ich als normaler Angestellter für einen bestehenden Träger oder eine Institution nie die gleiche Freiheit gehabt hätte, um wirklich meine Ideen umzusetzen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich nie wirklich aktiv nach einer solchen Stelle gesucht habe oder allzu schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich habe mich zum Beispiel auch gegen eine Festanstellung als Sportlehrer entschieden, weil ich das Gefühl hatte, in einem festen „System“ nicht so glücklich zu werden, besonders wenn man noch jung und voller Tatendrang ist.

Und wie lebt es sich als Selbstständiger in Luxemburg?

Kris Im Allgemeinen wird mir sehr viel Interesse von meinem Umfeld entgegengebracht, sodass man eigentlich sehr viel mit anderen Leuten über die Firma spricht. Allerdings führt das auch dazu, dass man nie wirklich abschalten kann. Der erste Schritt ist wohl der schwierigste, besonders wenn die Familie oder auch Freunde einem eher zu einem festen Job raten. In meinem Fall musste ich kein großes Startkapital mitbringen, von daher war die Anfangshürde relativ klein.

Welche Veranstaltungen finden im Rahmen von N·B·E in nächster Zukunft statt?

Kris Es sind in nächster Zeit keine öffentlichen Veranstaltungen geplant, für die man sich einfach so anmelden könnte. Einige Ideen habe ich allerdings schon für später. So möchte ich eventuell eine Wanderung durch das ganze Land organisieren oder in regelmäßigen Abständen kleinere Wanderungen in Verbindung mit dem Aufheben von Müll verbinden.


Weitere Infos unter www.nbe.lu