CANNES
CLAUS REHNIG

Die luxemburgische Koproduktion „Le Tout Nouveau Testament“ wurde in Cannes vorgestellt

Arbeitsintensiv und manchmal etwas trist, weil die Filme im Wettbewerb nicht überragend sind, ist das Festival in vollem Gang und auch Luxemburg ist nun mit dabei.

Am Wochenende gab es einen luxemburgischen Tag und dann eine schöne Überraschung, die belgisch-luxemburgische Koproduktion „Le Tout Nouveau Testament“ von Jaco Van Dormael, bisher einer der schönsten Filme, wenn auch nur in der Nebensektion „Quinzaine des Réalisateurs“.

Weitere Etappe

Am luxemburgischen Tag erklärte die Kulturministerin Maggy Nagel, dass trotz aller budgetären Einsparungen das Budget für den Film nicht zurückgeschraubt werd. Die geplanten „Assises du cinéma“, wo jeder seine Vorstellungen darlegen kann, könnten eine weitere Etappe sein, nachdem schon vieles geschafft und das Erreichte mit den Koproduktionen für ein kleines Land wie Luxemburg durchaus positiv ist. Und die Ministerin träumt davon, wie sie dem „Journal“ sagte, dass in absehbarer Zukunft einmal ein luxemburgischer Film im Wettbewerb und Luxemburg auf dem roten Teppich von Cannes Teil der „Montée des marches“ sein könne.

„Le Tout Nouveau Testament“, der zudem allseits gefiel, ist immerhin ein sehr schöner Erfolg, war sicher einer der besten hier gezeigten Filme, schon aus einem Grund: Man sieht den Film mit Vergnügen und dazu ist Kino eigentlich gemacht. Gott lebt in Brüssel und er ist ein schlimmer, missgelaunter, gewaltsamer Typ (Benoit Poolevorde), der für die Menschen negative Gesetze macht, zum Beispiel, wenn ein Brot mit Konfitüre runterfällt, muss es immer auf die Konfitüreseite fallen, dass man es nicht mehr essen kann. Die Geschichte wird von seiner Tochter erzählt, die eines Tages genug hat.

„Le Tout Nouveau Testament“ ist ein Film über Menschen und wie sie sind, der viel von Situationskomik lebt, eine schöne einfache Komödie und doch steckt viel Arbeit dahinter. Absurdität wechselt mit ernsthaften Fragen - was würde man tun, wenn man wüsste, dass man nur noch kurze Zeit zu leben hat?.

Rezept der Schaffenskraft

Der Applaus nach dem Film wollte nicht abreißen und in der Diskussion danach lieferte der Regisseur von „Toto“ und „Le Huitième Jour“, von dem man seit langem nichts mehr gesehen hatte, vielleicht ein Rezept seiner Schaffenskraft: „Ich liebe es, nichts zu tun. Ich könnte ein professioneller Nichtstuer sein. Ich verbringe mein Leben damit, Geschichten zu erzählen. Wie soll man über das Leben sprechen? Ist Filmen eine Konsolation dafür, dass das Leben keinen Sinn hat?“ Aber den Einwand „Le Tout Nouveau Testament“ sei ein Film über Religion wies Jaco Van Dormael zurück, da er selbst nicht glaube. Und er denkt beim Schreiben seiner Filme nicht an bestimmte Schauspieler, denn „quand après, ils disent non ,je suis dans la merde“. Yolande Moreau, ebenfalls ein wenig entrückt in dem Film, meinte über ihre Rolle: „J’ai quand même l’air un peu allumée, mais être la femme de Dieu, ça ne se refuse pas“.