Vermögensverwalter bei Gesellschaften, die zusammen mehr als 80 Mrd. Dollar betreuen, gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank keine negativen Einlagenzinsen einführen wird. Es gebe andere Maßnahmen, die wahrscheinlich effektiver sind, um die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln, sagen sie.
Die Renditen zweijähriger Staatspapiere von Deutschland und Finnland sind in diesem Monat gestiegen, auch wenn die Geldpolitiker darüber debattierten, welchen relativen Vorzug es hätte, den Banken Gebühren für das Parken von Geldern bei der Zentralbank zu berechnen. Theoretisch soll der „Strafzins“ die Banken dazu bringen, die Gelder als Kredit zu vergeben.
Dänemark ist derzeit das einzige Land in Europa mit einem negativen Einlagenzins. Die Zentralbank hat die Maßnahme im Juli ergriffen, um den Kapitalzustrom zu bremsen und die Anbindung der Krone an den Euro zu schützen.
Keine Hilfe für Übertragungsmechanismus der Geldpolitik
Nach Ansicht von Investec Asset Management Ltd. haben Spekulationen auf weitere Leitzinssenkungen durch die EZB die deutschen Papiere zu teuer gemacht. Frankfurt Investment Trust GmbH, Hermes Fund Managers Ltd. und Pacific Investment Management Co. sagen, negative Einlagenzinsen würden den Übertragungsmechanismus der Geldpolitik nicht reparieren.
Nachdem sie Geld in das Bankensystem gepumpt und den Leitzins auf ein rekordniedriges Niveau von 0,5 Prozent gesenkt hat, denkt die EZB über andere Maßnahmen nach, um die Konjunktur im Euroraum zu beleben. EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sagte vergangene Woche in Berlin gegenüber Journalisten, dass die Notenbanker eine „offene Diskussion“ zu dem Thema niedrigere Einlagenzinsen führten, einige dem aber offener gegenüberstünden als andere. EZB-Ratsmitglied Christian Noyer sagte Anfang der Woche, er sei vom Nutzen einer solchen Maßnahme nicht überzeugt.
„Kosten übersteigen möglichen Nutzen“
„Die Wahrscheinlichkeit, dass der Einlagenzins gesenkt wird, ist nicht sehr hoch, weil damit nicht das wirkliche Problem angegangen wird“, erklärt Werner Fey, Fondsmanager bei Frankfurt Trust Investment GmbH in Frankfurt. Denn mit einem negativen Einlagenzins könne die Tatsache, dass die Kreditnachfrage aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten schwach ist, nicht geändert werden, führte er aus.
Nach Einschätzung von Russell Silberston von Investec Asset Management in London birgt ein negativer Einlagenzins auch das Risiko, die Profitabilität der Banken zu schwächen. „Warum um alles in der Welt sollte die EZB den Einlagenzins in den negativen Bereich absenken, wenn der Bankensektor dringend rekapitalisiert werden muss?“, sagte Silberston vergangene Woche in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. „Die Kosten übersteigen bei weitem den möglichen Nutzen und die Kosten betreffen die Profitabilität des Bankensektors.“
Ein negativer Einlagenzins hätte mehr eine „kosmetische denn eine reale“ Wirkung, sagt Neil Williams, Chefökonom bei Hermes in London. Er würde kaum etwas bieten, um der Eurozone aus der Rezession zu verhelfen. Die jüngste Leitzinssenkung sei zu gering gewesen und zu spät gekommen und weitere Anreize müssten erfolgen, fügte er an.
„Eine Senkung des Einlagenzinses muss eine Option sein, weil der EZB die Optionen ausgehen“, sagt Harvinder Sian, Leitender Stratege bei der Royal Bank of Scotland Group Plc in London. Pimco und Hermes erscheinen andere Optionen effektiver.
Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte wahrscheinlicher
Angesichts der technischen Schwierigkeiten, forderungsunterlegte Wertpapiere anzukaufen und den möglichen Folgen eines negativen Einlagenzinses könnte sich die EZB dafür entscheiden, weitere längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) anzubieten, schrieb Myles Bradshaw, Fondsmanager Pimco in London in der vergangenen Woche in einer Analyse. Ein „super langes“ LTRO mit einer fünfjährigen Laufzeit oder mehrere dreijährige Kredite „wären technisch viel einfacher umzusetzen“, so Bradshaw.Bloomberg


