ECHTERNACH
INGO ZWANK

Schnüffeldienst: Auf Streife mit der Hundestaffel der „Police grand-ducale“

Marc Felten öffnet die Kofferraumtür seines Dienstkombis. Dort stehen zwei Hundetransportboxen, in einer wartet Nero, ein belgischer Schäferhund (Malinois), schon auf seinen Arbeitseinsatz. Der merkt sofort: Jetzt geht es gleich los, hat sein Herrchen doch die lange Führungsleine dabei.
Die beiden Polizeihundeführer Serge Kieffer (nach fünf Jahren Streifendienst kam er 1996 zur Hundestaffel) und Marc Felten (nach zehn Jahren auf dem Findel trat er 2012 seinen Dienst bei der Hundestaffel an) haben Nachtdienst während des Musikfestivals e-Lake in Echternach. Zusammen mit Kollegen anderer Dienststellen und auch aus Deutschland werden sie heute nicht nur nach dem Rechten, sondern auch nach Drogen Ausschau halten.

Nach einer kurzen Dienstbesprechung und der obligatorischen Begrüßung des vierbeinigen Kollegen mit ein paar Streicheleinheiten steht ein erster Rundgang an. Kaum haben die Beamten den abgesperrten Bereich für die Sicherheitskräfte verlassen, schnüffelt Nero schon an einem jungen Mann, springt etwas an ihm hoch und weicht ihm nicht mehr von der Seite.

Nach einer kurzen Belehrung gesteht der junge Mann schnell im nervösen Ton: „Ja, ich habe etwas dabei“ - und übergibt den Beamten eine kleine Plastiktüte, in der sich Gras und eine kleine Kugel befindet. Die Personalien werden aufgenommen, die Drogen konfisziert und der junge Mann für einen späteren Zeitpunkt ins provisorische Kommissariat auf dem Festivalgelände bestellt.

Ausbildung der Hunde in Luxemburg und im Ausland

Die Grundausbildung der Hunde, die durchaus um die drei Monate dauern kann, erfolgt - wie bei Nero - in Luxemburg. „Das machen wir hier selbst“, sagt Kieffer, „doch dann geht es zur weiteren Ausbildung ins Ausland wie nach Belgien.“ Die Ausbildung eines Hundes zum Polizeihund ist ab einem Alter von zwölf Monaten möglich, da kann der Veterinär sagen, ob der Hund, auch von seinem Knochenbau her, „diensttauglich“ ist. Die Luxemburger Polizei verfügt über Sprengstoffhunde, Brandmittelspürhunde oder eben auch Drogensuchhunde, aktive und passive, sowie klassische Schutzhunde. Der Luxemburger Zoll hat auch Geldmittelspürhunde im Dienst.

Nero hingegen ist ein Drogenspürhund, und zwar ein passiver. Der Rauschgiftspürhund wird an verschiedenen Grundstoffen ausgebildet: Haschisch, Marihuana, Heroin, Ecstasy, Kokain und Amphetamin. Die Hunde werden zum Aufspüren und Anzeigen von Betäubungsmitteln, Konsumutensilien wie zum Beispiel Spritzen und Verpackungen mit Anhaftungen ausgebildet. Desweiteren können sie an nicht erkennbaren Verstecken wie Holzverkleidungen, Steckdosen, Armaturen, Schläuchen, Erddepots oder anderen Stellen Anhaftungen von Rauschgiften auffinden. „Diese Hunde können selbst Rückstände von Betäubungsmitteln feststellen, die für das menschliche Auge längst nicht mehr sichtbar sind. Noch nach vielen Tagen erschnüffeln sie es“, sagt Kieffer.
Der Hund lernt, seinem Hundeführer durch ein bestimmtes Verhalten, das als Anzeigeverhalten bezeichnet wird, zu vermitteln, dass es an einem bestimmten Ort oder Versteck nach Drogen riecht. Man unterscheidet dabei ein aktives und passives Anzeigeverhalten des Hundes.

Im Training wird der Hund im Erfolgsfall sofort mit seinem Spielzeug belohnt. Im Ernstfall wird die gefundene Droge erst entfernt und dann mit seinem Spielzeug ausgetauscht.

Das Einsatzgebiet der Hunde erstreckt sich von der Suche an Objekten in und an Fahrzeugen und der Geländesuche bis hin zur Durchsuchung von Koffern und Kleidungsstücken.

Ein weiterer Vorteil des Hundeeinsatzes bildet die riesige Zeitersparnis bei der Absuche, da so bereits innerhalb kürzester Zeit sehr große Flächen abgesucht werden können. Dabei können Hunde nur auf einem speziellen Gebiet ausgebildet, also spezialisiert werden. „Würde der Hund auf Sprengstoff und Drogen trainiert werden und er etwas anzeigen, wüsste man ja nicht, was er nun anzeigt“, sagt Kieffer, wobei der Aspekt des Schutzhundes hier natürlich immer mit in die Ausbildung einfließen kann. Viele Polizeibehörden im Ausland haben auch sogenannte „Leichenspürhunde“. In Luxemburg gibt es allerdings keinen solch ausgebildeten Hund. „Wenn dies vonnöten ist, dann greifen wir auf Hunde aus dem Ausland zurück“, erklärt Kieffer.

Die Luxemburger Hundestaffel wird ebenfalls gerne von den ausländischen Kollegen angefordert, um beispielsweise bei Festivals mit den jeweiligen Kollegen aktiv zu werden.

Lëtzebuerger Journal

Verdiente Pension

Nero, der übrigens bei der Familie seines Herrchens wohnt, kann mit seinen 8,5 Jahren schon beträchtliche Erfolge aufweisen. So gelang ihm im letzten Jahr ein ganz besonderer Coup. In einem Reisekoffer eines Herrn erschnüffelte der Vierbeiner 15 Kilogramm Drogen. „Das war ein Marktwert von rund 800.000 Euro“, erzählt Felten - unter dem Strich habe Nero so in seiner Dienstzeit, die wohl im Alter von zehn Jahren den verdienten Ruhestand mit sich bringen wird, „schon Drogen im Wert einiger Häuser sichergestellt.“ Steht für einen Hund wie Nero die Pension an, „so beginnen wir etwa ein Jahr vorher mit der Ausbildung eines neuen Diensthundes.“ Und das ist gar nicht so einfach. „Der Hund muss sich natürlich für den Dienst eignen“, sagt Felten. So schauen die Beamten durchaus auch im Tierheim nach potenziellen Diensthunden. „Oder wir bekommen Hunde, die sich für den Polizeidienst eignen, von Privatpersonen.“

Keine Zwingeranlage - kein eigener Trainingsplatz

Ein großes Problem hat die Hundestaffel aber: Sie hat keinen eigene Zwingeranlage oder gar Trainingsplatz. Aktuell trainieren die Hundeführer mit ihren vierbeinigen Partnern auf dem Hundeplatz in Kehlen. Die letzte Regierung hatte bereits grünes Licht für eine eigene Zwingeranlage gegeben, doch wurde diese jetzt offenbar wieder in der untersten Verwaltungsschublade deponiert. Die CSV hat dazu kürzlich per parlamentarische Frage nachgebohrt.

Auch bei dieser Nachtschicht zeigte Nero übrigens sein Näschen: Innerhalb von nur einer halben Stunde nahmen die Beamten die Personalien von gut einem halben Dutzend Personen auf, bei denen Nero seinem Herrchen Drogen anzeigte. Die Anzeigen werden entsprechend weitergeleitet, ob es dann zu einem juristischen Fortgang kommt, können die Polizisten nicht sagen, das liegt bei der Staatsanwaltschaft.

Wobei auch an diesem Abend und in dieser Nacht eins festzustellen ist: Respekt gegenüber der Uniform ist in sehr vielen Fällen nicht mehr vorhanden, aber das ist ein anderes Gesellschaftsproblem.