CLAUDE KARGER

Heute Nachmittag beginnt, wie der „Land“-Chefredakteur am Freitag schrieb, „der größte politische Prozess seit den 1952 beendeten Kriegsverbrecher- und Kollaborationsprozessen“. Politisch ist die „Bommeleeër“-Affäre eigentlich von Anfang an. Bereits während der Attentatsserie vermuteten nicht wenige, dass irgendjemand ganz oben die Hand über die Bomber halten würde. Ganz oben in der Regierung saßen damals nun mal CSV-Politiker. Zwei CSV-Premierminister und ein ehemaliger CSV-Minister sind als Zeugen geladen. Die Verteidigung wird sie gehörig in die Mangel nehmen. Verständlich, dass die Nervosität in den christsozialen Reihen steigt. Von dort aus kommen Warnschüsse an andere Parteien.

Ende letzter Woche etwa warnte ein CSV-naher Anwalt LSAP und DP, politisches Kapital aus der Sache zu schlagen, schließlich seien sie seit den 1980ern in diversen Regierungen gewesen. Und im letzten CSV-Profil meinte der Fraktionschef, die Aufarbeitung der Vergangenheit dürfe nicht als Konsequenz haben, dass die Zukunftsgestaltung aus dem Blick gerät. Lies: Es gibt wichtigeres als die olle Kamelle „Bommeleeër“. Weshalb so nervös? Lassen wir die Justiz ihre Arbeit in aller Objektivität tun und alle Verantwortlichkeiten klären.