In Luxemburg gehören Klagen auf hohem Niveau und Probleme hochzuspielen, die es nicht wirklich gibt, zur Tradition, ja fast schon zum guten Ton. Festes Zusammenstehen und Solidarität, wie man sie bei Angriffen von außen, etwa in der Lux-Leaks-Affäre, bisweilen auch spüren kann, sind eher die Ausnahme, besonders dann, wenn es um Einflussnahme oder Pfründe geht, die man für sich verteidigen beziehungsweise anderen streitig machen will. Dass dadurch sehr oft die Wahrung und Verteidigung der gemeinsamen Interessen vergessen und untergebuttert werden, scheint nicht weiter zu stören. Hauptsache, man macht von sich reden und kann dem Rivalen oder vermeintlichen Gegner so richtig eine reinwürgen.
Zu einem Zeitpunkt, da sich das kleine Großherzogtum über die Landesgrenzen hinaus um eine Imageverbesserung bemüht, schrecken verschiedene Organisationen nicht davor zurück, wichtige und international angesehene Akteure und Institutionen madig zu machen und mit Dreck zu bewerfen. Dass mit dieser Tour unter dem Strich eher Eigentore als nachhaltige Erfolge erzielt werden, wird offenbar bewusst in Kauf genommen, solange man sich im Gefühl wähnen kann, damit dem eigenen Ego zu nutzen.
Gerade im Gewerkschaftssektor, der ja die Interessen aller Beschäftigten in besonderem Maße im Auge haben und sich deshalb dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen müsste, werden regelmäßig und ohne Rücksicht auf Verluste persönliche oder ideologische Hahnenkämpfe ausgetragen, die außer Beleidigungen und nachhaltiger Beeinträchtigung des Betriebsklimas kaum Auswirkungen nach sich ziehen. Jüngstes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der Streit bei Cargolux, wo sich die christliche Gewerkschaft gegenüber dem Rivalen OGBL neuen Zuspruch in der Belegschaft erhofft und deshalb immer gröberes Geschütz gegen eine Firmenleitung auffährt, die sich ihrerseits unter dem Druck eines immer schärferen internationalen Wettbewerbs mit ganz anderen Problemen beschäftigen muss als mit einem amorphen Gewerkschaftsstreit. Internationale Auszeichnungen, die Cargolux im Verbund mit dem effizienten Handling durch den Partner Luxair regelmäßig einfahren kann, machen eher deutlich, dass die Gesellschaft seit Jahren ordentlich und zielorientiert geführt wird und sich trotz Kostennachteilen im globalen Konkurrenzfeld behaupten kann. So falsch können vergangene und aktuelle Entscheidungen also nicht gewesen sein.
Wenig bedacht wird von Gewerkschaftsseite auch, dass dieses Gezänk grundsätzlich den von der Regierung betriebenen Bemühungen um das langfristig wichtige „nation branding“ zuwiderläuft, das für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und seiner internationalen Anerkennung eine wesentliche Basis liefern soll. Zum Bild, das Luxemburg vor der Weltöffentlichkeit entfaltet, gehört eben auch, dass die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte glaubhaft vermittelt werden und alle Beteiligten, darunter auch die Gewerkschaften, sich des wirkungsvollen Miteinanders vergangener Tage nicht zu schämen brauchen.
Ein bisschen Besinnung würde in diesem Zusammenhang niemandem schaden.


