MERTERT
CORDELIA CHATON

Luxport weitet Aktivitäten weit über Hafen hinaus aus

Lange war es still um Luxemburgs einzigen Binnenhafen in Mertert, Luxport. Seit Januar führt Jürgen Helten dort die Geschäfte. Der 57-jährige Logistikprofi hat eine Menge vor, darunter spannende Projekte aber auch eine Ausweitung der Nischen. Denn zur Luxport-Gruppe mit seinen insgesamt rund 300 Mitarbeitern gehören keineswegs nur Schiffe oder Hafenanlagen. Die rund 80 Millionen Euro Umsatz jährlich werden mit unterschiedlichen Geschäftsbereichen erwirtschaftet, die über die Jahre gewachsen sind.

Herr Helten, was wollen Sie bei Luxport bewegen?

Jürgen Helten Zunächst muss man sehen, wo wir herkommen. Luxport ist eine Gruppe, die sich über die Jahre gebildet hat, um wirtschaftliche Schwächen des einen oder anderen Sektors abzufangen. Alle sind miteinander verzahnt. Die Luxport-Gruppe vereint die Unternehmen Lorang, einem Fuhrunternehmen mit rund 120 eigenen Zugmaschinen, ThesiLux, die Strahl- und Beschichtungsarbeiten hier vor Ort und eventuell extern durchführen, MMS, den Multi Modal Shuttle, der Containerverkehr per Schiff und/oder Zug anbietet und Metz mit Antwerpen oder Dünkirchen verbindet, sowie TCT, dem Container- und Schwerlastterminal in Mertert. Ein Beispiel: Wenn wir Spundbohlen oder Stahlträger erhalten, können wir sie vor Ort schweißen und lackieren und dann selbst in ein Binnenschiff laden und europaweit verschiffen. Wir haben hier einiges vor. In diesem Jahr soll vor allem der Containerbereich ausgebaut werden. Wir können nicht nur Binnenschifffahrt anbieten, sondern durch Lorang auch das Verladen mit LKW. Wir halten eine spezialisierte Aufliegerflotte vor. Das ist eng miteinander verbunden..

Wer sind Ihre Kunden?

Helten Rund die Hälfte des Geschäfts machen wir mit der Stahlindustrie. Neben ArcelorMittal gehören auch deutsche Produzenten und Händler dazu, die unser 150.000 m² großes Freilager nutzen wollen. In unserer Logistikhalle können wir auch Lebensmittel mit besonderen Ansprüchen - beispielsweise an die Temperatur oder Sicherheit - lagern. Darüber hinaus suchen wir derzeit noch nach anderen Produkten, die wir hier umschlagen und lagern sowie verarbeiten können. Neben Massengütern wie Schrott, Dünger, Salzen oder Sand sind wir auf Metallprodukte wie Lang- oder Flachstahl spezialisiert. Im Hafen können wir mit einem unserer zwölf Kräne eine große Schiffsladung von beispielsweise 2.500 Tonnen Schrott innerhalb von 48 Stunden entladen. Der wird dann per Waggon oder Lkw in die Stahlwerke gebracht. Aber wir können auch Schwerlastgüter wie beispielsweise Betonelemente von Windkraftanlagen oder Kollis mit einem Gewicht von bis zu 130 Tonnen umschlagen. Wichtig ist uns, dass die Umschlag- und Lagergüter zueinander passen und wir keine Beschädigungen oder Kontaminierungen haben. Wir wollen uns diversifizieren und sehen uns als europaweiten Dienstleister. Daher ist es durchaus vorstellbar, dass wir unseren Logistikservice auch in Polen, Holland oder in Südeuropa anbieten. In Trier haben wir übrigens auch 35 Lkw von Lorang stehen. Dort fahren oder lagern wir vor allem Konsumgüter. In Zukunft wollen wir auch verstärkt Baustellenverkehre anbieten. Erste Spezialauflieger befinden sich bereits im Einsatz.

Vom Hafen aus?

Helten Nein, dies sind Straßentransporte. Momentan verfügen wir über eine ausreichende Anzahl von Fahrern und Disponenten sowie speziellen Fahrzeugen. Die sind gut ausgelastet und in diesem Bereich werden wir weiter investieren, beispielsweise wollen wir noch zusätzliche Auflieger anschaffen und verfügen über eine eigene Werkstatt. Darüber hinaus denken wir an die Zukunft des Transports.

Wie muss man sich das vorstellen? Doch wohl kaum elektrisch...

Helten Nein, wir prüfen, ob wir wasserstoffbetriebene Zugmaschinen anschaffen können. Da gibt es mittlerweile interessante Modelle. Und in Luxemburg wird auch eine Wasserstofftankstelle eingerichtet. Generell wollen wir alte Zugmaschinen ersetzen und neue anschaffen. Ferner wird uns die angespannte Fahrersituation noch weiter beschäftigen.

In Luxemburg wurde der CFL Multimodal in Bettemburg immer wieder herausgestellt. Ist das eine Konkurrenz oder ein Partner?

Helten Wir führen Gespräche mit CFL Cargo und anderen, denn hier bietet sich eine Zusammenarbeit an. Möglich wäre beispielsweise, dass wir gemeinsam kombinierte Schiff/Bahnmodelle entwickeln, wobei wir uns Richtung Norden und Osten konzentrieren und Bettemburg auf den Süden und Westen. Natürlich spielt der Preis auch eine Rolle und die Möglichkeiten. Die Wasserführung des Rheins kann bei Niedrigwasser Grenzen setzen. In jedem Fall kommt die Hafenverbindung Metz - Mertert - Antwerpen gut an. Wir befördern in den Containern so ziemlich alles, aber auch hier vor allem Konsumgüter.