LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Zwei unterschiedliche Filme: „Amoureux de ma femme“ und „Transit“

Der französische Schauspieler Daniel Auteuil hat sich schon dreimal als Regisseur versucht, dies mit den Verfilmungen von Marcel Pagnols „La fille du puisatier“ (2011), „Marius“ (2013) und „Fanny“ (2013). Das Drehbuch zu seiner neuen Komödie „Amoureux de ma femme“ schrieb Florian Zeller. Die deutsche Schriftstellerin Anna Seghers verfasste ihren Roman „Transit“ im Exil in Mexiko in den Jahren 1941 und 1942. Christian Petzold („Die innere Sicherheit“) verfilmte das Werk neu, verlegte die Geschichte aber ins Frankreich der Neuzeit.

Tagträumereien

In „Amoureux de ma femme“ lädt Daniel (Auteuil) seinen Freund Patrick (Gérard Depardieu) zu sich zum Essen ein, damit er dessen neue Freundin Emma (Adriana Ugarte) kennenlernt. Seine Frau Isabelle (Sandrine Kiberlain) ist aber nicht sonderlich erfreut, da Patrick mit ihrer besten Freundin verheiratet war und diese wegen der Neuen verließ. Beim ersten Anblick von Emma knallen bei Daniel die Sicherungen durch. Er stellt sich alle möglichen Situationen so vor, als wäre er bei Emma.

Die Tagträumereien von Daniel unterbrechen stets das Geschehen, und man hat oft Schwierigkeiten zu unterscheiden, ob das Gezeigte nun Daniels Wünsche sind oder die Realität. Erst zum Schluss erkennt man, dass verschiedene Ereignisse tatsächlich passiert sind, aber zeitlich gesehen nach dem Abendessen, wie die Ferien auf Ibiza oder der Theaterbesuch. Der Schluss wirkt sehr konfus, und man weiß nicht, ob sich Daniel die ganze Geschichte einfach nur ausgedacht hat, denn er, der Verleger ist, sitzt vor seinem Computer und schreibt an einem Roman. Auch wenn etliche Situationen recht witzig sind, irritiert der Schluss.

Neue Faschisten

Regisseur Petzold verlegt das Geschehen von „Transit“ aus dem Zweiten Weltkrieg ins Frankreich von heute. Deutsche Faschisten sind in Frankreich bis Lyon gekommen und säubern das Land. Der Deutsche Georg (Franz Rogowski) ist auf der Flucht - warum wird nicht gesagt - und soll in Paris zwei Briefe an den Schriftsteller Weidel übergeben, der auch flüchtig ist. Doch dieser hat Suizid begangen. Einer der Briefe ist vom mexikanischen Konsulat in Marseille und der zweite von Weidels Frau Marie (Paula Beer). Ihm gelingt die Flucht mit dem schwer verletzten Heinz (Ronald Kukulies) nach Marseille. Hier sucht er Melissa (Maryam Zarée) auf, Heinz‘ Frau, der die Reise nicht überlebt hat. Schließlich trifft er auch Marie. Er nimmt Weidels Identität an, da diesem die Ausreise nach Mexiko gewährt wurde.

Immer wieder liest eine voice-over-Stimme Passagen aus dem Buch vor, die viele Ungereimtheiten zwar erklären, aber vieles offen lassen, wie etwa, warum die französische Polizei die Flüchtigen jagt, was, weil es unerklärt bleibt, recht dämlich und unlogisch wirkt. Petzold wollte wahrscheinlich die Situation vor über 70 Jahren mit der heutigen vergleichen, wo auch Leute auf der Flucht sind. Diese Idee entpuppt sich aber nach etwas Laufzeit als zu unpräzise und ebenfalls nicht wirklich glaubhaft. Die Statik in der filmischen Erzählweise trägt zudem zu einigen Längen bei. Somit ist „Transit“ ein Schlag ins Leere.