LUXEMBURG
MARCO MENG

Schlecker-Nachfolger Meng Drogerie peilt 30 Läden in Luxemburg an

Die Pleite von Schlecker beherrschte lange die Schlagzeilen; kaum ein Jahr darauf die Insolvenz des Nachfolgers dayli. Werden die Luxemburger Läden überleben, verkauft oder schließen? Dirk Kucht war der Geschäftsführer der Schlecker-Läden in Luxemburg, hat die Umwandlung in dayli miterlebt und in Meng Drogerie mitbewirkt - und ist heute voller Zuversicht.

Die Schlecker-Pleite kam überraschend. Auch für Sie?

Dirk Kucht Zu dem Zeitpunkt, als uns die Nachricht erreichte, war es sehr überraschend, ohne Frage. Das Erfolgsrezept von Schlecker Luxemburg, wo die Läden ja schwarze Zahlen schrieben, bestand darin, dass im Prinzip das deutsche Sortiment mit deutschen Preisen hier in Luxemburg angeboten wurde und wir damit preisattraktiv waren. Entscheidend für uns ist aber, dass wir trotz der Pleite der Kette in der Lage sind, die Luxemburger Läden alleine zu betreiben. Zu Schlecker-Zeiten hatten wir 28 Läden hier geöffnet, als Meng Drogerie haben wir mit 24 Vermietern neue Mietverträge aushandeln können. Durch die Schlecker-Pleite, die Übernahme durch dayli und dann deren Insolvenz waren die Läden lange Zeit geschlossen. Erst im April/Mai konnten wir wieder öffnen. Hintergrund ist, dass wir von den bisherigen Versorgungsmöglichkeiten abgeschnitten waren, das heißt, wir mussten vollständig neue Lieferanten suchen und ein neues Sortiment kreieren, was uns in nur drei Monaten gelungen war. Einige der Mitarbeiter hatten inzwischen andere Jobs angenommen, viele „alte“ Mitarbeiter waren aber auch dabei, als der Startschuss für das neue Unternehmen fiel. Aktuell haben wir 85 Mitarbeiter, die meisten aus Luxemburg, von denen etwa die Hälfte schon in Zeiten von Schlecker und dayli dabei war.

War der Neuanfang schwierig?

Kucht In Luxemburg haben wir die Zusammenarbeit mit Fixemer wiedererweckt, und wir sind der Meinung, dass wir auf jeden Fall auch Luxemburger Lieferanten brauchen, um auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen zu können. Schwieriger war es, für das Drogeriesortiment Lieferanten zu gewinnen. Hier arbeiten wir nun unter anderem mit der Rewe-Gruppe zusammen, die im Drogeriemarktgeschäft gut aufgestellt ist. Da sind wir ganz zufrieden. Ich denke, wenn wir in Luxemburg wieder an unsere alten Umsätze angeknüpft haben, können wir unsere Preise noch attraktiver gestalten. Durch die dreimonatige Schließung war es aber durchaus eine Aufgabe, die alten Kunden wiederzugewinnen beziehungsweise neue hinzuzugewinnen. Das ist die Herausforderung, vor der wir jetzt stehen. In diesem Zusammengang legen wir auch Wert darauf, als Luxemburger Unternehmen wahrgenommen zu werden, was wir jetzt sind, da wir nicht länger zu einer internationalen Kette gehören. Früher waren wir abhängig von der Warenversorgung durch die Muttergesellschaft, das ist heute ganz anders. Luxemburg ist jetzt eigenständig, und wir haben die Lieferverträge auch hier direkt verhandelt und abgeschlossen. Hier sind wir gegenüber Kundenwünschen auch vollkommen offen.

Das heißt, vielleicht mehr Luxemburger Produkte?

Kucht Absolut. Das wollen wir. Nach der Eröffnung hatte es ein, zwei Monate gedauert, bis im Detail die Warenversorgung funktionierte. Auch das dayli-Jahr davor war schwierig gewesen, denn mit der Warenversorgung hatte es damals doch arg gehapert. Jetzt ist es an uns, mit dem neuen Konzept zu überzeugen. Wir sind mit der jüngsten Entwicklung aber sehr zufrieden.

Was ist am Produktangebot jetzt anders?

Kucht Wir haben das klassische Drogeriemarktsortiment beibehalten, sind aber von der dayli-Schiene mit Lebensmitteln und so weiter abgerückt. Was wir mittlerweile hinbekommen haben, ist, ein Eigenmarkensortiment aufzubauen und auch einige exklusive Marken im Sortiment zu haben, was die Luxemburger bislang nicht kannten und was wir fortführen werden. Ein aktuelles Beispiel ist Kosmetik aus Italien, die sehr gut ankommt, und die es nur hier bei uns und auch nicht auf der anderen Seite der Sauer in Deutschland gibt. Das ist der Weg, den wir gehen wollen.


Wer sprang als Investor ein, als auch die dayli-Muttergesellschaft pleite machte?

Kucht Anfangs bestand die Hoffnung, dass es in Österreich weitergeht, was sich dann zerschlagen hatte. Wir suchten deswegen nach Alternativen. Letztlich kam es so, dass die Investoren, welche die Schlecker-Läden in Polen schon zu 50 Prozent übernommen hatten, dann nach dem Aus des Schlecker-Nachfolgers dayli komplett dort die fast 200 Läden übernahmen - und auch die Luxemburger Läden. Wir hatten einen Geschäftsplan ausgearbeitet, den wir den Investoren vorlegten und der sie überzeugte, Investitionen im Millionenbereich hier vorzunehmen. Man darf nicht vergessen, dass die Luxemburger Läden ja am Schluss komplett leer waren. Ein solcher Neustart setzt deswegen schon eine deutliche Investition voraus.

Wir kooperieren heute mit dayli Polen, sind aber wie gesagt eigenständig, gehören zu keiner Muttergesellschaft und können darum selbständig in ganz Europa einkaufen, in Belgien, Deutschland, Italien, auch in Polen.

Wie geht es jetzt weiter?

Kucht In einem ersten Schritt wurden die Läden neu und frisch gestaltet, womit wir auch weiter fortfahren, und hatten unsere Hausaufgaben in Bezug auf das Angebot zu machen. Jetzt arbeiten wir ein Konzept aus, wie neue Läden aussehen sollen.

Die bestehenden werden also modernisiert, und es wird definitiv auch bald weitere Meng Drogerie-Läden in Luxemburg geben. Mittelfristig liegt unser Ziel bei einer Gesamtzahl von 30 Läden.