LUXEMBURG
MARCO MENG

Verbände des Automobilsektors gründen „House of Automobile“

Kaum ein Wirtschaftssektor wird sich in den kommenden Jahren so sehr ändern wie der Automobilsektor. Das sagte Infrastrukturminister François Bausch anlässlich der Vorstellung des „House of Automobile“ (HoA) gestern Morgen in der Handelskammer. Im „House of Automobile“, das von Fegarlux, Adal, Mobiz und Febiac ins Leben gerufen wurde, sollen die luxemburgischen Akteure aus Autohandel und -werkstätten, Importeuren, Vermietung und Leasing bis hin zu Zulieferunternehmen der Autoindustrie auf einer Diskussions- und Koordinationsplattform zusammengebracht werden. So waren denn gestern auch viele, aber nicht alle, die in Luxemburg etwas mit Autos zu haben, in der Handelskammer zur Vorstellung des Projekts vertreten. Es fehlten noch die Zulieferunternehmen, deren es in Luxemburg einige gibt; doch auch die seien willkommen, sagte HoA-Koordinator Ernest Pirsch. „Mit der Gründung des House of Automobile haben wir eine neue Seite für den Sektor in Luxemburg aufgeschlagen“, führte Ernest Pirsch aus. Wie kommen Verbände dazu, ein „House of Automobile“ zu gründen? Neue Automobilitätskonzepte stellen die Branche vor einen Umbruch, der die Akteure in Luxemburg mit engerer Zusammenarbeit begegnen wollen.

„Es geht darum, die Zusammenarbeit zu intensivieren“, erklärt Pirsch. Das Projekt, das einzigartig in Europa sei und sicher von Kollegen im Ausland genau beobachtet würde, untermauere diesen Willen. Mit dem „House“, das keine Institution mit Adresse ist, wollen die Mitglieder Synergien finden und ausbauen und Antwort auf die drängenden Fragen CO2-Ausstoß, neue Antriebs- und Kommunikationstechnologien und insbesondere dem Thema Ausbildung und Nachwuchs auseinandersetzen. Der Verwaltungsrat der Plattform besteht aus je zwei Vertretern der verschiedenen Mitgliedsverbände.

„Autosektor steht vor Revolution“

Minister Bausch begrüßte die Initiative: Sie sei genau das, was in den nächsten Jahren gebraucht werde. Denn, unterstrich Bausch: „Der Automobilsektor steht vor einer Revolution“. Diese Vokabel wählte Bausch bewusst, wie er sagte, denn sie käme am ehesten der enormen Veränderung nahe, die der Sektor durchlaufe.

Bausch selbst war jüngst im kalifornischen Silicon Valley gewesen, wo er sich mit einigen Akteuren der dortigen neuen Automobilsektors traf, auch mit Uber und Google. Da die Veränderungen mit Riesenschritten kämen, sei es angebracht, dass sich die Akteure koordinierten.

Der für den Transportbereich zuständige Minister berichtete von seiner eigenen Erfahrung in den USA, als er mit einem selbstfahrenden Fahrzeug unterwegs gewesen war - nicht durch eine abgeschlossene Teststrecke, sondern im echten Straßenverkehr.

„Die Möglichkeiten sind gewaltig“, sagte Bausch, und insbesondere in den Punkten Effizienz und Verkehrssicherheit werde sich vieles ändern. Wie der Minister erklärte, sei es Ziel der Regierung, dass Luxemburg, gerade weil es ein kleines Land sei, als „Labor“ für die sich wandelnde Automobilindustrie dienen soll.

Im November wird die Regierung vorstellen, wie das Konzept in den sogenannten „Rifkin-Prozess“ der 3. Industriellen Revolution integriert werde. Der US-Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe wird im November sein für Luxemburg entwickeltes Wirtschaftsmodell vorstellen, bei dem die Vernetzung von neuen Technologien eine bedeutende Rolle spielt. In Luxemburg sind mehr als 10.000 Menschen im Automobilsektor beschäftigt.