LUXEMBURG
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Weg von Drogen und Afterparty - Skinny J mischt die luxemburgische Rapszene auf

In Jim Thills (23) Texten geht es zwar auch um Drogenkonsum und nächtelange Partys, jedoch nicht, wie oft von Rappern angenommen, weil dies zu seinem Alltag gehört. Der Musiker, auch bekannt als Skinny J, der seit seinem elften Lebensjahr Gitarrenunterricht nimmt und heute zudem noch Bass, Schlagzeug und Klavier spielt, mag es lieber ruhiger und verbringt seine Abende mit Freunden gemütlich am Stausee. Seine kritische Sicht auf die Welt verarbeitet er in seinen luxemburgischsprachigen Liedern, die der Tontechnik-Student in seiner Kölner Wohnung aufnimmt. Im April bringt Skinny J seine neue EP „Ego“ raus.

Woher kommt Dein Künstlername, und wer versteckt sich dahinter?

Skinny J Ich bin Jim. Ein Freund von mir sprach mich mal mit Skinny Jimmi an. Dieser Name wandelte sich dann schnell um in Skinny J. Skinny und lil sind klassische Rappernamen. Meine größte Leidenschaft ist die Musik. Zudem studiere ich Tontechnik in Köln.

Warum gerade Tontechnik?

Skinny J Mit 16 musste ich mir die Frage stellen, was ich in meinem Leben machen möchte. Ich entschied mich damals für etwas, für das ich mich zumindest ein wenig interessieren konnte, und das war der Beruf des Elektrikers. Drei Jahre habe ich in diesem Bereich gearbeitet, hatte jedoch sehr bald schon keine Lust mehr. Da ich mich in einem Alter befand, wo man einfach noch neue Lebenswege einschlagen kann, entschied ich mich dann für das, worauf ich wirklich Lust hatte: Die Tontechnik.

Was möchtest Du nach Deinem Studium machen?

Skinny J Obwohl es jetzt noch früh ist, weiß ich, dass ich gerne einen Mix hätte zwischen einer Festanstellung und der Arbeit als Freelancer. Es ist mir wichtig, genug Zeit zu haben, um an meiner eigenen Musik zu arbeiten und irgendwann ein eigenes Studio zu haben, um mit anderen Musikern zu arbeiten. Als Tontechniker ist man umgeben von kreativen Köpfen, mit ihnen kann ich mich gut identifizieren.

Deine EP soll organischer sein. Was hast Du alles selber gemacht?

Skinny J Man findet viele Instrumente und Beats wieder, die ich selbst eingespielt und aufgenommen habe. Zudem habe ich die Texte geschrieben und die ganze EP gemixt. Nur das Mastering wurde von Tom Gatti übernommen. Ich finde es wichtig, dass ich so viel selber machen kann, das ist künstlerisch super, weil man nicht nur dazulernt, sondern sich auch richtig austoben kann. Man kann einfach so lange an seinen eigenen Sachen feilen, bis sie einem gefallen. Arbeitet man mit jemand anderem, ist es oft schwer, ihm genau zu verdeutlichen, was man noch ändern möchte. Ich konnte meine EP zudem in meinem eigenen Homestudio aufnehmen, was natürlich wiederum eine gewisse Flexibilität mit sich bringt.

Deine neue EP „Ego“ soll nachdenklich sein. Woher kommt diese Tiefgründigkeit?

Skinny J Die EP ist zum größten Teil im Winter entstanden, wo die Tage kürzer und dunkler sind und mich öfters eine depressivere Stimmung begleitet. Dies spiegelt sich dann in meinen Liedern wider. Das Schreiben ist dann eine Art Therapie. Die Themen sind größtenteils auf den Alltag bezogen und regen zum Nachdenken an. Sie handeln von einer Gesellschaft, die zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringt statt mit ihrem Umfeld, und davon, dass man manchmal viele negativen Gedanken im Kopf hat. Die EP ist jedoch nicht ausschließlich düster, es kommt auch gute Stimmung auf.

In der Single „Ego“ geht es darum, dass Du keine Lust auf Drogen und Afterpartys hast. Ist das eine neue Art von Rebellion?

Skinny J Früher war es tatsächlich oft noch anders in der Rapszene. Auch heute kenne ich Leute, die diesen exzessiven Lifestyle führen und gerne intensiv ausgehen. Wenn sie jedoch zurück in die Realität kehren würden, würde das Leben ganz anders aussehen, und sie müssten sich Gedanken darüber machen, dass es noch anderes im Leben gibt, als abends im Club zu koksen. Ihr im Club und durch Drogen aufgebautes Ego zerbricht dann. „Ego“ ist also in der Tat eine Art Rebellion gegen diese Lebensart.

Deine Texte auf der neuen EP sind alle auf Luxemburgisch. Warum?

Skinny J Es ist die einzige Sprache, in der ich ausdrücken kann, wie ich mich fühle. Da ich auf Luxemburgisch denke, fällt mir das am einfachsten. Wenn ich meine Texte auf Deutsch schreiben würde, müsste ich länger nach den Wörtern suchen. Da bleibe ich doch lieber im Luxemburgischen, das ist auch authentischer. Mir ist es eh nicht so wichtig, ein größeres Publikum durch die englische Sprache zu erobern. Wenn ich genug Leute hier in Luxemburg mit meiner Musik inspiriere, macht mich das glücklich.

Auf was kann man sich denn in Zukunft gefasst machen?

Skinny J Es werden noch einige Konzerte anstehen, wo die Leute mich live erleben können. Auch arbeite ich immer wieder an neuen Songs, die ich am liebsten so schnell wie möglich veröffentlichen würde. Zudem würde ich gerne weitere Kollaborationen mit anderen Künstlern und Produzenten machen. Nicht zuletzt hoffe ich, dass ich vielleicht ein Studio eröffnen kann. Es wird dieses Jahr also noch so einiges auf euch zukommen.

Mehr über Skinny J unter www.facebook.com/skinnyJ110 und www.instagram.com/skinnyjofficial