LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Warterei und unverhoffte Kosten: Wie ein „Model Casting“ abläuft

Vergangenen Samstag wurde im NH Hotel Luxemburg nach „new faces“, also neuen Gesichtern in der Modelwelt, gesucht. Das Team von EGERI Tour hatte im Vorfeld eine ganze Reihe junger Mädchen und Jungs auf Facebook angeschrieben; der Inhalt der Privatnachricht war für jeden der gleiche.

Als ich die Nachricht erhielt, war ich zunächst einmal etwas verwundert, weil ich noch nie zuvor etwas von diesem Wettbewerb gehört hatte und auch nicht wusste, ob es sich hierbei um ein seriöses Casting handelt.

Nach längerem Überlegen, Recherchieren und Gesprächen mit Freunden und Eltern, habe ich mich dazu entschlossen, mir die Sache einfach mal anzuschauen um herauszufinden, wie so ein Casting abläuft.

Ziemlicher Andrang

Das EGERI Tour Casting in Luxemburg fand am Samstag statt. Da ich eh nichts anderes geplant hatte, dachte ich mir: „Warum nicht? Mal schauen ob das Casting sämtliche Klischees, die man gegenüber dem Modebusiness und der Scheinwelt des Modeldaseins hat, erfüllt.“

Jedoch war bereits nach der Ankunft klar, dass meine Befürchtungen nicht gerechtfertigt waren, auch wenn mit Abstand mehr Leute teilnahmen, als ich gedacht hätte. Das hat sich auch schon auf der Suche nach einem Parkplatz gezeigt. Am Hotel angekommen, kreiste ich ganze 40 Minuten umher, um mich dann mit drei anderen Mädels um die einzige freie Parklücke zu streiten. So weit, so gut, der „Parkplatz-Krieg“ war überstanden und das Auto geparkt.

Vorm Eingang standen bereits einige Mädchen, die genau so wenig Ahnung hatten wie ich. Nachdem wir uns zusammengetan hatten, fanden wir recht schnell zum Empfang, wo alle noch einmal gemessen wurden, um sicherzugehen, dass sie die gewünschte Größe haben. Mädchen durften teilnehmen, wenn sie 1,62m oder größer waren, während die Mindestgröße für Jungs bei 1,72m lag. Bis hierhin verlief alles sehr entspannt, wie eigentlich während dem Rest des Tages auch. Allerdings musste man am Tag des Castings eine extra Ladung Geduld mit im Gepäck haben.

Stundenlange Warterei und interessante Bekanntschaften

Man kennt es aus dem Fernsehen, aus Sendungen wie „Germany’s next Topmodel“ oder auch Serien, in denen die Modewelt eine Rolle spielt: Der Großteil des Tages besteht aus Warten. Aber das am Samstag war nicht „Germany’s next Topmodel“ und, wie bereits erwähnt, hatte ich mit deutlich weniger Teilnehmern gerechnet.

Im Grunde sah der Tag im NH Hotel folgendermaßen aus: rund eine Stunde in einem Raum warten, bis man mit seiner Nummer aufgerufen wurde. Nachdem man dann in einer Gruppe den Raum verlassen hatte, ging das Warten im Flur weiter, bis man sich vor den Mann, den sie „die Jury“ nannten, stellen konnte und sich ein weiteres Mal vorstellen musste. Er entschied, ob man am Fotoshooting teilnehmen durfte oder nicht. Sehr viele, meiner Ansicht nach der Großteil der Bewerber, haben auch tatsächlich am Shooting teilgenommen. Ob dies damit zu tun hat, dass die Organisatoren damit auch Geld verdient haben, sei in den Raum gestellt. Insgesamt hat alles 100 Euro gekostet. Das waren 36 Euro Einschreibegebühren, der Rest war für das Fotoshooting, alle unbearbeiteten Fotos, rund 20 Stück, das „Book“ mit ausgewählten retouchierten Fotos, das online gestellt wird, und Schminke. Da musste ich zu Beginn schlucken, weil in einer E-Mail nur von den 36 Euro die Rede war, aber da ich die Bilder haben wollte - wie eigentlich jeder, der mitgemacht hat - habe ich die Kosten dann auf mich genommen. Jedenfalls ging vor dem Fotoshooting das große Warten weiter. Es hat teilweise bis zu zwei Stunden gedauert, bis man dann endlich vor dem Fotografen stand, obwohl alle Teilnehmer auf drei Studios verteilt wurden. Nachdem man abgelichtet wurde, ging die Warterei weiter, bis man die Bilder auch tatsächlich sehen konnte. Ich persönlich empfand die Stunden eher nicht als unangenehme Wartezeit, da man immer wieder mit Leuten ins Gespräch kam und so die Zeit nutzen konnte, um neue Bekanntschaften zu knüpfen.

Vom Casting ins Finale

Der weitere Verlauf der „EGERI Tour“ sieht nun so aus: Es werden noch weitere Castings in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz durchgeführt. Nachdem alle Castings durch sind, wird eine Jury von den unzähligen Kandidaten und Kandidatinnen neun Mädchen und neun Jungs auswählen, die es dann ins Finale in Paris geschafft haben. Zwei weitere Personen werden via online Voting ins Finale gewählt.

Danach stehen noch zwei weitere Etappen mit Foto-
shootings, Coachings für den Laufsteg, Abstimmung der Internetnutzer und Auswahl durch die Jury an. Bis dato heißt es weiterhin abwarten, denn die Finalisten werden erst im Juni per E-Mail erfahren, ob sie es in die zweite Etappe und damit ins Finale geschafft haben.

Alles was mir nun zu sagen bleibt, ist, dass obwohl ich zu Beginn skeptisch war, ich es jetzt als eine positive Erfahrung sehe, die mir gezeigt hat, wie es hinter den Kulissen eines Modelcastings aussieht. Und, dass der Umgang untereinander sehr menschlich ist und nicht so kalt und oberflächlich, wie es oft den Anschein macht.


Mehr Informationen und später Abstimmung über die Kandidaten auf www.egeri-tour.com