LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Bénédicte Souy hilft Firmen, Arbeitskräfte auf dem globalen Markt zu finden und zu integrieren

Bénédicte Souy hat sich ihren Job einfach selbst geschaffen. Nach ihrem Master in Europäischem Recht wurde sie 2007 „Integration Officer“ und verantwortlich für das globale Mobilitätprogramm bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Luxemburg. „Die Stelle war nicht ausgeschrieben“, sagt die 34-Jährige. Sie schlug KPMG einfach vor, dass es gut wäre, wenn sie so jemanden hätten. Denn: Bei KPMG in Luxemburg arbeiten Menschen aus rund 40 Nationen, darunter Pakistan, China, USA und den Philippinen. Der damalige Managing Partner, John Lee, kommt aus Mauritius.

All diese verschiedenen Kulturen können aber zu Komplikationen führen. „Personen aus verschiedenen Kulturen reagieren in denselben Situationen unterschiedlich“, sagt Souy. Mauritier würden beispielsweise ungerne „nein“ sagen. Sie möchten Probleme lösen und dass alle zufrieden seien. „Man sieht bei Menschen nur die kulturelle Eisbergspitze“, sagt die Französin - Eigenschaften, denen Menschen aus bestimmten Ländern zugeschrieben werden. Das kann zu Missverständnissen oder gar Streit führen, wenn jemand nicht versteht, warum ein Kollege auf eine bestimmte Art und Weise reagiert. Souy verdeutlichte das den Mitarbeitern bei KPMG unter anderem durch cross-kulturelles Diversitätstraining, zum Beispiel durch Rollenspiele.

Zwei Konferenzen brachten die Idee

Ende 2010 tat sich dann eine weitere spannende Option für Souy bei der Universität Luxemburg mit dem „Impala“-Projekt auf („International immigration policy and law analysis“). Es bestand aus einem Verbund von fünf Universitäten, darunter Harvard, die eine vergleichende Datenbank aufbauten mit den Immigrations- und Asyl-Richtlinien von 26 OECD-Ländern von 1960 bis heute. Sechs Jahre lang war Souy dafür verantwortlich, Daten zu sammeln, die Luxemburg und Frankreich betreffen.

Der Wendepunkt kam, nachdem sie zu zwei großen Konferenzen als Sprecherin eingeladen wurde: Im Oktober 2015 bei der Universität Luxemburg über die Migrationspolitik der EU und im Februar 2016 beim „Journée de l’Economie“ der Handelskammer und PwC über das Thema: „Investing in talents, how to attract, grow and retain them?“ „Ich habe erkannt, inwieweit Unternehmen, die auf internationaler Ebene rekrutieren und auf den globalen Arbeitsmarkt zugreifen, unzureichend darauf vorbereitet sind, die Einwanderungspolitik zu ihrem besten Vorteil zu nutzen“, sagt Souy. Das war die Initialzündung, ihre eigene ein-Personen-Firma zu gründen: Mit „Moving People 2 Luxembourg“ hilft Souy Unternehmen dabei, den perfekten Mitarbeiter auf dem globalen Arbeitsmarkt zu finden, Rechtliches und Einwanderungsfragen zu lösen und den Menschen in Luxemburg den Start leichter zu machen. Darüber hinaus trainiert  Souy nach wie vor Teams in Unternehmen im Umgang mit kultureller Vielfalt.

Wohnungssuche und Kontoeröffnung

Mittlerweile ist Souy ein Jahr im Geschäft und zufrieden. Die Nachfrage ist da: „Unternehmen haben es beispielsweise schwer, noch IT-Kräfte zu finden“, sagt Souy. „Der europäische Markt ist abgegrast.“ Doch wenn man die Leute von fernen Ländern herholt, wird es kompliziert. Nicht nur mit den Formalien und den Genehmigungen. Vor allem im Privaten brauchen die Menschen Hilfe. Sei es bei der Wohnungssuche oder beim Eröffnen eines neuen Kontos. Bénédicte Souy hilft bei allem, wenn Firmen sie engagieren.

„Wenn die Menschen sich nicht integriert fühlen, nicht in der Firma, nicht in der Gesellschaft, geben sie den Job schnell wieder auf und gehen wieder nach Hause - und das Unternehmen hat alles verloren, was es in die neue Arbeitskraft investiert hat.“

Und es seien nicht nur Menschen von anderen Kontinenten, die Unterstützung brauchen. „Firmen denken, nur weil jemand aus einem EU-Land kommt, braucht er keine Hilfe. Das stimmt aber nicht.“

Eine weitere Hürde ist, wenn die Familie eines Zuzüglers mit- oder nachkommt. Die Partner hätten es teils noch schwerer, sagt Souy, da diese oft nicht einmal einen Job hätten und noch mehr mit dem neuen Leben fremdeln würden. Auch Kinder tun sich bisweilen schwer. „Und es ist nicht einfach, einen Platz an einer internationalen Schule in Luxemburg zu bekommen.“