LUXEMBURG
MARCO MENG

Mit Verzögerung lud Windschutzscheibenhersteller Carlex zur offiziellen Einweihung

Die neue Produktionsanlage von Carlex in Grevenmacher für Windschutzscheiben läuft zwar schon seit Februar, doch die offizielle Eröffnung dauerte dann doch etwas länger als ursprünglich geplant: Denn angekündigt wurde die neue Produktionslinie letztes Jahr vom damaligen Werksleiter Olivier Laufer, der inzwischen aber, genau gesagt im März, von Dave Kaufman aus den USA ersetzt wurde.

2014 hatte Carlex die Automobilglas-Produktionsstätten des US-Glasherstellers Guardian übernommen, darunter auch die Anlagen auf Potaschbierg. Anschließend hatte der neue Eigentümer die Millioneninvestition in Luxemburg angekündigt, aber auch gleichzeitig damit begonnen, umzustrukturieren. So waren neben dem Austausch des Chefs beispielsweise auch etliche Zeitarbeitsverträge Ende letzten Jahres nicht erneuert worden. Nun hat der Mutterkonzern Central Glass aus Japan 25 Millionen Euro wie angekündigt in den Standort investiert, Grund genug, dass auch Wirtschaftsminister Etienne Schneider gestern die Produktionslinie für Windschutzscheiben, zum Beispiel für den Porsche Panamera oder den Audi A7 Sportback in Augenschein nahm.

Moderne Produktion

Der neue Werkschef Kaufman bekräftigte gestern, dass die neue Produktionslinie eine Investition in die Zukunft des luxemburgischen Standorts sei. „Die Scheiben können mit großer Geschwindigkeit, sicher und energieeffizient produziert werden, und nach den neusten Kundenbedürfnissen“, sagte Kaufman. Zusammen mit dem Forschungsinstitut „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) und Luxinnovation hat Carlex eine Vereinbarung geschlossen, um zusammen Neuerungen zu entwickeln, denn die Windschutzscheiben sind längst nicht nur Glasscheiben, sondern werden immer mehr zu interaktiven Modulen.

Im August 2016 wurde die Genehmigung für die „Laminating Line 5“ erteilt, wo auf um 3.400 Quadratmetern mithilfe von Fanuc-Robotern besonders hochwertige Windschutzscheiben gefertigt werden. Im Januar 2017 wurde mit den Arbeiten begonnen. Einige Monate später, im September 2017, wurden die Maschinen installiert und bereits im Dezember des gleichen Jahres die ersten Tests durchgeführt. Die endgültige Inbetriebnahme der neuen Produktionsanlage erfolgte im Februar 2018. Mit der in ihrer Konstruktion besonders komplexen neuen Produktionsanlage „Laminating Line 5“ soll nicht die Produktion des Unternehmens gesteigert werden, sondern es sollen vielmehr dadurch nicht mehr aktuelle Produktionsanlagen ersetzt werden, die aus dem Jahr 1992 stammen und den derzeitigen Anforderungen nicht mehr optimal entsprechen. Nach dem Carlex-Prinzip „Alles unter einem Dach“ sind in Grevenmacher die Abteilungen für Einkauf, Verkauf und Finanzen, Produktentwicklung, die Produktionsanlage für gehärtetes und beschichtetes Glas, die Endfertigung sowie das „Advanced Product Development“, das dafür verantwortlich ist, dass Carlex für zukünftige Anforderungen des Marktes gerüstet ist, an einem einzigen Ort untergebracht. Gegenwärtig beschäftigt Carlex in Grevenmacher rund 530 Mitarbeiter; die Produktion läuft in drei Schichten rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr.

Wirtschaftsminister Schneider meinte gestern: „Wenn eine Firma so viel Geld in Luxemburg investiert, ist das ein wichtiger Moment, und es zeigt das Vertrauen in den Industriestandort Luxemburg.“ Der Automobilsektor sei einer der Schlüsselsektoren zur Diversifizierung der luxemburgischen Wirtschaft. Bei der Investition in Grevenmacher betont Schneider, dass dadurch ein Drittel weniger Energie verbraucht wird und jährlich 11.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart würden. „Das entspricht hundertprozentig der Rifkin-Strategie, wenn wir von qualitativem Wachstum sprechen“, erklärte Schneider.

Schneider verwies auch auf ein neues Gesetz, das im Dezember verabschiedet wurde und durch das Unternehmen von Umweltbeihilfen profitieren können: „Neue Firmen, die hierhin kommen, aber auch solche, die schon hier sind, ob große Unternehmen oder kleine“, sagte der Wirtschaftsminister, der fortfuhr: „Wir brauchen industrielle Betriebe im Land.“ Laut Léon Gloden, Bürgermeister von Grevenmacher, wird demnächst ein neuer „plan sectoriel“ bekanntgegeben, mit dem auch die Gewerbefläche in Grevenmacher erweitert werde, zudem sei auf Potaschbierg ein neues Finanzzentrum geplant. Alles in allem sollen hier in den nächsten zehn Jahren bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze entstehen.