LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die Umgestaltung des Ortskerns von Junglinster wird nach langer Planung konkret

Dass die Mühlen in Luxemburg manchmal etwas langsam mahlen, ist nichts Neues und manchmal kommt auch nichts dabei heraus, aber in diesem konkreten Fall zeichnet sich eine wirklich durchdachte Lösung ab. Es geht um die Ortsmitte von Junglinster, für deren Gestaltung bereits 2008, also vor sieben Jahren, ein städtebaulicher Wettbewerb mit sehr interessanten Ergebnissen durchgeführt wurde.

Drei Bauabschnitte

Zwischenzeitlich wurde das Planungsgebiet etwas ausgeweitet und bildet - grob vereinfacht - ein Band von Gebäuden und Grünanlagen, dass von der Kirche im Norden bis zum Gewerbegebiet Langwies im Süden reicht. Die renaturierte Schwarze Ernz bildet dabei den Leitfaden. Insgesamt umfasst dieses Mischgebiet aus Wohnungen, Nahversorgung und Räumen für Dienstleister, etwa Arztpraxen, eine Fläche von 3,8 Hektar. Das neue Viertel trägt den Namen „JongMëtt“. Ab Mitte des Jahres soll das Vorhaben in drei Bauabschnitten realisiert werden. Der erste Teilbebauungsplan wurde bereits im vergangenen Herbst genehmigt.

Nach einer bereits begonnenen Altlastensanierung und abschließenden Planung der Infrastrukturnetze und des öffentlichen Raums sollen im nächsten Monat die ersten Straßenbauarbeiten beginnen. Baubeginn ist im Süden. In einer Pressemitteilung des Schöffenrates von Junglinster heißt es wörtlich:

„Das Grundgerüst des Konzeptes besteht aus einer Platzfolge (…). Wesentlicher Bestandteil dieses Bandes ist die zur Stadtpromenade umgebaute ‚Rue Hiehl‘ und der östlich angelagerte neue Stadtpark. Die ‚Ernz Noire‘ wird im Bereich dieser städtebaulichen Achse freigelegt, renaturiert und im Westen durch die Wasserpromenade begleitet. Ihr angelagert ist das neue Wohngebiet, das sich zwischen dem neuen, großzügigen Junglinster-Platz im Zentrum und dem ebenfalls neuen Kulturplatz am Jugend- und Kulturzentrum im südlichen Bereich des Gebietes aufspannt.

Als Leitidee für die geplante Wohnbebauung an der ‚Rue de la Gare‘ dient das früher für viele Ortschaften im Großherzogtum typische Konzept der Haus-Hof-Bebauung. Ein Konzept, das in diesem Gebiet wieder aufgenommen und neu interpretiert wird. (…) Die Gemeinde beabsichtigt darüber hinaus, durch die Entwicklung des neuen Gebietes den Entwicklungspol Junglinster als Kompetenzzentrum für freie Berufe etablieren zu können. Der heilberufliche Bereich, zu welchem beispielsweise Allgemeinmediziner, Fachärzte, Zahnärzte, Labors usw. gehören, stellt dabei einen der insgesamt fünf Bereiche für Freiberufler dar.“

Großes Planungsteam

Die Gemeinde ist federführend bei der Planung. Mit 77 Prozent hält sie auch den Löwenanteil des Grundbesitzes. Die restlichen 22,8 Prozent gehören der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft SNHBM. Dabei greift die Gemeinde auf ein Team aus lokalen und internationalen Planern zurück, darunter sind das Architekturbüro WW+ aus Esch /Alzette für Bebauungsplanung und Projektsteuerung und das Büro „Wich Architekten“, München für die Außenraumplanung.

Private Bauträger und SNHBM

Zwei Teilflächen der „JongMëtt“ von insgesamt 8.500 Quadratmetern sollen von privaten Bauträgern entwickelt werden. Um eine „Hohe Qualität“ zu sichern, so die Gemeinde, wird ein europaweiter Investorenwettbewerb ausgeschrieben. Auf einer weiteren Fläche von 6.900 Quadratmetern kommt die SNHBM beim Bau von preiswertem Wohnraum zum Zuge.

Neue Wege - Bauherrengemeinschaften

Für Luxemburg neue Wege geht man mit der Absicht Teilflächen für private Bauherrengemeinschaften zu reservieren. Bauherrengemeinschaften von Privatleuten sind aktiv an der Planung beteiligt und lassen ihre Gestaltungswünsche mit in die Konzeption der Häuser einfließen. Im weitesten Sinne handelt es sich dabei um genossenschaftliches Bauen. Eines der europaweit bekanntesten Gebiete, wo Bauherrengemeinschaften zum Tragen kamen ist das Vauban-Viertel im süddeutschen Freiburg. Die Gemeinde Junglinster selbst wird sich um den Bau zweier barrierefreier Mehrfamilienhäuser kümmern, die unter dem Motto „Design for all“ geplant werden. Dabei sollen 40 Wohnungen für Senioren oder bewegungsbeeinträchtigte Menschen entstehen.