NIC. DICKEN

Fragen über Fragen zu Problemkreisen, die nicht erst seit Jahren sondern zum Teil schon seit Jahrzehnten anhängig sind, musste sich Premierminister Xavier Bettel sowohl über das Studiomikrofon als auch über zugeschaltete Zuhörertelefone am vergangenen Samstag im RTL-Sendezentrum stellen lassen und sollte womöglich zu allem und jedem eine tunlichst zufriedenstellende und möglichst konkrete Antwort liefern. Es ist denn auch schon fast bezeichnend, dass vom Chef der aktuellen Regierung erwartet wird, innerhalb von drei Jahren all jene Lösungen gefunden zu haben, für die andere vor ihm, außer Beschwichtigungen und Vertröstungen, über dreißig Jahre hinweg keine probaten Ansatzpunkte gefunden haben.

Ein gesundes Selbstbewusstsein und der eigene Anspruch, auf alte und neue Herausforderungen Antworten zu finden, können in solchen Situationen durchaus weiterhelfen, auch wenn man mit der einen oder anderen Antwort und Absichtserklärung nicht unbedingt dem Geschmack aller Bürger entspricht. Auch im Sport, wie allgemein im Leben, ist nicht jeder Schuss ein Treffer. Wenn aber, wie wir es zuvor über Jahrzehnte hinweg erlebt haben, aus Angst vor dem eventuellen Fehlschuss überhaupt nicht angepackt wird, dann müsste der neue Tatendrang doch eigentlich den meisten Bürgern aus dem Herzen sprechen.

Bisweilen ist man geneigt sich zu fragen, wo die in den letzten Jahren gezeigte Hartnäckigkeit herkommt, mit der jetzt die einzelnen Initiativen der Regierung beäugt und kritisiert werden, nachdem zuvor über Jahrzehnte hinweg zwar die Faust in der Tasche gemacht, jedoch kaum öffentlich ausgesprochen bzw. kritisch hinterfragt wurde, warum diese oder jene absolut notwendige Reform (Steuern, Unterricht, Staatsschulden, Wohnungsbau, Transport, ...) partout nicht umgesetzt wurde.

Man mag, teilweise zu Recht, mit der einen oder anderen Regierungsentscheidung nicht zufrieden sei, doch kann nicht geleugnet werden, dass die amtierende Dreierkoalition in den letzten 36 Monaten deutlich mehr Mut und Handlungsbereitschaft gezeigt hat als über die drei Jahrzehnte zuvor feststellbar war.

Über Ungerechtigkeit und andere Mängel einer Steuerreform brauchte sich die ganze Zeit hindurch niemand zu ärgern oder zu äußern, weil es sie einfach nicht gab. Und Unterrichtsreformen konnten zuvor kaum Erfolg zeitigen, weil sie an einem Kernproblem, der einzigartigen Sprachensituation in diesem Land, vorbei umgesetzt wurden. Die Wohnungsnot hat sich in den letzten Jahren allenfalls verschärft, entstanden und gewachsen ist sie seit den 80er Jahren, ohne dass wirklich grundlegende Akzente zur Umkehr gesetzt worden wären.

Einen Anspruch auf Perfektion kann auch diese Regierung nicht erheben und will dies auch eher nicht. Dem Anspruch, auf Schieflagen kurzfristig zu reagieren und angesichts neuer Herausforderungen konkrete Initiativen zu ergreifen, ist diese Regierung jedoch allemal gerecht geworden.

Blinde Parteilichkeit und Jammern auf hohem Niveau wird auch diese Regierung jedoch nicht abschaffen können.