LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Geschäfte und Friseursalons dürfen ab Montag wieder öffnen - Soziale Kontakte wieder erlaubt

Am 11. Mai, also am Montag nächster Woche, tritt in der Corona-Krise nach der Wiedereröffnung der Baustellen, Baumärkte, Gartenbetriebe und Recycling-Center am 20. April, und nach der heutigen Wiederaufnahme der Schule für die Abschlussklassen im Sekundarunterricht und in der Berufsausbildung eine weitere Phase der Lockerungen in Kraft, und es dürfte diejenige Phase sein, auf die ein Großteil der Bevölkerung mit Sehnsucht gewartet hat, nämlich die Wiedereröffnung der Geschäfte sowie der Friseursalons und Kosmetikstudios.

„Diszipliniert bleiben“

Diese neue Phase in der Exit-Strategie Luxemburgs teilten Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert auf einer Pressekonferenz mit, die heute erstmals im Konferenzzentrum auf Kirchberg stattfand, was den Journalisten nach sieben Wochen endlich wieder erlaubte, einer Regierungspressekonferenz beiwohnen und bei ihren Fragen auch nachhaken zu können, und die Pressekonferenz nicht nur über eine Videoschalte zu verfolgen.

Wie der Regierungschef eingangs der Pressekonferenz unterstrich, habe es das Land bisher dann auch geschafft, das Schlimmste zu verhindern und Überbelastungen in den Krankenhäusern zu vermeiden, was aber nicht heiße, dass Luxemburg verschont geblieben sei. Hätten wir vor einigen Wochen noch bis zu 200 Neuinfektionen pro Tag gehabt, so habe man in den vergangenen zwei Wochen keinen besorgniserregenden Anstieg feststellen können.

„Wir haben die Situation im Griff“, so Xavier Bettel, und die ist eher beruhigend, was dazu geführt habe, dass nun ab dem 11. Mai eine neue Phase der Lockerung beginnen könne. Es heiße aber weiter diszipliniert zu bleiben, müssten wir doch lernen, mit dem Virus zu leben, und das bedeute weiterhin die Abstandsregeln von zwei Metern zu befolgen und einen Mundschutz zu tragen. Es sei aber auch die Zeit der Eigenverantwortung, wo jeder Einzelne einen Teil der Lösung darstelle.

In diesem Sinne seien ab kommendem Montag wieder soziale Kontakte möglich. Zu Hause könne man ab diesem Datum wieder, natürlich mit den nötigen Sicherheitsabständen und Hygienemaßnahmen, bis zu sechs Personen empfangen, derweil draußen Treffen mit bis zu 20 Leuten erlaubt würden, wenn ein Abstand von zwei Metern eingehalten werde.

Verschiedene Sportarten wieder erlaubt

Auch würden ab Montag wieder verschiedene Sportarten wie Reiten, Segeln oder Golf erlaubt werden, allerdings keine Mannschafts- und Kontaktsportarten. Die Geschäfte sollen am 11. Mai ebenfalls wieder öffnen, wie auch die Friseursalons und die Kosmetikstudios, allerdings ausschließlich nach vorheriger Terminvereinbarung.

Eine genaue Liste, welche Geschäfte wieder öffnen dürfen, soll es am Mittwoch geben. Auch Kulturinstitutionen wie Bibliotheken und Museen sollen ab Montag unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen dürfen, will heißen wenn das Social Distancing gewährleistet wird. Öffnen können auch Auto-Kinos.

50 Masken für jeden Einwohner und Grenzgänger

Was nun den Horeca-Sektor betreffe, so sei sich die Regierung über die schwierige Situation bewusst und arbeite an einer Lösung. Wenn der Anstieg der Zahlen weiterhin so gering wie jetzt bleibe, dann könnte es zu einer Wiedereröffnung der Restaurants ab dem 1. Juni kommen, was jedoch nicht für die Cafés und Diskotheken gelte.

Dann kündigte der Regierungschef auch noch an, dass in den nächsten beiden Wochen jeder Einwohner über 16 Jahre, und jeder Grenzgänger, der hier arbeitet, jeweils 50 Masken bekommen soll, um sich zu schützen.

„Zu keinem Moment überfordert“

Gesundheitsministerin Paulette Lenert erinnerte ihrerseits daran, dass wir noch nicht aus der Krise heraus seien, sondern uns immer noch mittendrin befinden würden, aber man habe es geschafft, die Infektionskurve flach zu halten, so dass man die erste Etappe gut überstanden habe und im Vergleich zu anderen Ländern gut dastehe. Luxemburg sei zu keinem Moment überfordert gewesen, was es erlaube, nun in eine neue Phase zu gehen. „Wir werden einen neuen Alltag bekommen, und dies wohl für längere Zeit“, so die Ministerin, die darauf hinwies, dass das größte Risiko immer noch bei den sozialen Kontakten liege.

Xavier Bettel fügt dem dann noch hinzu, dass er als Liberaler nicht in einer Gesellschaft leben wolle, in der man die Polizei rufe, wenn der Nachbar seinen Bruder zu Gast habe.

Am Donnerstag werden Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert übrigens eine Erklärung zur Exit-Strategie in der Abgeordnetenkammer abgeben.

Unterrichtsminister Claude Meisch und Syvicol-Präsident Emile Eicher werden ihrerseits morgen Nachmittag eine Pressekonferenz über die Wiedereröffnung der Grundschulen abhalten.

Kein neuer Toter - Nur vier neue Corona-Fälle

Am späten Nachmittag teilte das Gesundheitsministerium dann auch noch, wie jeden Tag um diese Zeit, die jüngsten Corona-Zahlen mit. So hatte Luxemburg heute keinen neuen Corona-bedingten Todesfall zu beklagen; die Zahl der Verstorbenen liegt weiterhin bei 96. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 84 Jahren. Auf Covid-19 positiv getestet wurden im Großherzogtum bis jetzt 3.828 Personen - das sind nur vier mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 3.097 Ansässige und 727 Nichtansässige; 51,1 Prozent sind Männer und 48,9 Prozent Frauen.

Seit Beginn der Krise wurden bislang insgesamt 48.339 Corona-Tests durchgeführt. Hospitalisiert sind im Moment 113 Leute (Covid-19 und Verdachtsfälle), von denen 21 auf der Intensivstation liegen. Entlassen wurden bislang 851 Corona-Patienten.

Hoher Besuch am „Luxembourg Institute of Health“

Großherzog Henri und seine Frau Maria Teresa besuchten ihrerseits am Nachmittag das „Luxembourg Institute of Health“, wo sie sich über die wichtigsten Studien im Rahmen der Corona-Krise informierten, darunter die Studie „CON-VINCE“ zur Evaluierung der Ausbreitungsdynamik von Covid-19 in der luxemburgischen Bevölkerung.

Dann war auch noch zu erfahren, dass ab morgen rund 400.000 Schutzmasken für die Mitglieder des Gemeindesyndikats Syvicol verteilt werden.